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16.04.2016

08:28 Uhr

Arbeiten versus Wohnen

Der Kampf um die Investoren-Gelder beginnt

Lange war es für Investoren lukrativer, ihr Geld in Büros oder Gewerbebauten zu stecken als in neue Wohnungen. Das ändert sich zumindest in attraktiven Lagen der Städte – und führt vielerorts zu Konflikten.

In den Hackeschen Höfen existieren Wohnen und Gewerbe friedlich miteinander. Doch der Friedenszustand wird seltener. dpa

Hackesche Höfe

In den Hackeschen Höfen existieren Wohnen und Gewerbe friedlich miteinander. Doch der Friedenszustand wird seltener.

BerlinDie weit über Berlin hinaus bekannten Hackeschen Höfe zeigen, wie sich Wohnen und Gewerbe miteinander vertragen können. In den 90er Jahren wurde das Gründerzeit-Ensemble mit acht Hinterhöfen saniert. Heute finden sich dort Modegeschäfte, Kunsthandwerker, Galerien, Architekturbüros, Programmkino, Theater, Café und Restaurant, aber eben auch zahlreiche Wohnungen. Das Sanierungsprojekt hatte einen Vorteil: Schon beim Bau 1906 war die Anlage als Mischung aus Gewerbe- und Wohnhäusern konzipiert.

Komplizierter wird es, wenn auf freien Flächen in Innenstädten neu gebaut werden soll oder ehemalige Industriestandorte reaktiviert werden. Dann stellt sich die Frage: Wer oder was soll dort entstehen - neue Wohnungen oder Räume für Unternehmen?

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Es ist ein Mammutprojekt mit Quartiercharakter: In Düsseldorf entstehen auf einer ehemaligen Industriebrache 1.400 Wohnungen für 3.000 Menschen, wo noch vor zehn Jahren die einstmals größte Glasfabrik Deutschlands stand.

Für diesen Interessenkonflikt stehen die historischen Rathenau-Hallen in Berlin-Schöneweide, wo einst der Elektrokonzern AEG Transformatoren herstellte. Auf dem Gelände am Spreeufer mit einer Reihe von Klinkerbauten sind schon die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und einige Betriebe untergebracht. Ein Investor aus Irland will nun auf rund einem Viertel des 100.000 Quadratmeter großen Grundstücks Wohnungen bauen.

Dagegen stemmen sich Anlieger und Wirtschaftsvertreter. „Eingestreute Wohnquartiere provozieren vermeidbare Nutzungskonflikte“, warnt die Vize-Hauptgeschäftsführerin der Berliner Industrie- und Handelskammer, Melanie Bähr. Es gelte, solche Orte, „wo Wissenschaft, Forschung und Industrie gemeinsam Produkte von morgen kreieren“, weiterzuentwickeln. Für die wachsende Zahl von Einwohnern müsse es am Ende auch genügend Arbeitsplätze geben. Bislang fehle es trotz laufenden Bebauungsplanverfahren an einem Konzept für das gesamte Areal.

Die Rathenau-Hallen machen deutlich: Wo Bauherren bis vor einigen Jahren am liebsten Bürohäuser errichteten, entstehen inzwischen oft Wohnungen, vor allem in Städten. Weil Wohnraum dort begehrt und knapp ist, steigen die Renditen für Investoren und Projektentwickler. Durch die neue Nutzung früherer Fabriken, Warenhäuser oder Kliniken könnten „zusätzliche Potenziale bei der Schaffung des dringend benötigten neuen Wohnraums erschlossen werden“, stellt die Investitionsbank Berlin (IBB) in ihrem jüngsten Wohnungsmarktbericht fest.

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