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08.01.2016

19:03 Uhr

Guter Konjunkturausblick

US-Notenbanker rechnet mit sanften Zinserhöhungen

Die Anhebung des Leitzinses durch die Fed bezeichnet der US-Notenbanker John Williams als „richtigen Schritt“. Von nun an gehe es weiter wie beim „behutsamen Aufstieg eines Flugzeugs“ – nicht wie bei einem Raketenstart.

Stimmberechtigt ist er nicht, aber seine Ansicht gilt als eng abgestimmt mit der Notenbank-Chefin Janet Yellen: der Chef der Notenbank von San Francisco, John Williams. ap

Notenbankchef von San Francisco

Stimmberechtigt ist er nicht, aber seine Ansicht gilt als eng abgestimmt mit der Notenbank-Chefin Janet Yellen: der Chef der Notenbank von San Francisco, John Williams.

San FranciscoDie Leitzinsen werden nach Einschätzung des US-Notenbankers John Williams „langsam und sanft“ steigen. „Der Weg wird eher aussehen wie der behutsame Aufstieg eines Flugzeugs als ein direkter Raketenstart“, sagte der Chef der Federal Reserve von San Francisco am Freitag. Williams ist in diesem Jahr kein stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss, der über die Geldpolitik der USA entscheidet. Seine Ansichten gelten aber als eng mit Fed-Chefin Janet Yellen abgestimmt. Williams verteidigte die Zinsanhebung im vergangenen Monat als einen „richtigen Schritt“. Der Konjunkturausblick sei gut. Die Arbeitslosenquote werde sich bis Jahresmitte wohl auf 4,5 Prozent belaufen. Die Inflation dürfte bis Ende 2017 zwei oder nahe zwei Prozent betragen.

Der immer stärker boomende US-Arbeitsmarkt macht den Weg für eine weitere Erhöhung der Zinsen frei. Die Wirtschaft zwischen New York und Los Angeles schuf laut Arbeitsministerium im Dezember 292.000 neue Jobs. Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 200.000 auf dem Zettel. Die getrennt erhobene Erwerbslosenquote verharrte bei 5,0 Prozent - dem niedrigsten Stand seit siebeneinhalb Jahren. Die Fed hat im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins erhöht und die Märkte auf weitere behutsame Anhebungen vorbereitet. Experten rechnen bis zum März mit dem nächsten Schritt.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Von

rtr

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