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12.10.2015

11:55 Uhr

Group of Thirty

Geldschwemme spaltet die mächtigsten Finanzlobbyisten

VonJan Mallien

Die wichtigsten Vertreter der Finanzbranche sind uneins über die Lektionen aus der Finanzkrise. Die Zerrissenheit zeigt sich in einer neue Studie der Group of Thirty. Sie kommt zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Das Londoner Bankenviertel Canary Wharf: Viele Top-Banker begrüßen die ultralockere Geldpolitik - doch es gibt auch Kritik. dpa

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Das Londoner Bankenviertel Canary Wharf: Viele Top-Banker begrüßen die ultralockere Geldpolitik - doch es gibt auch Kritik.

FrankfurtIn der sogenannten Group of Thirty treffen sich nicht nur die Top-Entscheider der Finanzszene, es prallen auch zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite stehen Kritiker der ultralockeren Geldpolitik wie der frühere Bundesbank-Chef und heutige Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, oder der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Jaime Caruana. Auf der anderen die Verfechter genau dieses Kurses, wie der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, oder die US-Ökonomen Paul Krugman und Larry Summers. Die Zerrissenheit zeigt sich im aktuellen Bericht der Group of Thirty zu den Lektionen aus der Finanzkrise.

Seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers haben die Notenbanken in den entwickelten Volkswirtschaften die Leitzinsen bis an die Nullgrenze gesenkt. Als es nicht mehr weiter nach unten ging und die Wirtschaft noch immer schwächelte, griffen sie zu immer unkonventionelleren Mitteln, etwa dem massiven Kauf von Staatsanleihen und anderer Vermögenswerte.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Das Fazit im Bericht der Group of Thirty über diese unkonventionelle Geldpolitik fällt widersprüchlich aus. Zum einen wird sie gelobt. Sie sei nötig und effektiv gewesen. „Die Politik der Zentralbanken nach dem Ausbruch der Krise hat einen entscheidenden Beitrag zur Wiederherstellung der Finanzstabilität geleistet.“

Andererseits heißt es: Die langfristigen Kosten und unbeabsichtigten Folgen dieser Politik seien noch unklar. Erst mit der Zeit werde sich das vollständige Ausmaß der Kosten zeigen.  „Die unkonventionelle Geldpolitik ermuntert möglicherweise zu exzessiver Risikoneigung.“ Daher sollten geeignete Mittel in Betracht gezogen werden, um dem zu begegnen. 

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