Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2014

12:31 Uhr

Große Zinswende

Das Ende der Geldflut

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Jetzt ist es amtlich: Die US-Notenbank Fed wird ihr gigantisches Geldexperiment im Oktober beenden. Die Wende hat weitreichende Konsequenzen für US-Wirtschaft, Börse und Schwellenländer. Aber auch für die Euro-Zone.

Stopp der Anleihenkäufe

Börsenexperte: Konjunktur macht Fed-Zinswende möglich

Stopp der Anleihenkäufe: Börsenexperte: Konjunktur macht Fed-Zinswende möglich

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfNun haben es die Anleger schwarz auf weiß. Bis Oktober will die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe auslaufen lassen, falls nichts Überraschendes passiert. So steht es in den Protokollen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Die Zentralbanker sind zuversichtlich, dass die US-Wirtschaft sich nachhaltig von der Krise erholt hat und auch in den kommenden Jahren auf Wachstumskurs bleibt. Damit steht der Ausstieg aus dem größten Geldexperiment aller Zeiten bevor. Eine Rückkehr zur Normalität ist allerdings noch lange nicht in Sicht. 

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Nach Meinung der Notenbanker waren die milliardenschweren Anleihekäufe in der Finanzkrise nötig geworden, weil konventionelle Instrumente keine Wirkung mehr zeigten. Die besonders schwere Rezession, ausgelöst durch die Bankenkrise nach 2007, erforderte besondere Mittel. Damit Banken und Staaten leichter an Geld kommen konnten, schaffte die Notenbank den Leitzins praktisch ab. Zusätzlich kaufte sie Anleihen und Hypothekenpapiere für monatlich rund 85 Milliarden Dollar auf. Insgesamt hat sie mehrere Billionen Dollar ausgegeben. Seit Januar 2014 wird das Volumen schrittweise um zehn Milliarden Dollar pro Monat zurückgefahren.

Die Wirkungen dieser außergewöhnlichen Maßnahmen sind umstritten. Eines jedoch steht fest: Das billige Geld der Notenbanken hat eine jahrelange Rally an den Börsen, aber auch an Immobilienmärkten befeuert – ein von der US-Notenbank durchaus beabsichtigter Nebeneffekt. Je höher die Aktienkurse und Häuserpreise, desto reicher fühlen sich die Menschen und sind entsprechend bereit, mehr Geld auszugeben. Dieser psychologische Effekt, ohne den die wirtschaftliche Erholung in den USA kaum hätte greifen können, ist nicht zu unterschätzen.

Doch was passiert an dem Tag, an dem die Geldschwemme endet? Die Notenbanker wissen, dass sie vorsichtig vorgehen müssen, um die Anleger nicht zu verschrecken. Ansonsten wäre das mühsam aufgebaute Vertrauen schnell wieder dahin, der Aufschwung könnte sich als Illusion erweisen. Ein Ende der Anleihekäufe hätte weltweit Konsequenzen.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Woldemar von Stechlin

10.07.2014, 13:23 Uhr

Quatsch. Die Zinsen werden nie mehr über die Inflationsrate steigen. Denn der einzige Weg aus der Staatsverschuldung ist Inflation.

Herr Josef Schmidt

10.07.2014, 13:26 Uhr

Die offizielle Version.

Wer kauft heimlich den US Anleihen über Belgien damit der Zins weiterhin niedrig bleibt ? Wer sollte sonst ausser der FED US Anleihen kaufen damit sich USA so günstig finanzieren kann ? China und Russland bestimmt nicht mehr.

Also.

Der Sagitta

10.07.2014, 13:52 Uhr

Das Ende vom Dollar ?
Hoffentlich bald!

USA IST PLEITE.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×