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02.07.2015

16:53 Uhr

Immobilien und Private Equity

Alternative Investments boomen

VonIngo Narat

Aktien? Anleihen? Gold? Das war gestern. Anleger haben heute es verstärkt auf Immobilien, vorbörsliche Beteiligungen und Infrastrukturengagements abgesehen. Das Interesse wächst schneller als erwartet.

Eine steigende Zahl von Anlegern setzt etwa auf Immobilien und Infrastrukturprojekte. dpa

Wohin mit dem Geld?

Eine steigende Zahl von Anlegern setzt etwa auf Immobilien und Infrastrukturprojekte.

FrankfurtAnleger interessieren sich immer stärker für alternative Investments. „Die Entwicklung ist noch deutlicher als wir es erwarteten“, sagt Markus Hammer, Deutschland-Leiter des Asset Managements beim Wirtschaftsprüfer PwC. Deshalb habe man die Prognose von vor einem Jahr erhöht. Die Strategen des Hauses erwarten nun, dass im Jahr 2020 global rund 15,3 Billionen Dollar des verwalteten Vermögens in alternativen Anlagen stecken werden. Das wäre eine knappe Verdopplung gegenüber 2013 mit 7,9 Billionen Dollar. PwC wird die Ergebnisse der Studie am heutigen Montag veröffentlichen.

Als alternative Anlagen gelten Private Equity, das heißt vorbörsliche Beteiligungen, außerdem Immobilien und Infrastrukturengagements sowie Hedgefonds. Diese Vermögensformen werden dann den Schätzungen zufolge in fünf Jahren 14 Prozent des gesamten weltweit verwalteten Vermögens von 109 Billionen Dollar ausmachen. Nur die passiv verwalteten Gelder, vor allem Indexfonds, sollen etwas stärker wachsen.

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten

1. Streuen

Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

2. Vorsicht vor Krediten

Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

3. Weitere Meinungen

Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

4. Lesen Sie Verträge

Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

5. Risiko

Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

6. Vor Ort prüfen

Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

7. Baulicher Zustand

Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

8. Spezialisierter Anwalt

Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

9. Vorausschau

Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

10. Kein Zeitdruck

Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

11. Produkte, die Sie verstehen

Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

12. Beratungsprotokoll

Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

13. Schriftliche Bestätigung

Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

14. Prospekte

Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

15. Keine Telefonangebote

Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Hammer erkennt wachsende Dynamik in dem Geschäft. Mit den weiter gefallenen Zinsen ist der Anlagenotstand der Investoren immer drängender geworden. „Jeden Monat, in dem es nicht klappt, Anlagen mit auskömmlichen Renditen zu finden, werden sie offener für alternative Investments“, sagt Hammer. „Niedrigzinsen sind einer der Treiber des Trends“, erkennt auch Michael Busack, Leiter der Analysefirma Absolut Research.

Der Großteil des verwalteten Kapitals steckt in Zinsanlagen. Unter den großen Anlageformen sind Aktien dann zwar eine Ausweichoption. „Aber die höheren Schwankungen an den Börsen locken Investoren dann auch stark in weniger liquide Langfristanlagen, die Aussicht auf einen attraktiven Ertrag bieten, gleichzeitig einen Risikopuffer“, findet Busack einen weiteren Grund für den Boom der Alternativanlagen.

Uwe Rieken, Chef von Faros, einer Beratungsfirma für institutionelle Investoren, kann dazu eine eigene Erfahrung beisteuern. Einer seiner Kunden hat sogar 70 Prozent seines Kapitals in Private Equity investiert – eine extrem hohe Quote. „Der Kunde verspricht sich eine zweistellige prozentuale Rendite, und braucht das Geld nicht kurzfristig“, sagt Rieken.

Der Faros-Mann ist sicher: „Wenn die Zinsen niedrig bleiben, werden selbst optimistische Prognosen für die Zukunft noch weiter nach oben geschraubt werden müssen.“ Das hat Folgen für die Branche der Anbieter. „Die alternativen Asset-Manager, oft Spezialisten, müssen zu einem Unternehmen werden“, sagt Hammer, „die großen, klassischen Vermögensverwalter werden mit solchen Spezialisten kooperieren – oder eine eigene Sparte aufbauen“. So hat etwa Allianz Global Investors eine eigene Sparte etabliert.

Wachsendes Engagement von Investoren bedeuten auch steigende Einnahmen für die Produktanbieter. Auf Basis der PwC-Schätzung für das Volumen in fünf Jahren erwartet der Faros-Mann jährliche Einnahmen von 460 Milliarden Dollar. Treiber des Wachstums sollen laut PwC Anleger aus Asien und dem Mittleren Osten sein. Interesse dürfte vor allem die neue Mittelklasse in den Schwellenländern zeigen. Dazu kommen die institutionellen Großinvestoren mit den Staatsfonds an vorderster Stelle.

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