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05.02.2017

09:09 Uhr

Handelsprogramm

Software macht aus Trump-Tweets Anlagetipps

VonAndreas Toller
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Schon mancher Tweet des neuen US-Präsidenten Donald Trump hat Aktien auf Talfahrt geschickt. Jetzt macht eine Bot-Software aus den Kurznachrichten über börsennotierte Unternehmen automatisch Börsengewinne – meistens.

Die Tweets des US-Präsidenten wirken sich teilweise stark auf die Börse aus. Ein Analyseprogramm soll diese Auswirkungen nun als Vorteil nutzen. dpa

Starker Einfluss

Die Tweets des US-Präsidenten wirken sich teilweise stark auf die Börse aus. Ein Analyseprogramm soll diese Auswirkungen nun als Vorteil nutzen.

Die Twitter-Tweets des US-Präsidenten Donald Trump sorgen an der Börse überall für Kopfschmerzen, angefangen beim mexikanischen Devisenhändler bis hin zu den Investor-Relations-Abteilungen großer börsennotierter Konzerne. Hält er das neue Präsidentenflugzeug Airforce One für völlig überteuert, schickt der Tweet dazu die Boeing-Aktie in den Keller. Zwitschert Trump Kritik am Kampfjet F-35, leiden Lockheed-Martin-Aktionäre. Auch die Aktien der Autohersteller Toyota, General Motors und Ford sackten ab, weil Trump ihre Fabriken in Mexiko mit harschen Strafzöllen von der Landkarte fegen möchte.

Pharmawerte rund um den Globus geraten unter Druck, weil der das Krankenversicherungssystem Obama-Care am liebsten ganz abschaffen würde, Zementhersteller wie die deutsche Heidelberg Cement erleben eine Höhenflug dank des geplanten Mauerbaus an der Grenze zu Mexiko.

Die besten Anlagen 2016

Zucker

Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 deutlich gestiegen. Am deutlichsten stieg der Preis für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.

Aktien Russland

Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. Aus 100.000 in Russland angelegten Euro wurden so im vergangenen Jahr 152.950 Euro. Zum Vergleich: Aus 100.000 angelegten Euro wurden im amerikanischen Dow Jones - inklusive des Dollar-Anstiegs - „nur“ 116.140 Euro, im deutschen Dax waren es 106.780 Euro und im Euro Stoxx 50 der Standardwerte im Euro-Raum 100.770 Euro.

Öl

Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. was sie Ende 2016 tatsächlich machten. Aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro wurden bis am Jahresende 161.080 Euro.

Zink

Zink war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Im vergangenen Jahr stieg der Preis von Zink, das vielfach in der Industrie eingesetzt wird in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.

Aktien Kasachstan

Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Wer 100.000 Euro in den gerade mal neun Werte umfassenden Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent.

Aktien Peru

Die Aktie in Peru profitierte von der Wahl des neuen Präsidenten Pablo Kuczynski, der als liberal und wirtschaftsfreundlich gilt. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Auch die Landeswertung Sol stieg. Das machte bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren.

Aktien Brasilien

Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff trieb Brasiliens Aktienkurse und den Real nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand: 30.12.2016

Keine Frage, Trump bewegt Börsenkurse. Das dachte sich auch die US-Technologie- und Marketingfirma T3 und kam auf die Idee, eine Software zu entwickeln, die aus den börsenrelevanten Trump-Tweets Profit schlagen soll. Die Bot-Software filtert aus den Kurznachrichten des Präsidenten Unternehmensnamen und analysiert den Kontext.

Steht das Unternehmen in einem negativen Licht, wettet das Programm automatisch auf fallende Kurse des Unternehmens – und zwar innerhalb von Sekunden. Das geschieht durch Leerverkäufe von Aktien, die erst später zu niedrigeren Kursen gekauft werden. Ist der Tweet positiv, kauft die Software die Aktien und setzt so auf steigende Kurse. Gleichzeitig mit dem Handel werden die T3-Anleger durch eine Alarmmeldung informiert.

„Schwarze Schwäne“: Gefährliche Vorboten für die Börsen

„Schwarze Schwäne“

Premium Gefährliche Vorboten für die Börsen

Ein paar graue, vielleicht sogar „schwarze Schwäne“ könnten der Börsenrally 2017 ein jähes Ende bereiten, orakeln Experten. Manche Szenarien klingen fantastisch, andere erschreckend realistisch.

Nachdem die Idee dazu geboren war, benötigten die T3-Experten für die Software „Trump&Dump“ nur fünf Tage. Laut T3-Chef Ben Gaddis bot bereits drei Tage später der Trump-Tweet vom 5. Januar 2017, in dem Trump den Bau einer neuen Autofabrik in Mexiko durch Toyota kritisierte, der Software eine gute Anlagechance. Nach dem Tweet fielen Toyota-Aktien um 3,1 Prozent. Medien gegenüber berichtete T3 von zwei großen Gewinnen und einem kleinen Verlust bislang.

Wie hoch die erzielten Gewinne durch „Trump&Dump“ („Trump und Abstoßen“) sind, will Gaddis nicht offenlegen. Aber er will sie komplett an einen amerikanischen Tierschutzverein zur Verhinderung von Grausamkeit gegen Tiere spenden. Die erste Spende soll bereits geflossen sein.

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