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25.06.2015

09:10 Uhr

Hendrik Leber, Dirk Müller und Max Otte

„Ein Grexit wäre heilsam“

VonJessica Schwarzer

Die Rettung Griechenlands hängt am seidenen Faden, mal wieder. Viele Investoren wünschen sich nur eins: eine Entscheidung. Egal, wie die ausfällt. Dirk Müller, Max Otte und Hendrik Leber über die Folgen für die Märkte.

Hendrik Leber (vorne links) ist Gründer der Acatis Investmentgesellschaft. Dirk Müller alias Mr. Dax (links) hat seit April einen eingenen Fonds, den Dirk Müller Premium Aktien. Max Otte (rechts) managet den Max Otte Vermögensbildungsfonds. Das Gespräch führte Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse beim Handelsblatt. BOSTELMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt

Fondsmanager im Gespräch

Hendrik Leber (vorne links) ist Gründer der Acatis Investmentgesellschaft. Dirk Müller alias Mr. Dax (links) hat seit April einen eingenen Fonds, den Dirk Müller Premium Aktien. Max Otte (rechts) managet den Max Otte Vermögensbildungsfonds. Das Gespräch führte Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse beim Handelsblatt.

In der edlen Cigarrum des Steigenberger Parkhotels in Frankfurt treffen wir uns zu einem Roundtable. Mr. Dax Dirk Müller hat die beiden Fondsmanager Max Otte und Hendrik Leber eingeladen. Es soll um Value-Investing gehen an diesem Vormittag, über das Investieren in werthaltige Aktien. So wie es der legendäre Warren Buffett vormacht. Doch natürlich überlagert das aktuelle Geschehen in Brüssel und Athen alles. Kommt es doch noch zum Grexit oder finden die Politiker noch einen Kompromiss. Und dann?

Der Dax schwankt zurzeit kräftig hin und her. Die Griechenland-Krise hat die Börsen fest im Griff. Macht Sie das nervös?
Hendrik Leber: Da die Aktienkurse am Jahresende höher stehen werden als jetzt, ist das aktuelle Marktgeschehen kein Stress für mich.
Max Otte: Dem schließe ich mich an.

Und wenn es doch noch zum Grexit kommt?
Leber: Ach, erstmal gibt es ein bisschen Stress, weil etwas Unerwartetes passiert. Irgendjemand hat dann doch noch ein Risiko im Portfolio, das verunsichert. Aber das sind alles staatliche Risiken, den privaten Investor betreffen sie nicht. Unsere Börsen werden vor allem von den Amerikanern sehr stark getrieben. Wenn die sehen, dass Europa den Haushalt in Ordnung bringt, dass wir da System reinkriegen, dann schicken sie auch wieder Geld hier rüber. Und dann steigen die Kurse.

Für die Amerikaner ist der mögliche Grexit schon ein großes Thema?
Leber: Im Grunde nicht. Aber die Amerikaner halten uns wirklich für verrückt, weil wir gerade genau das machen, was sie selbst vor 200 Jahren gemacht haben. Bundesstaaten mussten damals füreinander bürgen. Das ist in den USA nach 60 oder 70 Jahren wieder aufgehoben worden – „no bail out“. Was die Amerikaner damals gelernt haben, lernen wir gerade mit 150 Jahren Verspätung. Ich glaube, die nehmen uns erst dann wieder ernst, wenn wir diese Bürgschaften abgeschafft haben.

Der Grexit wäre also gar nicht so schlimm, wenn er denn doch noch kommen würde?
Leber: Er wäre vor allem heilsam.
Dirk Müller: Das sehe ich genauso. Ein Grexit wäre sogar eher positiv. Wir können es doch alle nicht mehr hören. Immer wieder das Griechenland-Drama, alle halbe Jahre wieder. Bringt eine Lösung, egal wie! So denken auch die meisten Anleger. Das Thema ist abgefrühstückt. Jeder weiß, dass irgendwann ein Grexit kommt. Wenn nicht, ist es auch egal. Nur dann stehen wir in zwei Jahren wieder vor dem gleichen Problem. Also lieber jetzt eine Lösung, wie auch immer die geartet ist. Denn das wäre eine Befreiung für die Märkte.

Kommentare (27)

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Herr C. Falk

25.06.2015, 09:43 Uhr

"Ein Grexit wäre heilsam". Natürlich wäre er das. Nach ein bis zwei schwierigen Jahren käme Griechenland durch Abwertungseffekte wieder auf die Spur.

Bei der Diskussion bei Anne Will mit Herrn Sinn, Frau Schwan, Herrn Rötgen und einem griechischen Vertreter hat Herr Sinn seine Sicht als Ökonom glasklar beschrieben und unwiderlegbar argumentativ untermauert.

Mehr als peinlich war das "Geschafel" und anders kann man es nicht benennen, der Frau Schwan, die sich wieder einmal gründlich blamiert hat.

Herr Rötgen weis genau, dass ein Grexit , wenn nicht jetzt, dann eben später unvermeidlich ist, wagt aber aus geopoltischen Ängsten heraus nicht diesen Schritt, der ökonomisch unvermeidlich ist.

Griechenland hat sich als Euromitglied in den wenigen Jahren von Eintritt bis 2008 so gründlich verschuldet und in die "Scheiße geritten" verführt durch plötzlich niedrige Zinsen, die von 25% auf 5% gesunken waren, dass jetzt an den regulären Kapitalmärkten nichts mehr zu holen ist.

Der IWF ist allerdings in Gestalt der Frau Lagarde ein gestrenger Herr, besser Dame und holt alle Beteiligten herunter auf den Boden von Tatsachen, die real sind, auch wenn eine andere streitbare Dame wie Frau Gesine Schwan tobt und schimpft bis hin zu Ausfällen gegenüber einem Professorenkollegen wie Herrn Sinn

Account gelöscht!

25.06.2015, 09:49 Uhr

Den Waren- und Dienstleistungsmärkte würde ein Grexit gut tun. Die Finanzmärkte haben bereits ihre Fehlinvestitionen auf die Steuerzahler der EURO Zone, also auf uns Bürger, dank der deutschen Politik und Draghi, abgewälzt. Somit ist die Wirtschaft und die Finanzbranche schon raus aus Griechenland. Für den EURO Steuerzahler wird somit und dank der Merkel-Draghi-Schäuble Politik, der Grexit zu einer Belastung, die sich auf die Zukunftige Finanzierung von Infrastukturprojekten in Deutschland und den anderen EU Ländern auswirken wird.
Schülden über Schulden für die EU-Euro Länder. Dank der finanzfreundlichen Bankenpolitik von Merkel und CO.

Herr Daniel Huber

25.06.2015, 09:55 Uhr

Ein Grexit bedeutet den Ausverkauf Griechenlands. Ist klar, das die Investoren wie die Geier darauf warten, das dies passiert. Die ganzen Bonzen würden sich dann billig in Griechenland einkaufen, billig Immobilien und Ferienhäuser erwerben. Ist doch klar, was die wollen.
Privatisierungen, Ausbeutung der griechischen Bodenschätze, Entlastung der Unternehmen, das neue Billiglohnland der EU, sozusagen China direkt vor der Haustür.

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