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13.08.2012

13:07 Uhr

Henning Gebhardt

„Wir investieren in deutsche Aktien“

VonJörg Hackhausen, Jens Hagen

ExklusivNur wenige Fondsmanager reden so offen wie Henning Gebhardt. Im Interview sagt der Mann von der DWS, wie er die Märkte einschätzt, welche Unternehmen gut geführt werden und warum er unzufrieden mit der Commerzbank ist.

Henning Gebhardt, Fondsmanager der DWS, hält viel von BASF - von der Commerzbank weniger. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Henning Gebhardt, Fondsmanager der DWS, hält viel von BASF - von der Commerzbank weniger.

Herr Gebhardt, warum sollten Anleger deutsche Aktien kaufen?

Die Bewertungen am Aktienmarkt sind sehr günstig, selbst wenn man damit rechnet, dass die Unternehmen künftig weniger verdienen. Der Markt preist momentan einen starken Rückgang der Gewinne ein. Das halten wir für viel zu pessimistisch.

Wenn sich die Euro-Krise zuspitzt, dürften Kursgewinne kaum drin sein.

Wir gehen kurzfristig durch eine schwierige Phase. Für Kursgewinne ist die Voraussetzung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld bessert. Danach sieht es im Moment nicht aus. Aber zum Ende des Jahres könnte sich das Bild schon wieder aufhellen.

Vielen Anlegern sind Aktien zu riskant.

Wenn Aktien besonders risikoreich erscheinen, ist der Zeitpunkt für den Kauf für gewöhnlich der richtige. Was außerdem viele übersehen, ist die Dividende. Dividenden bilden in schwierigen Zeiten einen wichtigen Puffer. Wenn Sie nur die Dividenden der nächsten zehn Jahre einrechnen würden, dann würde der Dax auf 10.000 Punkte steigen, ohne dass sich die Kurse aufgrund anderer Einflussfaktoren bewegen müssten. Für Dax-Aktien liegt die Dividendenrendite im Schnitt bei dreieinhalb Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Anlagen sehr attraktiv.

Das hilft auch nicht, wenn es zu einem großen Crash kommen sollte?

Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass es zu einem großen Crash kommt. Ich habe das Gefühl, Politik und Zentralbank gehen in die richtige Richtung.

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Und wenn der Euro auseinanderbricht?

Das wäre ein Ereignis, das alles auf den Kopf stellen könnte. Das wissen die Zentralbanken, das weiß auch die Politik. Deshalb werden ja auch Anstrengungen unternommen, um den Euro zu erhalten. Für die Finanzmärkte war es extrem wichtig, dass Draghi gesagt hat: Der Euro wird bleiben, darauf könnt ihr euch verlassen. Das entzieht der Spekulation gegen den Euro den Nährboden.

Glauben Sie das?

Ich fand das war ein sehr geschickter Schachzug. Er hat ja nicht gesagt, dass damit das Ende des Sparens eingeläutet wurde. Die Konsolidierung der Haushalte ist weiterhin nötig, die Verschuldung ist zu hoch. Gleichzeitig hat Draghi aber auch gesagt, dass die EZB in Phasen, in denen das Vertrauen an den Märkten fehlt, zur Seite steht - und auch die Mittel hat, den Euro zu verteidigen. Das war eine sehr wichtige Ansage, gerade für angelsächsische Investoren.

Die Ansage ist das eine, aber welche Mittel bleiben im Ernstfall?

Wenn es ganz ernst wird, gibt es Maßnahmen, die wir nicht im Regelbuch haben und die dann angewandt werden. Klar ist aber auch, dass es die Zentralbank nicht allein richten kann. Europa muss seine Hausaufgaben erledigen.

Kommentare (9)

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pendler

13.08.2012, 14:05 Uhr

Mal im Ernst, fragt ein Schwein seinen Henker (Metzger), was es für seine Altersversorgung machen sollte?

Nix für ungut, aber es gibt hierzu keinen besseren Vergleich.

Account gelöscht!

13.08.2012, 14:07 Uhr

Toll der Artikel ;-) Eine Katze kratzt der anderen kein Auge aus. Aus Sicht der Banken....klar, kaufen sie Unternehmensanteile....wir suchen ihnen die besten aus. Kann so eine Krise doch gut für's eigene Geschäft sein. Es gibt ja genug Leute, die ihr Geld in Sicherheit bringen müssen.
Und die "Banken sind ja nicht ganz unschuldig an der Krise", gut ausgedrückt.
Die Banken sollten mit ihrem Privatvermögen haften, dann wäre alles ganz anders.
Und wir Deutschen sollten politisch gesteuert auch nicht immer die "Besten" sein wollen, wenn wir eine Gemeinschaft wären.
Als Nutznieser der Eurozone haben wir als Exportweltmeister mit unser Niedriglohn- und Sparpolitik den ganzen Schlamassel ausgelöst.
Da kann man wohl sagen "Wir haben unsere Hausaufgaben" gemacht.
Dafür wurde beim Arbeitnehmer gespart, so dass der Binnenmarktkonsum nicht läuft, und wir stolz auf unser Sparen.
Nur, wer soll unsere Produkte kaufen, die wir herstellen? Wer hat uns unseren kärglichen Lohn erhalten?
Jetzt prügeln wir auf alle drauf. Der Schuldige muss woanders sitzen, nur nicht die eigenen Fehler zugeben. Wir sind ja Super.

AkZ

13.08.2012, 14:50 Uhr

Jeder Anleger sollte wissen: Das man alles Wissen kann und doch die Entwicklung der Märkte nicht richtig voraussehen kann! Hände weg von aktiv gemanagten Fonds (DWS zum Beispiel) sondern Indexfonds (ETFs) kaufen. Die Fondsmanager sind Studien zufolge nicht das Geld wert, dass sie verdienen. Sondern die Anleger zahlen auch für Fehlentscheidungen. Jährlich um 1,5 Prozent höhere Verluste durch aktives Management! Preiswertere und besser: ETFs

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