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04.01.2017

12:23 Uhr

Höchster Stand seit 2013

Inflation in der Euro-Zone klettert auf 1,1 Prozent

Die Inflation in der Euro-Zone hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt – höheren Preisen für Öl und Gas sei Dank. Für den EZB-Chef Mario Draghi bedeutet das mehr Druck. Politiker fordern höher Zinsen.

Inflation steigt: Muss die EZB jetzt umdenken?

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Frankfurt/BerlinDie jährliche Inflation in der Euro-Zone ist zum Jahreswechsel auf 1,1 Prozent geklettert gegenüber 0,6 Prozent im Vorjahr – und damit auf den höchsten Stand seit September 2013. Das teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat in ihrer ersten Schätzung am Mittwochvormittag mit. Ökonomen gingen im Vorfeld der Datenbekanntgabe davon aus, dass sich die Jahresteuerung im Euro-Raum im Dezember auf 1,0 von 0,6 Prozent erhöht.

Inflationsrate in der Euro-Zone
von Dezember 2015 bis Dezember 2016 (gegenüber dem Vorjahresmonat)
in Prozent
Die Inflationsrate bildet Veränderungen der Kosten für einen festgelegten Warenkorb ab, der eine repräsentative Auswahl an Waren und Dienstleistungen enthält. Sie wird aus dem Verbraucherpreisindex (VPI) abgeleitet.

Vor allem die höheren Energiepreise treiben die Teuerung. Statistiker erwarten, dass Energie mit 2,5 Prozent die höchste jährliche Rate aufweist (-1,1 Prozent im November), gefolgt von Dienstleistungen sowie Lebensmitteln, Alkohol und Tabak, die jeweils eine Steigerung von 1,2 Prozent aufwiesen.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist die anziehende Inflation eine gute Nachricht. Denn sie strebt im gesamten Währungsraum stabile Preise an und sieht dies nur bei Inflationsraten von knapp zwei Prozent gewährleistet. Ihr Chef, Mario Draghi, hält am Ziel der zweiprozentigen Jahresteuerung fest, wenngleich er glaubt, dass es erst 2018 oder 2019 erreicht werde. Im März 2016 hatte die Zentralbank beschlossen, die Leitzinsen weiter zu lockern – unter anderem, um die Inflation steigen zu lassen. Es gebe keine Grenzen für das, was die Bank innerhalb ihres Mandats tun werde, um das Ziel zu erreichen, sagte Draghi damals. Im Dezember hat sie Die EZB Wertpapierkäufe um neun Monate bis Ende Dezember 2017 verlängert, allerdings bei einem niedrigeren monatlichen Umfang von künftig nur noch 60 statt 80 Milliarden Euro. Mit dieser Politik sollen die Renditen der Anleihen sinken und Banken dazu bewegt werden, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das soll die Inflation ankurbeln.

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Die ersten Ökonomen haben bereits auf die Veröffentlichung der Inflationszahlen reagiert – mit gemischten Gefühlen. Besonders optimistisch gibt sich Jörg Zeugner von der KfW. Die Eins vor dem Komma sei „ein Vorgeschmack auf den Januar, wenn sogar die Zwei in Reichweite kommt”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Skeptischer reagiert dagegen Thomas Gitzel von der VP Bank: „Rechnet man die Energie- und Nahrungsmittelpreisentwicklung heraus, ist der Anstieg minimal”, so der Ökonom. Die Kerninflationsrate steige da nur geringfügig von 0,8 auf 0,9 Prozent, an diesem Sachverhalt werde sich auch in den kommenden Monaten wenig ändern: „Die Teuerungsraten werden aufgrund der im Jahresvergleich höheren Ölpreise weiter steigen, die Entwicklung der Kerninflationsrate bleibt lethargisch.”

Kommentare (12)

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04.01.2017, 11:15 Uhr

Wer reich ist, dürfte wissen wie die vielen Immobilien, Bilder, Oldtimer sich entwickelt haben. 1,1 Prozent mal 10 vielleicht.

Wer arm ist, dürfte im Supermarkt bemerkt haben, dass die Milch um einiges teurer geworden ist oder dass der Strompreis um einiges nach oben gegangen ist oder dass der Nahverkehr ebenfalls teurer geworden ist, dass die Miete erheblich gestiegen ist.

1,1%? Wenn man solche Daten einfach so in Form von Artikeln weitergibt ohne kritisch zu hinterfragen, so muss man sich zumindest gefallen lassen als einseitige Presse bezeichnet zu werden.

Es reicht nur einen Teil der Wahrheit zu präsentieren, um eine Lüge draus zu machen.

Account gelöscht!

04.01.2017, 11:45 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

G. Nampf

04.01.2017, 12:09 Uhr

Die Betachtung der Inflation in der Euro-Zone ist in etwa so wie jemand, der die eine Hand im Eiswasser hat und die andere im kochenden Wasser.

In den südeuropäischen Ländern dürfte die Inflation - bedingt durch die dortige Wirtschaftskrise - deutlich niedriger liegen, während sie in D und F (wie im Artikel beschrieben) wesentlich höher ist.

Also ist das Kriterium "Euro-Inflation" nichts anderes als Augenwischerei, die vertuschen soll, daß nicht die "Preisstabilität" das Ziel ist sondern die Rettung des Euros.

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