Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.07.2011

15:03 Uhr

Historische Wertpapiere

Teure Sammelleidenschaft

VonUdo Rettberg

Auch wenn für alte Wertpapiere längst kein Kurs mehr ermittelt wird, haben die Preise der alten Aktien die Aufwärtsbewegung der Börsen nachvollzogen. Auf Tauschbörsen zahlen Sammler teils horrende Preise.

Auch in Belgien, Österreich, England und den USA hat sich in den letzten Jahren ein stabiler Sammlerkreis für historische Wertpapiere gebildet. Besonders begehrt sind die graphisch aufwendig gestalteten Wertpapiere der Playboy-Aktie aus dem Jahr 1976. Quelle: ap

Auch in Belgien, Österreich, England und den USA hat sich in den letzten Jahren ein stabiler Sammlerkreis für historische Wertpapiere gebildet. Besonders begehrt sind die graphisch aufwendig gestalteten Wertpapiere der Playboy-Aktie aus dem Jahr 1976.

Frankfurt Je schnelllebiger die Finanzwelt wird, um so größer wird offenbar die Sehnsucht nach der Vergangenheit: Immer mehr Anleger und Sammler entdecken ihre Leidenschaft für historische Wertpapiere. Etwa 4000 ernsthafte Sammler dieser sogenannten „Nonvaleurs“ gibt es heute in Deutschland, das sind gut zehn Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Und auch wenn ihr Name anderes suggeriert: Nicht wenige der alten Papiere sind ziemlich viel wert, obwohl längst kein offizieller Börsenkurs mehr ermittelt wird. Besonders seltene Exponate werden von Nostalgikern im Direkthandel, auf Tauschbörsen und auf Auktionen zu hohen Preisen gehandelt. Denn wie der Sammler von Kunst, Briefmarken oder Münzen hofft auch der Nonvaleur-Kenner auf Wertsteigerungen und ist bereit, viel Geld für Unikate auf den Tisch zu legen.

„Deutschland ist der größte Markt für Nonvaleurs“, sagt Jörg Benecke, Vorstand der börsengelisteten AG für Historische Wertpapiere mit Sitz in Wolfenbüttel. Jährlich wechseln Papiere im Wert von etwa zehn Millionen Euro den Besitzer. „Das Interesse konzentriert sich dabei weitgehend auf alte deutsche Exponate“, sagt Matthias Schmidt, Vorstand der HWPH Historisches Wertpapierhaus AG. Aber auch in Belgien, England, Österreich und in den USA hat sich in den vergangenen Jahren ein stabiler Sammlerkreis etabliert. Das teuerste jemals versteigerte Wertpapier ist die im Jahr 1870 ausgegebene erste Aktie der Deutschen Bank, bei der vor fünf Jahren auf einer Versteigerung bei 130000 Euro der Hammer des Auktionators fiel. Die älteste bekannte Aktie aus dem Jahr 1606 stammt von der Vereinigten Ostindischen Companie (VOC), die Originalunterschriften wichtiger Persönlichkeiten der damaligen Zeit trägt.

Das Internet hat den Markt transparenter gemacht

Der Sammlermarkt für Historische Wertpapiere war lange Zeit wenig transparent und kaum liquide. In der Vergangenheit verlangten Händler für vergleichbare Stücke eines Emittenten oft stark abweichende Preise. Das hat sich geändert. Zum einen durch das verbesserte Auktionswesen und zum anderen durch das Internet, das den Nonvaleurs-Markt gläsern macht. Etwa die Hälfte des Geschäfts wird über Auktionen oder direkt im Versandhandel abgewickelt; die andere Hälfte wird durch private Geschäfte – Handel unter Sammlern oder Erwerb über Internetplattformen wie Ebay – generiert. Die allgemeine Stimmung in der Finanzwelt bestimmt dabei auch das Klima am Nonvaleurs-Markt: „Die Mehrheit der Sammler stammt halt aus dem Börsenumfeld“, erklärt Jörg Benecke. Nachdem die Umsätze während der Finanzkrise um fast 30 Prozent eingebrochen waren, ging mit dem im Jahr 2009 einsetzenden Stimmungswandel an den Aktienbörsen auch ein Aufschwung am Markt für alte Wertpapiere einher.

„Wir liegen heute leicht über Vorkrisenniveau“, sagt Benecke. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil nach der deutschen Vereinigung ein riesiges Angebot aus alten Reichsbank-Beständen auf den Markt drängte. Für die über mehrere Jahre hinweg in fünf Auktionen versteigerten Papiere legten Käufer immerhin etwa 15 Millionen Euro auf den Tisch. Geld, das für andere Ankäufe fehlte. Doch die Bestände verschwanden weitgehend in Tresoren von Händlern und Sammlern – und belasten heute den Markt nicht mehr.

 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×