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16.09.2013

07:05 Uhr

„Heftiger Gegenwind“

Summers zieht Kandidatur als Fed-Chef zurück

Lawrence Summers zieht seine Kandidatur für den Posten als Chef der US-Notenbank zurück. Seine Entscheidung hat er US-Präsident Obama bereits mitgeteilt. Nun gilt eine Frau als Favoritin auf die Bernanke-Nachfolge.

Posten noch unbesetzt

Larry Summers will nicht Fed-Chef werden

Posten noch unbesetzt: Larry Summers will nicht Fed-Chef werden

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DüsseldorfDer frühere amerikanische Finanzminister Lawrence Summers hat überraschend seine Kandidatur für die Nachfolge von US-Notenbankchef Ben Bernanke zurückgezogen. Der Spitzen-Ökonom begründete seinen Schritt mit einem heftigen Gegenwind gegen seine mögliche Nominierung. Das Verfahren, das zu seiner Ernennung führen würde, dürfte für ihn zu „bitter“ werden, erklärte er. Summers wolle mit seinem Rückzieher möglichen Schaden von der Regierung, der Fed und der Wirtschaft abwenden. US-Präsident Barack Obama sagte, dass er die Entscheidung Summers' akzeptiere. Der frühere Harvard-Präsident galt neben der Fed-Vizechefin Janet Yellen als aussichtsreichster Kandidat für den Posten an der Spitze der Notenbank. Der Dollar-Kurs fiel nach Summers Absage.

US-Präsident Barack Obama erklärte, Summers sei als Berater während der Finanz- und Wirtschaftskrise von „kritischer Bedeutung“ gewesen. „Es lag nicht zu einem kleinen Teil an seiner Erfahrung, seiner Weisheit und Führungskraft, dass wir die Wirtschaft zurück zum Wachstum gerungen und die Art von Fortschritt gemacht haben, den wir heute sehen.“

Kritiker machten Summers dagegen für jene Mängel bei der Banken-Regulierung mitverantwortlich, die zur Finanzkrise beigetragen hätten. Andere lasteten ihm zu große Nähe zum Weißen Haus an. So hatten sich erst kürzlich drei demokratische Mitglieder des Bankenausschusses des Senats gegen ihn ausgesprochen. Dieses Gremium hätte im Bestätigungsverfahren vor einer Abstimmung des Gesamtsenats zunächst grünes Licht für seine Berufung geben müssen.

Die aussichtsreichen Kandidaten

Nummer 1: Janet Yellen

Yellen ist bislang die Stellvertreterin von Ben Bernanke in der Fed. Sie gilt als Verfechterin eines aggressiven Kurses zur Stützung der Wirtschaft.

Hohes Ansehen

Yellen genießt als frühere Professorin an der Elite-Universität Berkeley hohes Ansehen. Sie hat früher als Wirtschaftsberaterin von Ex-Präsident Bill Clinton gearbeitet. Dass Obama Demokrat ist, dürfte Yellens Chancen zumindest nicht abträglich sein.

Nummer 2: Roger Ferguson

Wie Yellen war auch der Afro-Amerikaner bereits Fed-Vize (1999 bis 2006). Als Harvard-Absolvent ist Ferguson fachlich über alle Zweifel erhaben, auch wenn er stärker als Bankenkenner denn als hochkarätiger Geldpolitikexperte gilt.

Nummer 3: Donald Kohn

Als Nachfolger Bernankes käme auch der Fed-Veteran Donald Kohn in Frage, der nach 40 Jahren in der US-Notenbank 2010 in Ruhestand ging. Sollte ihn Obama zur Rückkehr bewegen, wäre er mit diesem Kandidaten auf der sicheren Seite: Fachlich genießt der Ökonom höchstes Ansehen.

Aus dem Rennen: Larry Summers

Der Ex-Präsident der Harvard Universität galt lange als Favorit für die Bernanke-Nachfolge. Doch gegen seine Kandidatur gab es vor allem in Obamas eigener Partei heftigen Widerstand. In einem Brief an den Präsidenten erklärte Summers seinen Verzicht auf die Kandidatur.

Aus dem Rennen: Tim Geithner

Tim Geithner war Obamas erster Finanzminister (2009-2013) und davor Chef der Zentralbank von New York. Bereits bei seinem Rücktritt als Finanzminister hatte er erklärt, der nächste Fed-Chef werde nicht er selbst werden. Dies hat er nun noch einmal bestätigt.

Obama hatte angekündigt, sich im Herbst zur Nachfolge Bernankes zu äußern, dessen Amtszeit Ende Januar 2014 endet. Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und wäre die erste Frau an der Spitze der Fed. Ihr wird jedoch nachgesagt, sie habe keinen engen Draht zum Präsidialamt. Als Nachfolger Bernankes käme auch der Fed-Veteran Donald Kohn infrage, der nach 40 Jahren in der US-Notenbank 2010 in den Ruhestand ging. Sollte ihn Obama zur Rückkehr bewegen, wäre er mit diesem Kandidaten auf der sicheren Seite: Fachlich genießt der 70-jährige Ökonom noch immer höchstes Ansehen. Der frühere US-Finanzminister Timothy Geithner will sich auch nach dem überraschenden Rückzug des aussichtsreichen Kandidaten Lawrence Summers nicht um den Posten des US-Notenbankchefs bewerben. Das verlautete am Sonntag aus dem engen Umfeld Geithners.

Summers hatte bereits als Wirtschaftsberater Obamas gearbeitet und war unter dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton Finanzminister. Summers legte an der Eliteuniversität Harvard eine Blitzkarriere hin. Er erhielt bereits als 28-Jähriger eine Voll-Professur und wurde später Universitätspräsident. Mit seiner aufbrausenden Art machte sich der brillante Wissenschaftler jedoch auch Feinde auf dem Campus und warf 2006 entnervt das Handtuch.

Bernanke hatte das Amt vom legendären Alan Greenspan übernommen, der die Notenbank fast 20 Jahre führte. Bernanke steuerte die Notenbank durch die schwerste Finanzkrise seit den 1930er-Jahren und blähte dabei die Bilanz der Fed durch massive Geldspritzen zum Ankurbeln der Konjunktur auf. Die Erholungstendenzen in der Wirtschaft und insbesondere am Arbeitsmarkt lassen der Fed nun voraussichtlich bald Spielraum, die Konjunkturhilfen zurückzufahren.

Kommentare (7)

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QuotenJonny

15.09.2013, 23:19 Uhr

oh oh, wieder eine Quote

keeper

16.09.2013, 00:40 Uhr

Zitat:
„Ich bin leider zu dem Schluss gekommen, dass meine Berufung nicht den Interessen der Fed und der Regierung dienen würde und letztlich auch nicht der wirtschaftlichen Erholung des Landes“

DAS ist ja mal ne Aussage!

... Summers steht demnach voraussichtlich auf der Seite der Geldwertstabilität - ein Standpunkt, welcher bei der Situation der USA, welche den Point-of-no-return überschritten hat, nicht vertreten werden kann.

Was dies im Umkehrschluss bedeutet, ist dann auch klar:

Zunächst steht ein Weginflationieren der Schulden auf dem Programm.

... wenn die Lady ihren Job getan hat,
kommt er wieder ....

Alptraum_koennte_wahr_werden

16.09.2013, 05:44 Uhr

Der Anfang vom Ende?

Wenn es jetzt die Yellen wird, dann kommt die totale Inflation mit einem aehnlichen Endsieg wie beim totalen Krieg. Schlimmer koennte es nicht mehr kommen.

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