Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2015

11:43 Uhr

Griechische Notkredite

Die EZB hat griechische Spielchen satt

Die EZB genehmigt den geldknappen griechischen Banken einen weiteren Notkredit. Die Entscheidung fällt jetzt auf Tagesbasis. Das Signal: Die Notenbanker haben die griechischen Spielchen satt.

Die EZB zeigt Macht: Auf Tagesbasis genehmigt sie mittlerweile die Nothilfen für die griechischen Banken. dpa

EZB und der Euro

Die EZB zeigt Macht: Auf Tagesbasis genehmigt sie mittlerweile die Nothilfen für die griechischen Banken.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank hat einem Insider zufolge eine Erhöhung der Nothilfen für griechische Geldhäuser um etwas weniger als eine Milliarde Euro genehmigt. Bei Bedarf werde der EZB-Rat erneut zu einer Telefonkonferenz zusammenkommen, um eine Ausweitung des Finanzrahmens zu besprechen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Die EZB wird nach Ansicht des litauischen Notenbankchefs Vitas Vasiliauskas nun jeden Tag neu über die ELA-Nothilfen für griechische Banken entscheiden. Am vergangenen Mittwoch hatte er ihn um 1,1 Milliarden Euro erhöht. Am Freitag dann erhöhte er ihn um knapp 1,8 und am Montag um weitere zwei Milliarden auf rund 89 Milliarden Euro.

ELA und die griechischen Banken

Was heißt „ELA“?

Ela steht für „Emergency Liquidity Assistance“, also Notfall-Liquditätshilfe.

Wer vergibt die Kredithilfen?

Die Hilfe wird nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen.

Welche Regeln gelten?

Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die nur einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Wie wichtig sind die Hilfen für griechische Banken?

Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen - was sie faktisch nicht können. Seit Monaten hängen die Hellas-Banken am Ela-Tropf: Von der üblichen Versorgung mit frischem Zentralbankgeld sind sie überwiegend abgeschnitten. Denn ein Großteil ihrer Sicherheiten - griechische Staatsanleihen - werden von der EZB zurzeit nicht als Pfand akzeptiert, weil sie zu schlecht bewertet sind.

Statt den Rahmen deutlich zu erhöhen, hält die EZB ihn bewusst knapp. Nicht nur Bundesbank-Chef Weidmann sondern auch andere Ratsmitglieder sehen die Ela-Hilfen sehr kritisch. Das Problem: Fast alles Geld was als Ela-Hilfen zusätzlich gewährt wird, fließt gleich wieder ins Ausland. Deshalb gibt es inzwischen auch aus der EZB starken Druck für die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland, heißt es in Notenbankkreisen.

Die tägliche Abstimmung ist zudem ein Signal an die griechische Regierung und die mit ihr um das nächste Rettungspaket verhandelnden europäischen Finanzminister sowie die Staats- und Regierungschefs: Aus Sicht der Notenbank hängt der Finanzsektor des Landes am seidenen Faden.

Mit dem Geld aus den Ela-Krediten sollen die Banken trotz der starken Mittelabflüsse zahlungsfähig bleiben. Laut griechischen Medien sind alleine am Montag 800 Millionen Euro von den Konten abgeflossen sein. Die britische Finanzzeitung Financial Times beziffert den Kapitalabfluss am Montag sogar auf 1,6 Milliarden Euro und beruft sich auf zwei hochrangige griechische Banker.

Wegen der drohenden Staatspleite holen viele Griechen ihr Geld von den Konten. Die Euro-Staaten wollen den Schuldenstreit mit Griechenland in einem neuen Anlauf bis Mittwochabend lösen. Bis dahin sollen Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) neue Reformvorschläge der griechischen Regierung geprüft haben.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Paul Ginor

23.06.2015, 09:58 Uhr

Wow. Knallhart. Die Griechen werden beeindruckt sein. Letzte Woche 3 Mrd gefordert und nicht bekommen. Stattdessen 3 x um/über eine Mrd. na wenn die jetzt nicht einlenken...
Griechenland, nein Danke!

Herr Jens Brüggemann

23.06.2015, 10:35 Uhr

Als ob Notkredite auf TAGESbasis einen Unterschied machen würden... Das Geld fließt weiter ungehindert... Bin ich naiv oder bedeutet das nicht, dass jede Miliiarde an € die griechische Bankkunden abheben durch Einlagen der EZB ersetzt werden, für die Europas Steuerzahler haften? Mit anderen Worten: Während die Griechen ihr Geld in Sicherheit bringen bleiben Europas Steuerzahler auf Zig-Milliarden uneinbringlicher Forderungen gegenüber griechischen Banken aus 'Notkrediten' sitzen, da sie de facto ja genauso bankrott sind wie der Staat (es sei denn es geschieht noch irgendein Wunder)?

Frau Ich Kritisch

23.06.2015, 12:45 Uhr

hieß es nicht mal, dass bei gut 90 milliarden Schluss sei?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×