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19.12.2015

16:01 Uhr

Hikmet Ersek

Der mächtige Geldbote

VonArne Storn
Quelle:Zeit Online

Hikmet Ersek führt seit fünf Jahren die Geschicke von Western Union in Colorado und hat große Aufgaben. Der Österreicher muss den globalen Finanzdienstleister neu in Schwung bringen – am besten so schnell wie möglich.

Ersek ist Präsident und CEO der Western Union Company. Picture Alliance

Hikmet Ersek

Ersek ist Präsident und CEO der Western Union Company.

Es ist frisch an diesem Morgen in Englewood, Colorado, als eine schwarze Limousine vorfährt. Wolken hängen über dem weitläufigen Parkplatz im Süden von Denver, noch ist nichts zu sehen von den Rocky Mountains, deren Gipfel sich sonst gut sichtbar im Westen erheben.
Ein Hüne entsteigt dem dunklen Schlitten. Auf seiner Stirn ist eine markante Furche zu erkennen. Der Mann sieht zerknittert aus, er fährt sich kurz durch die Haare, streicht sie nach hinten, sortiert sich. Dann nähert sich die mächtige Gestalt der Zentrale von Western Union, mit breiten, schweren Schritten. Es wunderte einen nicht, würde der Mann Cowboystiefel tragen. Dann, nach einem Moment der Überraschung, des Erkennens, bleibt er stehen. "Willkommen in Denver", sagt Hikmet Ersek. In gedehntem Wienerisch.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

In Istanbul, der Heimat seines türkischen Vaters, ist Hikmet Ersek geboren und groß geworden. "Mittelständisch" nennt er seine Eltern, beide seien Beamte gewesen, "nicht reich, nicht arm". Mit 19 Jahren ging Ersek nach Wien, in die Heimat seiner Mutter. "Ich bin dort sehr gut aufgenommen worden", erinnert er sich. "Ich habe Basketball gespielt – und im Sport gibt es keine Vorurteile. Sie sind entweder gut oder schlecht und haben Spaß dabei."

Er studierte an der Wirtschaftsuniversität, fing 1986 bei einer Kreditkartenfirma an, die später in Mastercard aufging, und stieg langsam auf. Nach einem Abstecher zu General Electric ging Ersek Ende der neunziger Jahre zu Western Union – und machte dort richtig Karriere: Seit 2010 ist er Vorstandschef.

Es ist nicht irgendein Konzern, den der Österreicher führt. Western Union ist ein traditionsreiches Unternehmen, eine amerikanische Ikone. 1851 gegründet, war es einst mit Telegrammen, Boten und Börsentickern groß geworden und präsent in Songs, Büchern und Filmen. Vor 30 Jahren begann es, das Geschäft mit Geldtransfers zu internationalisieren – und heute ist Hikmet Ersek Herr über ein Netz, das mit 550.000 Anlaufstellen rund 200 Länder und Territorien umfasst. In Banken, Postfilialen oder auch Handyshops und Internetcafés bietet Western Union seine Dienste an.

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