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06.03.2017

13:15 Uhr

Handelsblatt-Musterdepots

Dax-Hausse geht weiter

VonGeorgios Kokologiannis

Vier Jahre nach dem Start der Rubrik verfolgt eines der drei Handelsblatt-Musterdepots künftig ein neues Ziel: Das Redaktionsdepot erhält mehr Aktionsspielraum – und wird bei Gelegenheit offensiver ausgerichtet.

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

Die Handelsblatt-Musterdepots und ihre Manager

Ulf Sommer, Alexander Kovalenko und Sönke Niefünd.

FrankfurtEr gehört für viele Handelsblatt-Leser zum festen Ritual jedes Börsentags: der Blick auf die Musterdepots im Geldanlageteil. Welche Entwicklungen beschäftigen die Autoren? Was für Schlüsse ziehen sie daraus? Und wie schlagen sie sich im Vergleich zu Dax & Co.?

Rund vier Jahre nach Start der Rubrik wird das Konzept des Redaktionsportfolios überarbeitet: Das defensive Beispieldepot war bisher darauf ausgerichtet, unerwartete Börseneinbrüche möglichst schadlos zu überstehen. Während etwa der europäische Vergleichsindex Stoxx 50 seit Auflegung im Februar 2014 bereits achtmal mehr als seine gesamten vorherigen Gewinne einbüßte, notierte das Redaktionsportfolio tatsächlich durchgängig im Plus. Der Preis für die Sicherheit: Im Gegenzug verzichtete es in Euphoriephasen wie derzeit auf Rendite.

Nun ändert sich das übergeordnete Ziel des Redaktionsportfolios grundlegend: Statt auf Verlustvermeidung selbst in extremen Abwärtsphasen ausgerichtet zu sein, wird es künftig flexibler positioniert. Dadurch soll ein weiterer aussichtsreicher Ansatz vorgestellt werden, mit dem Investoren ihre Renditeziele erreichen können – auch nach insgesamt acht Jahren Börsenhausse am deutschen Aktienmarkt.

Musterdepots: Neustart beim Redaktionsdepot

Musterdepots

Neustart beim Redaktionsdepot

Drei Manager, drei Konzepte, drei Portfolios: Die Musterdepots zeigen, wie man mit Timing und Strategie den Markt schlagen kann. Neues gibt es beim Redaktionsdepot: Georgios Kokologiannis gibt ab, Ulf Sommer übernimmt.

Im Vordergrund der Gegenüberstellung steht weiterhin nicht ein Wettbewerb zwischen den drei Musterportfolios, sondern Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Strategien.

Betreut wird das Redaktionsdepot nach dem Konzeptwechsel durch Handelsblatt-Redakteur Ulf Sommer, der den Stab von seinem Kollegen Georgios Kokologiannis übernimmt. „Nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis steht künftig im Fokus, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals“, sagt Finanzmarktexperte Sommer. Verlustzeiten seien schmerzlich, könnten aber beim nun angenommenen langen Anlagehorizont ausgesessen werden. „Zwar sind es einzig die im Moment noch sehr niedrigen Zinsen und damit äußerst schlechten Anlagealternativen zur Aktie, die die Börsen derzeit immer weiter nach oben treiben“, sagt er. Doch niemand wisse, wann diese Mega-Hausse zu Ende geht. Das könne in einer Woche, einem Monat oder erst in mehreren Jahren sein.

Für seine Anlagestrategie bedeute dies konkret: „Ich setze so lange auf steigende Kurse, wie die Börsen steigen – stelle mich also nicht mutig gegen den Markt. Denn Trends sind häufig sehr stark und äußerst langlebig, auch dann, wenn die Fakten längst für eine Trendwende sprechen.“ Einsetzen will er neben Einzelaktien auch Aktienindizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. „Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren“, sagt Sommer.

Vergleichbarkeit bleibt erhalten

Das „Privatbank-Depot“ managt weiterhin Anlageprofi Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank aus Hamburg. Sein Kollege Alexander Kovalenko vom Vermögensverwalter Bayerische Vermögen verantwortet wie gehabt das „Social-Trading-Depot“. Um die Vergleichbarkeit der drei Depots für die Leser zu erhalten, wird die Renditeentwicklung künftig auf Basis der Schlusskurse vom vergangenen Freitag berechnet. Der Gesamtwert der Portfolios bleibt von den Änderungen dagegen unberührt.

Ulf Sommer

Der Redakteur

Mit den Finanzmärkten, der Geldanlage und branchenübergreifenden Unternehmensthemen wie Dividenden, Aktienrückkäufe und vor allem Bilanzkennzahlen beschäftigt sich der promovierte Historiker beim Handelsblatt seit über 15 Jahren.

Die Strategie

Das Kapital wird kurzfristig nicht gebraucht. Es dient vielmehr der Altersvorsorge, dem späteren Studium der Kinder oder dem Kauf eines Hauses im Rentenalter. Deshalb steht nicht der kurzfristige Werterhalt um jeden Preis, sondern die langfristige Mehrung des Kapitals im Fokus. Verlustzeiten sind schmerzhaft, können aber ausgesessen werden. Zur Auswahl stehen Einzelaktien, Aktien-Indizes in Form von Zertifikaten, Gold, große Währungen wie Euro, Dollar und Yen sowie Hebel-Zertifikate. Mit ihnen eröffnet sich die Möglichkeit, auf stark steigende oder fallende Märkte zu spekulieren. Anleihen scheiden bis auf weiteres auf Grund aus, weil die Zinsen und Renditen zu unattraktiv sind.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Ulf Sommer hat allerdings zum 6. März 2017 das Depot von Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis übernommen. Den Kommentatoren steht es frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Bislang hat das Social-Trading-Depot den Vergleichsindex Stoxx 50 seit Auflegung noch stärker abgehängt, als es die beiden anderen Beispieldepots geschafft haben: Knapp acht Prozent hat das europäische Börsenbarometer bis Ende Februar zugelegt – über dreißig Prozentpunkte mehr verbuchte das Social-Trading-Depot. „Unser Depot setzt sich zusammen aus einem Aktienkernportfolio und einigen ausgewählten Zertifikaten von der Social-Trading-Plattform Wikifolio.com “, erklärt Kovalenko seine Strategie. Das Ziel des Musterdepots bestehe darin, ein Beispiel eines langfristig orientierten, transaktionsarmen Aktiendepots für Privatanleger darzustellen.

Bei den Wikifolios hat Kovalenko keinen Einfluss auf den Anlageprozess der jeweiligen Manager. Der Fokus im Kernportfolio liege auf unterbewerteten europäischen Aktien. „Dabei wollen wir eine mittel- bis langfristige Outperformance im Vergleich zum europäischen Aktienmarkt erreichen“, sagt der Investmentprofi. Bis dato gelinge es, die Renditeziele zu erreichen, wobei allerdings „die seit Auflage des Musterdepots vergangene Zeit deutlich unter dem internen Anlagezeithorizont liegt“. Dieser betrage mindestens fünf bis zehn Jahre.

Hohe Schwankungen erwartet

Kovalenko ist für die Aktienmärkte auch in Zukunft recht zuversichtlich: „Aktien werden volatil bleiben, liefern gleichzeitig aber langfristig das beste Chance-Risiko-Profil von allen konventionellen Anlagealternativen.“

Daher plane man, in den kommenden Monaten in der Regel nahezu vollständig investiert zu sein.

Niefünd von der Schröder Bank erwartet ebenfalls eine Fortsetzung der hohen Schwankungen an den Wertpapiermärkten: „Die Volatilität und die Niedrigzinsphase werden zur neuen Normalität“, bringt es der Portfoliomanager auf den Punkt. „Die Niederlande, Frankreich und Deutschland wählen. Dazu gibt es die Brexit-Diskussion. Die Politik dürfte 2017 mehr denn je Wohl und Wehe an den europäischen Kapitalmärkten bestimmen“, so Niefünd. Aber auch die expansive US-Fiskalpolitik, die Fortführung der ultralockeren Geldpolitik durch die auf Südeuropa fokussierte Europäische Zentralbank und die italienische Bankenkrise werden seiner Einschätzung nach die Kurse maßgeblich beeinflussen.

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Seit dem Depotbetreuer-Wechsel beim Privatbank-Depot im August vergangenen Jahres investiert Niefünd unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, auch ESG-Ansatz genannt. Damit will er einen langfristigen, kontinuierlichen Vermögenszuwachs erzielen. Die Philosophie „Anlegen mit Nachhaltigkeitsfaktor“ hat sich bewährt: „Wir haben einen Wertzuwachs von knapp zehn Prozent für die letzten sechs Monate erzielt – und das mit einer Aktienquote unter 45 Prozent im Portfolio“, sagt der Experte. 

Den derzeit vergleichsweise hohen Bargeldbestand von 16 Prozent werde Niefünd bei einer Marktkorrektur für neue Investments nutzen. Bis dahin halte er sich an den ehemaligen britischen Premierminister Benjamin Disraeli, der im Jahr 1879 sagte: „Das Geheimnis des Erfolges liegt darin, für die Gelegenheit bereit zu sein, wenn sie kommt.“

Kommentare (2)

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Frau Edelgard Kah

06.03.2017, 14:47 Uhr

Sehr geehrter Herr Sommer,

ein neues Musterdepot aufzubauen, ist aller Ehren wert. Aber bei einem DAX-Stand von 12 000 Punkten? Meines Wissens zwingt einem niemand, nahe des Allzeithochs Aktien zu kaufen. Mal Hand aufs Herz: Würden Sie mit Ihren privaten Ersparnissen bei DAX 12 000 Punkten Aktien kaufen?

Ja, natürlich die Trump-Rally. Die Anleger hoffen auf einen Boom der amerikanischen Wirtschaft. Aber dieser Boom müßte auf Pump finanziert werden. Die Schulden des amerikanischen Staates, die schon jetzt 105 % des BIP betragen, würden nahe an die Tragbarkeitsgrenze steigen. Die Ankurbelungsmaßnahmen würden sicher auch die Inflation in eine untragbare Höhe treiben, so dass auch die Zinsen steigen würden. Fazit: Die Boom-Hoffnungen der Anleger können jederzeit in grosse Befürchtungen umschlagen. Abgerechnet wird am Schluß. Auch bei einem Aktiendepot.

Mit ins Bild gehört auch, dass es bei der vieldiskutierten Steuerreform eine Variante gibt, die dem Trumpschen Hang zum Protektionismus entgegen kommt. Eine amerikanische Mehrwertsteuer wäre der Kritik von Einfuhrzöllen nicht ausgesetzt. Aber sie hätte die gleiche Wirkung. Deutsche Ausfuhren in die USA würden sich erheblich verteuern. Gut für deutsche oder europäische Aktien?

Donald Trump ist nicht nur unberechenbar. Aus meiner Sicht ist er politisch, militärisch und wirtschaftlich ein großes Risiko, vor dem ich mich schützen möchte. Ich werde deshalb die Trump-Rally nutzen, meine Aktienbestände Schritt für Schritt abzubauen. Der König heißt cash.

Herr Old Harold

08.03.2017, 14:48 Uhr

Sehr geehrte Frau Kah,

der König kann niemals "Cash" heißen, weil unverantwortliche Politiker alle Währungen in den Ruin treiben werden.

Ich bin mit meiner bisherigen Strategie sehr gut gefahren und werde sie deshalb auch weiter fortführen:

1) nur Aktien kaufen, die in den letzten Jahren mehr als 1 % Dividende p.a. bezahlt haben
2) nur Aktien kaufen, die 10 % unter ihrem 12-Monats-Hoch liegen
3) nur Aktien verkaufen, die 5 % über dem Einkaufspreis liegen
4) nicht gierig werden, und auf höhere Steigerungen warten
5) Überschüsse in Gold parken und bei der Bank deponieren

Damit liege ich seit Januar bereits wieder bei + 2,1 %. 2016 war ich bei + 9,8 %. Und damit bin ich mehr als zufrieden.

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