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18.02.2015

12:12 Uhr

Anlagestrategie

„Jeder muss eine Immobilie kaufen“

VonJens Hagen

Die Immobilienpreise brechen alle Rekorde. Der Banker Mario Caroli erklärt, warum Interessenten den Kauf trotzdem nicht auf die lange Bank schieben sollten, wo Fallen lauern und worauf Vermögende bei Immobilien achten.

Die Kaufpreise für Immobilien steigen noch, aber langsamer. Getty Images

Ein Häuschen im Einkaufswagen

Die Kaufpreise für Immobilien steigen noch, aber langsamer.

Mario Caroli kennt sein Geschäft aus dem Effeff. Nach ersten Erfahrungen in der Sparkasse Ulm kann er als Banker mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich Immobilien vorweisen. Als persönlich haftender Gesellschafter des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger hat er einen unabhängigen Blick auf den Immobilienmarkt. Es gebe nicht den besten Zeitpunkt zum Immobilienkauf, erklärt Caroli im Interview mit Handelsblatt Online. Interessenten sollten sich von den hohen Preisen nicht schrecken lassen.

Gesellschafter bei Ellwanger & Geiger.

Mario Caroli

Gesellschafter bei Ellwanger & Geiger.

Herr Caroli, wer kauft eigentlich jetzt noch Wohnimmobilien?
Das ist eine seltsame Frage. Es gibt einen Immobilienboom in Deutschland. Niedrige Kreditzinsen und ein Mangel an sicheren Anlagealternativen nähren ihn.

Laut Statistik der Pfandbriefbanken haben sich Wohnimmobilien 2014 so stark verteuert wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Deutschlandweit ging es fünf Prozent rauf, seit 2003 um fast 25 Prozent. In den Metropolen sehen Marktbeobachter jährliche Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich. Oder kurz gesagt: Immobilien sind derzeit ganz schön teuer.
Ja, die Preise steigen. Genau deshalb muss ja jeder Mieter, der es sich leisten kann, eine eigengenutzte Immobilie kaufen. Nur so bleibt das Wohnen im Alter auch bezahlbar - zumindest in den Regionen, in denen die Bevölkerung weiter wächst.

Immobilienrenditen privater Anleger

Negative Rendite

6,9 Prozent
Erklärung: 6,9 Prozent aller privaten Anleger haben im Jahr 2012 mit Immobilieninvestitionen eine negative Bruttorendite erzielt. Alle hierauf folgenden Werte beziehen sich auf das Jahr 2012. Quelle: DIW, SOEP-Panel.

Keine Rendite

35,8 Prozent

Bis 2,0 Prozent Rendite

14,7 Prozent

2,1 bis 4,0 Prozent Rendite

20 Prozent

4,1 bis 6,0 Prozent Rendite

10,7 Prozent

6,1 bis 8,0 Prozent Rendite

6,2 Prozent

Über 8,0 Prozent Rendite

5,5 Prozent

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Kauf eines Eigenheims? Die Preisrally geht ins sechste Jahr.
Für einen Eigennutzer ist der Zeitpunkt eines Kaufes immer zugleich richtig wie auch falsch. Vielleicht könnte der Interessent in einigen Jahren ein besseres Objekt finden. Aber dafür gibt es keine Garantie, ebenso wie für zukünftig fallende Preise oder ein jahrelanges historisches Zinstief. Wer eine Immobilie braucht und das passende Objekt in der passenden Region findet, sollte den Kauf deshalb nicht um Jahre verschieben. Letztlich ist es wie bei einem Auto. Man kann immer noch auf ein neueres Modell warten. Irgendwann muss man aber zuschlagen, wenn man fahren möchte.

Herr Caroli, Sie betreuen viele wohlhabende Kunden. Wie sehen die den Markt?
Das ist natürlich immer sehr individuell. Die Menschen kennen sich aber in der Welt aus. Sie wissen: Die Preise in London oder Paris liegen aktuell um ein Vielfaches höher als in den deutschen Metropolen. Das spricht auch in den weniger begehrten deutschen Metropolen zumindest für stabile Preise. Und in den letzten Krisenjahren 2003 oder 2009 waren die Preisausschläge in Deutschland eher marginal.

Sind Immobilien in Deutschland noch zu günstig?
Schauen Sie sich doch einmal die realen Kosten an. Die Gehälter sind gestiegen und die Lebenshaltungskosten im Vergleich dazu für viele historisch niedrig. Die finanziellen Puffer der neuen Käufergeneration sind größer, auch wegen der Erbschaften. Die niedrigen Zinsen lassen sich für höhere Tilgungen verwenden. Dass die Preise in diesem Szenario weiter sinken, ist aus meiner Sicht eher unwahrscheinlich, zumindest in Regionen mit steigenden Bevölkerungszahlen.

Kommentare (7)

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Herr Niccolo Machiavelli

18.02.2015, 13:09 Uhr

Warum wird der Artikel nicht als das gekennzeichnet, was er ist: eine Anzeige?

Herr Niccolo Machiavelli

18.02.2015, 13:10 Uhr

Zudem kann man durchaus anderer Ansicht sein, als derer im Interview.

Herr Helmut Metz

18.02.2015, 15:19 Uhr

Wie war das nochmal gleich mit der Subprime-Krise??
Und wehe, wehe, wenn die Zinsen irgendwann wieder stark steigen.
Oder, wenn der Immo-Kredit in einer Fremdwährung aufgenommen wurde. Hallo, liebe CHF-Kreditler: Kommt Ihr schon schön ins Schwitzen? ;-)
Ich persönlich wäre NIEMALS so bescheuert, mich de facto lebenslänglich zu verschulden: von wegen BauHERR - BankSKLAVE ist da eher angebracht.
Zudem ist eine Immo ein Klotz am Bein, wenn man beruflich flexibel sein möchte oder muss: mit seinem Möbeln kann man relativ problemlos umziehen, aber nicht mit einer Immo...

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