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01.08.2016

12:19 Uhr

Hochfrequenzhandel

Wie schlimm die Flashboys wirklich sind

VonFrank Wiebe

Zwei Berkeley-Professoren haben nachgerechnet, wie sehr der Aktienmarkt durch Hochfrequenzhändler manipuliert wird. Die Ergebnisse dürften manchen Kritiker überraschen.

Schnellere Rechner, höhere Arbitrage: Die Börsenhändler haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet. dpa

Hochfrequenzhandel

Schnellere Rechner, höhere Arbitrage: Die Börsenhändler haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet.

New YorkMilliardengewinne, erschlichen durch modernste Technik, die den Durchschnittsanleger ebenso wie Großinvestoren auf der Strecke lässt: So hat der Bestseller-Autor Michael Lewis in seinem Buch „Flashboys“ die Welt der Hochfrequenzhändler beschrieben. Der Börsenhandel läuft insgesamt immer automatischer und immer schneller ab.

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Die IEX will Hochfrequenzhändler ausbremsen und so den Aktienhandel wieder gerechter machen. Nun hat die US-Wertpapieraufsicht der Börse grünes Licht gegeben – nach einem ausufernden Streit um 350 Millionstel einer Sekunde.

In diesem Umfeld versuchen die Hochfrequenzhändler durch Käufe und Verkäufe in immer kleineren Bruchteilen von Sekunden ihren Gewinn zu machen – so schnell, dass normale Marktteilnehmer ihnen nicht folgen können. Aber ist es wirklich so wild mit den unfairen Gewinnen? Zwei Professoren der Universität Berkeley bestreiten das.

Schon wer sich kurz nach Erscheinen des Werks im Jahr 2014 mit Leuten an der Wall Street unterhielt, bekam häufig Urteile zu hören wie: „Super geschrieben, ein tolles Buch, auch wenn es mit der Realität nur ansatzweise zu tun hat.“ Lewis‘ These von sagenhaften Gewinnen in dem Bereich stand auch in auffälligem Kontrast zu den Gewinnen der Unternehmen, die auf diese Geschäfte spezialisiert sind.

Folgen des Hochfrequenzhandels für Privatanleger

Liquidität

Die Liquidität wird insgesamt erhöht.

Handelbarkeit

Die Handelbarkeit einzelner Werte verbessert sich.

Kursausschläge

Im normalen Börsenbetrieb gleichen die Hochfrequenzhändler Spitzen bei den Kursausschlägen aus. Aber: Auch Irrationale Kursausschläge vermehren sich.

Preisfindung

Die Preisfindung und Markteffizienz verbessern sich.

Flash Crash

Nachteil: Da der Hochfrequenzhandel andere stabilisierende Methoden in der „Schönwetterperiode“ an den Börsen ins Leere laufen lässt und sich diese Marktteilnehmer vom Handel verabschieden, kann es in schwierigen Marktsituationen zu Erschütterungen wie einem Flash Crash kommen.

Quelle

„Aktien für Dummies“, Autoren: Christine Bortenlänger und Ulrich Kirstein. ISBN: 978-3-527-71018-8

Virtu Financial zum Beispiel, eines der bekanntesten Unternehmen in dem Bereich, hat im zweiten Quartal 2016 gut 50 Millionen Dollar nach Steuern verdient. Angesichts der Gewinne großer Banken und erfolgreicher Hedgefonds ein überschaubarer Betrag.

Lewis hat mit seinem Buch aber eine Menge bewegt. Er baute als Helden Brad Katsuyama auf, den Gründer der Börse IEX, die mit einer bewussten Verzögerung der Handelsaufträge den Sekundenhändlern das Wasser abgraben will. Er lenkte die Aufmerksamkeit von Politikern und Aufsehern auf den Bereich, was dazu führt, dass die Börsen mehr Daten aus diesem Bereich veröffentlichen müssen.

Kommentare (26)

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Herr Toni Ebert

01.08.2016, 12:31 Uhr

Mal ehrlich, sollte ein Schwein seinen Metzger fragen, wie es am besten für die Rente spart?

Account gelöscht!

01.08.2016, 12:49 Uhr

Der Ebert Toni....das ist aber auch einer.....

Account gelöscht!

01.08.2016, 12:52 Uhr

Schon klasse, was diese Handelsmaschinen mit den Micro-Sekundenlatenzzeiten heute so alles können.

Es gab einmal Zeiten, da hatte der Börsenhandel etwas mit Charts und ähnlichen Blödsinn zu tun. Heutzutage geht es nur noch darum, wer das beste Handelssystem/maschine und die schnellste Serveranbindung zur Börse hat. Es ist eine brutale Hi-Tech-Schlacht programmierter Algorithmen untereinander im Kampf um Milli-Sekunden. Aber beim Algotrading hat außerhalb der zugelassenen Handels-Teilnehmer (z.B. bei Eurex und Xetra durch die FWB) auch niemand was zu suchen.

Ps: Bitte nicht zu Verwechseln mit dem langfristigen Aktien-Investieren über Jahre/Jahrzehnte nach Fundamentalkriterien à la Buffett für die Altersvorsorge. Das ist Pflicht, und muss jeder machen. Entweder selbst oder von einer Vermögensverwaltung. Ist aber eine ganz andere Baustelle.

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