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07.07.2012

10:01 Uhr

Historische Niedrigzinsen

EZB treibt Sparer in die Verzweiflung

Die EZB hat den Zins im Euroraum auf ein Rekordtief gesenkt. Die Leidtragenden der Politik des billigen Geldes sind die Sparer. Sie müssen sich mit mickrigen Zinsen abfinden. Doch sie sind nicht die einzigen Verlierer.

Die EZB hat den Leitzins im Euroraum erstmals seit Einführung des Euro 1999 unter ein Prozent gesenkt. dpa

Die EZB hat den Leitzins im Euroraum erstmals seit Einführung des Euro 1999 unter ein Prozent gesenkt.

Die Märkte hatten es schon vorher eingepreist. Als der EZB-Rat sich am Donnerstag dazu durchrang, die Leitzinsen auf den Rekordtiefstand von 0,75 Prozent zu senken, reagierten sie mit Kursabschlägen. Dabei profitieren die Aktien eigentlich von Zinssenkungen: Je niedriger der Zins, desto attraktiver werden alternative Anlageformen wie Aktien.

Ganz anders sieht es für die Sparer aus. Sie sind die Leidtragenden niedriger Zinsen. Seit Jahresbeginn sind beispielsweise die Zinsen für das als kurzfristiger Geldparkplatz gedachte Tagesgeld bei Banken und Sparkassen um gut ein Fünftel gesunken. Viele Institute sind offenbar nicht auf das Kapital vor allem privater Anleger angewiesen, weil sie billiges Geld von der Zentralbank bekommen.

Und mit den 1,38 Prozent Zinsen, die die Frankfurter Finanzberatung FMH aktuell durchschnittlich errechnet, dürfte der Boden noch nicht erreicht sein. Denn in der Regel passen die Geschäftsbanken bei einer Leitzinssenkung auch ihre Konditionen für das Tagesgeld an, wie Sigrid Herbst von FMH sagt: „Vor allem Sparkassen und Volksbanken nehmen Zinssenkungen gern mit."

Zwar zahlen die Tagesgeld-Anbieter mit den höchsten Zinsen immer noch 2,5 Prozent im Jahr - rund fünfmal so viel, wie der Deutsche im Durchschnitt auf dem Sparbuch bekommt. Doch gehören die Sparer immer stärker zu den Verlierern der Geldpolitik.

Wie sich Zinssenkung der EZB auswirken

Extreme Maßnahme

Der Leitzins in der Eurozone liegt mit 0,75 Prozent bereits auf einem historischen Tiefstand.

Wem nutzen niedrige Zinsen?

Zinssenkungen schwächen tendenziell den Wechselkurs des Euro. Davon würden die Exporteure profitieren. Die Hoffnung der Währungshüter ist, dass das billige Geld auch bei Unternehmen und Verbrauchern ankommt: Sinkende Zinsen verbilligen tendenziell Kredite. Auch die Zinsen für Staatsanleihen sollten dadurch etwas sinken. Bisher ist das Problem allerdings, dass die niedrigen Zinsen kaum in den Peripherieländern ankommen.

Bekomme ich bald weniger Zinsen auf dem Sparbuch?

Zinssenkungen werden in der Regel schnell an die Kunden weitergereicht - erfahrungsgemäß vor allem bei Angeboten wie Tages- und Festgeld. Anleger müssen also mit sinkenden Sparzinsen rechnen. Allerdings ist der Wettbewerb um Privatkunden sehr groß, gerade in Zeiten strengerer Kapitalvorschriften können es sich Banken nicht leisten, ihre stabile Privatkundschaft zu vergraulen. Gleichzeitig dürften Kredite noch billiger werden.

Wem schaden niedrige Zinsen?

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon warnt, Steuermilliarden und billiges EZB-Geld drohten den Bankenwettbewerb in Europa zu verzerren. Es müsse viel stärker kontrolliert werden, ob Institute mit den Hilfsgeldern nicht Lockvogelangebote finanzierten - und damit zum Beispiel den deutschen Instituten auf ihrem Heimatmarkt die Kunden abjagten. „Man kann in bestimmten Notsituationen mal Feuer mit Feuer bekämpfen“, sagt der DSGV-Präsident über die Geldpolitik der EZB. „Man muss aber aufpassen, dass man den Brandstifter nicht nach Hause auf den Marktplatz schickt und der einem dort die Dorfkirche anzündet.“

Welche Mittel gegen die Krise hat die EZB noch im Köcher?

Die Notenbank könnte wieder Anleihen klammer Staaten kaufen. Damit könnte sie vor allem Spanien und Italien helfen. Zu den Befürwortern dieses Schrittes gehört IWF-Chefin Christine Lagarde. Aus ihrer Sicht sind Anleihekäufe gezielt einsetzbar, während Zinssenkungen auch Staaten wie Deutschland beträfen, die keine Lockerung der Geldpolitik bräuchten. Die EZB startete ihr Anleihenkaufprogramm (SMP) 2010 und hat aktuell Staatspapiere im Wert von mehr als 210 Milliarden Euro in der Bilanz.

Was spricht für den Einsatz dieses Mittels, was dagegen?

Viele sehen im massiven Kauf von Anleihen durch die EZB den einzigen Weg, die hohen Zinsen zu drücken, die Länder wie Spanien oder Italien derzeit am Markt bezahlen müssen. Fraglich ist aber, wie dauerhaft die Renditen damit gesenkt werden können. Bundesbank- Präsident Jens Weidmann sieht die Gefahr, dass mit einem solchen Eingriff der EZB der Reformdruck in den Krisenländern sinken könnte. Ohnehin sind Anleihenkäufe durch die Notenbank wegen der Nähe zur unerlaubten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse umstritten. Das Programm ruht seit Monaten - und wird so schnell nicht reaktiviert, wie EZB-Ratsmitglied Klaas Knot betonte: „Das Anleihekaufprogramm schläft tief und fest und das wird auch so bleiben.“

Wird die EZB das Bankensystem nochmals mit billigem Geld fluten?

Theoretisch könnte die EZB jederzeit beschließen, den Banken ein weiteres Mal billiges Geld über einen langen Zeitraum zu leihen, um so das Austrocknen des Bankensystems zu verhindern. Im Dezember und Februar hatten sich Europas Banken insgesamt mehr als eine Billion Euro mit drei Jahren Laufzeit geborgt. Im Moment ist es allerdings eher so, dass einige Banken die Mittel, die sie sich damals geliehen haben, wieder zurückzahlen.

Wie soll die Rolle der Währungshüter künftig aussehen?

Nach dem Willen der Politik soll die EZB künftig auch bei der Bankenaufsicht in Europa eine zentrale Rolle spielen.

Denn mit diesen Renditen verlieren sie Jahr für Jahr Geld. Ungefähr vier Prozent müssen ihre Anlagen nominal einbringen, damit sie nach Abzug von Kosten und Steuern sowie unter Berücksichtigung der Inflationsrate den Wert ihres Sparkapitals erhalten.

Die allermeisten der Millionen von Sparern hierzulande, die nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank 1,9 Billionen Euro auf Konten liegen haben, dürften also - real - immer mehr Geld verlieren.

Kommentare (48)

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Account gelöscht!

07.07.2012, 10:12 Uhr

Der Euro ist ein Garant für Frieden und Wohlstand in Europa. Ihr könnt darauf vertrauen, der Euro wird eine stabile Währung. Ihr werdet sehen, das funktioniert!

© Wolfgang Schäuble


Der Euro ist seit 9 Jahren die Erfolgsgeschichte eines zusammenwachsenden Europas.

© Angela Merkel


(Ein Vater und eine Mutter stehen zu ihrem Kind; selbst, wenn es als Missgeburt auf die Welt gekommen ist)


WirDasVolk

07.07.2012, 10:13 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

Ben

07.07.2012, 10:29 Uhr

Sparen ... womit denn ?
Euro , Dollar - Fiat-Money ???
Wertlose Schuldversprechen, nur durch die Dummheit und die Naivität der Menschen möglich.....

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