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19.09.2011

14:03 Uhr

Anleger zurückhaltend

Schuldenlast setzt Gagfah-Aktie unter Druck

Aus Unsicherheiten über die Refinanzierung seiner milliardenschweren Schuldenlast verlieren viele Anleger das Vertrauen in den Immobilienkonzern Gagfah. Das bekommt der Aktienkurs deutlich zu spüren.

Das Immobilienunternehmen Gagfah. dpa

Das Immobilienunternehmen Gagfah.

FrankfurtDer Immobilienkonzern Gagfah wirbt vergeblich um das Vertrauen seiner Anleger. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie, die sich seit Monaten im freien Fall befindet, flog am Montagvormittag erneut aus vielen Depots heraus: Das Papier verlor zwei Prozent auf 3,80 Euro. Damit wurde Deutschlands größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft fast 70 Prozent unter ihrem Nettovermögenswert (NAV) pro Aktie gehandelt, der zuletzt von Gutachtern ermittelt wurde und den tatsächlichen Unternehmenswert widerspiegeln soll.

Analysten zufolge wartet der Markt weiter auf Nachrichten, ob dem Unternehmen, mehrheitlich im Besitz des US-Finanzinvestor Fortress , die Refinanzierung seiner milliardenschweren Schuldenlast gelingt. Eine Milliarde davon sollte eigentlich noch in diesem Jahr umgeschuldet werden.

Gagfah hatte am späten Freitagabend mit einer Pressemitteilung eher noch mehr Fragen aufgeworfen: Das Unternehmen kündigte den Verkauf von knapp 5000 Berliner Wohnungen - etwa ein Viertel seines Bestandes in der Hauptstadt - an den Konkurrenten GSW an. Der Konzern ließ aber offen, ob der Nettoerlös von 65 Millionen Euro genutzt werden soll, um die Position in den zähen Verhandlungen mit den Banken zu verbessern. Um die Kapitaldecke aufzupolstern, hatte Gagfah in den vergangenen Quartalen sogar die Dividende gestrichen.

Analyst Frank Neumann vom Bankhaus Lampe legte den Finger in die Wunde: „Dass Gagfah keine weiteren Informationen dazu gibt, widerspricht der jüngsten Ankündigung, besser zu kommunizieren“, schrieb er in einem Kurzkommentar. Ähnlich äußerte sich Berenberg-Analyst Kai Klose. Für den Markt sei die Verwendung des Verkaufserlöses die entscheidende Frage.

Gagfah selbst gab sich am Montag gewohnt zugeknöpft. Ob weitere Wohnungsverkäufe folgen, wollte ein Sprecher nicht sagen. Mit Blick auf die Refinanzierung erklärte er lediglich, der Konzern sei weiter in „positiven Gesprächen“ mit den Banken. Gagfah-Chef William Joseph Brennan hatte Mitte August in einem Reuters-Interview angedeutet, dass sich die Verhandlungen auch bis ins nächste Jahr hinein ziehen könnten. Überschattet werden sie vom Rechtsstreit in Dresden. Die Stadt hat Gagfah wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Mieterschutzklauseln auf eine Vertragsstrafe von mehr als einer Milliarde Euro verklagt. Der Konzern hat die Vorwürfe zurückgewiesen und mit einer Gegenklage gekontert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Peter_Peiker

28.09.2011, 21:08 Uhr

Die Gagfah drückende Schuldenlast ist durchaus vergleichbar mit den meisten öffentlichen Wohnungsbauunternehmen. Ein großer Teil dieser Unternehmen wirft bei einer üblichen Eigenkapitalquote von 25 % durchaus Gewinne ab oder Kommunen belasten diese Wohnungsbaugesellschaften erheblich mit Ertragseinbußen verbunden mit sachfremden Kosten, wie solche für stets stark defizitäre Bürgerhäuser, besondere soziale Dienste für Bewohner und Ähnliches, wie beispielsweise die ABG Holding in Frankfurt am Main.
Insoweit ist die niedrige Eigenkapitalquote insbesondere bei der derzeitigen Zinslage für Immobilien keinesfalls Besorgnis erregend. Rechtsanwalt Peter Peiker, Mainstraße 6, Bad Homburg

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