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10.10.2012

11:00 Uhr

Hendrik Leber im Interview

„Bei 8000 ist für den Dax noch nicht Schluss“

VonJörg Hackhausen

Kaufen Sie jetzt Aktien, rät Hendrik Leber. Der Fondsmanager sieht noch viel Potenzial. Im Interview erklärt er, welche Papiere er kauft, wie er mit Misserfolgen umgeht und warum Warren Buffett völlig verkannt wird.

Der Vermögensverwalter und Fondsmanager Hendrik Leber verwaltet 1,4 Milliarden Euro. Sein großes Vorbild ist Warren Buffett.

Der Vermögensverwalter und Fondsmanager Hendrik Leber verwaltet 1,4 Milliarden Euro. Sein großes Vorbild ist Warren Buffett.

Herr Leber, der Dax liegt komfortabel über 7.000 Punkten. Müssen Sie Draghi dafür danken?

Ich schaue nicht darauf, was die Notenbanken machen. Das hat auf meine Arbeit keinen Einfluss.

Mir drängt sich der Verdacht auf, dass die kleine Rally an den Märkten vor allem durch das billige Geld der Notenbanken getrieben wird.

Sicherlich, die Notenbanken haben sehr viel Treibstoff in das System geschüttet. Aber wenn ich mir die Aktienmärkte anschaue, dann sehe ich in erster Linie viele günstig bewertete Unternehmen. Gemessen an den Firmengewinnen kann der Dax immer noch zulegen, ohne weiteres um zehn Prozent.

Dann wären wir bei 8.000 Punkten.

Und der Dax wäre immer noch fair bewertet. Selbst danach muss noch nicht Schluss sein. Wenn die Kurse erst einmal steigen, packt viele Anleger die Gier. Aus Angst, sie könnten etwas verpassen, steigen sie ein. Das treibt die Kurse noch weiter.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Sie sind ein Value-Investor, immer auf der Suche nach unterbewerteten Aktien. Gibt es überhaupt noch Schnäppchen?

Natürlich ist die Auswahl der Aktien nicht mehr so leicht wie vor zwei, drei Jahren, als viele Unternehmen nur die Hälfte dessen kosteten, was sie eigentlich wert waren. Jetzt muss man sich den schwierigeren Fällen zuwenden, zum Beispiel den Turn-around-Kandidaten.

Welche Aktien kaufen Sie?

Wir haben zuletzt Aurubis, Ericsson und Oerlikon gekauft, zuvor BASF, Lawson und Vivendi. Außerdem sind wir bei Nokia eingestiegen. Nach unseren Berechnungen ist die Aktie - gemessen an dem Wert, der dahintersteckt - superbillig. Der heftige Einbruch an der Börse war übertrieben. Solche Geschenke nehmen wir gerne an.

Als Facebook an die Börse ging, sagten Sie, dass Sie zuschlagen würden, ...

...wenn die Bewertung deutlich niedriger wäre.

Kommentare (12)

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HofmannM

10.10.2012, 11:29 Uhr

Meine Herren, Sie übersehen, dass sich die politischen Rahmenbedingungen in den westlichen Ländern sehr stark verändert haben. Und das zu ungunsten von Industrie/Gewerbe und Verbraucher!
Mit dem "Angstmärchen um das menschengesteuerte CO2" und der "Energiewende" und der immer rasanteren Verschuldung von "noch" wirtschafltichen Ländern wie z.b. Deutschland auf Grund der "Euroschuldenbürgschaftspolitik" und dem Ausstieg aus der zukunftsweisenden und wirtschaftlich sehr interessanten Kernkrafttechnik.
All diese Faktoren zusammengenommen haben eine Brisanz in sich, die sich zu einer immer schneller drehenden volkswirtschftlich Kostenspirale steigerd. Die Energie wird durch die Ökosozialistsche Politik der Bundesregierung und andere Staaten wie USA/UK/Australien zu einem Schritt zurück in die Vergangenheit. Technikfeindlichkeit und Energieeinsparung kennzeichnen diese Politik. Keine ernsthaften Neuentwicklungen wird es unter der "Green Economy" je geben. Das ist so sicher, wie das jeden Tag die Sonne aufgeht!
"Grenn Economy" und der dazu passende ökosozialistische Politikstil führen unsere Wohlstands- und damit unsere Finanzmärkt in den Abgrund. Wirtschaften bedeutet weiterenntwicklungen, expansion, innovation...all dies ist OHNE billige Energie (Strom,Oel) nicht zu realisieren!
Die erneubaren Energien stehen für Stillstand und Rückschritt. Die fossilen Energien werden weiterhin für Jahrhunderte den Takt des wirtschaftlichen und technischen Fortschritts angeben. Kapiert dies endlich!

zephyroz

10.10.2012, 11:43 Uhr

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist
ändert sich's Wetter oder's bleibt wie's ist

so ähnlich lesen sich auch die Aktienvorausschauen im HB, die in letzter Zeit so kommen, mal so mal so

was soll das ?

Volksfront_von_Judaea

10.10.2012, 11:54 Uhr

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