Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.07.2012

14:51 Uhr

Auslandsimmobilien

Toskana weiter hoch im Kurs

VonKatharina Kort

In Italien sind die Immobilienpreise trotz einer neuen Steuer im Vergleich zu anderen Krisenländern moderater gesunken. Prestigeobjekte in der Toskana oder am Gardasee bleiben weiterhin teuer.

In der Toskana sind die Preise für Prestigeobjekte weiterhin hoch. dpa

In der Toskana sind die Preise für Prestigeobjekte weiterhin hoch.

MailandMario Monti hat sich nicht beliebt gemacht bei den Italienern, als er kurz nach Amtsantritt eine neue Immobiliensteuer mit dem Namen Imu einführte. Sein Vorgänger hatte die unbeliebte Steuer Ici auf das Eigenheim am Erstwohnsitz abgeschafft.

Als dann Monti die Steuer mit einem anderen Namen leicht abgeändert wieder einführte, hatten Beobachter zunächst mit sinkenden Preisen gerechnet. Aber die Liebe der Italiener zum „Mattone" - dem Stein, wie sie die Immobilie fast zärtlich nennen - scheint stärker als der Fiskus.

Die Bewohner des Mittelmeerlandes, die zu mehr als 80 Prozent in den eigenen vier Wänden wohnen, lassen sich nicht von der neuen Steuer schockieren. „Der Trend bei den Preisen bleibt zwar weiterhin negativ, aber das liegt nicht an der Steuer", ist Luca Dondi, Immobilienexperte beim Forschungsinstitut Nomisma überzeugt.

Die zehn größten Fehler beim Hauskauf im Ausland

Anzahlen ohne Sicherheit

Privatschriftliche Vorverträge sind in Spanien und Frankreich bindend, aber eine Anzahlung ohne Sicherheit kann ein großer Fehler sein - gerade in Krisenzeiten, wo auch am Bau Pleiten drohen. Tipp: Vor der ersten Überweisung eine Bankbürgschaft vom Verkäufer verlangen.

Kaufen vom Papier

Ein schöner Prospekt ist schnell gedruckt. Schon mancher als Traumhaus gepriesener Strandbungalow erwies sich bei näherer Betrachtung als baufällige Bruchbude. Im schlimmsten Fall existiert das Haus nur auf dem Papier. Tipp: Erst besichtigen, dann anzahlen.

Mängel missachten

Pfusch am Bau ist keine Seltenheit bei Neubau-Ferienimmobilien. Bei Altbauten können Niedrigstpreise ein Zeichen für fehlende Isolierung, Heizung oder anstehende Großreparaturen sein. Tipp: Einen unabhängigen Bausachverständigen hinzuziehen.

Miterben vergessen

Erben verkaufen im Ausland oft, ohne die geerbten Immobilien vorher umschreiben zu lassen. Wenn die Miterben ihre Unterschrift verweigern, kommt der Kauf nicht zustande. Tipp: Testament oder Erbschein prüfen lassen.

Nationales Recht ausblenden

Gerichtsstand ist meist im Ausland. Und sogar wenn die juristische Auseinandersetzung vor einem deutschen Gericht landet, geht es häufig um fremdes Baurecht. Tipp: Suchen Sie sich einen sprachkundigen Rechtsanwalt.

Schulden übernehmen

Alte Schulden bei Banken oder Behörden können den Wert der Ferienimmobilie erheblich mindern. Tipp: Käufer sollten Nachweis der Lasten- und Schuldenfreiheit verlangen.

Schwarzbau erwerben

In Italien und Spanien wird viel schwarz gebaut. Statt eine Baugenehmigung einzuholen, wird das Bußgeld im Kaufpreis einkalkuliert. Den Ärger damit hat später der Käufer. Tipp: Beim Ortstermin Bauten mit Genehmigung vergleichen.

Sprachbarriere vernachlässigen

Schon Juristen-Deutsch ist oft unverständlich. Einen Kaufvertrag in Fremdsprache sollte der Käufer unbedingt übersetzen lassen. Tipp: Vereidigten Übersetzer engagieren.

Vom Falschen kaufen

Viele Eigentumsregister in Urlaubsländern sind unvollständig, und nicht alle Anbieter von Ferienimmobilien sind zum Verkauf berechtigt. Tipp: Eine Register-Abfrage vornehmen und im Zweifel lieber nicht kaufen.

Weiterverkauf unterschätzen

Eine Wohnung im nicht bebaubaren Küstenbereich entpuppt sich schnell als Ladenhüter. Tipp: Wer später weiterverkaufen will, sollte das Baurecht am Ort sorgfältig prüfen.

„Wir sehen keine großen Auswirkungen der Imu auf die Preise", sagt auch Marco Rognini, der Group Sales Manager vom Maklerbüro Engel & Völkers in Italien. „Es war ja eher eine Anomalie, dass Italien keine Immobiliensteuer mehr hatte", sagt er. Mit 500 bis 2000 Euro für ein normales Haus oder Wohnung sei die Steuer nicht entscheidend für eine so große Investitionsentscheidung.

Dennoch sind die Preise seit dem Hoch von 2007/2008 laut Nomisma gesunken - allerdings mit 15 bis 18 Prozent deutlich moderater als in den Krisenländern Griechenland und Spanien. Und: „Der Einbruch der Immobilienpreise traf vor allem unattraktive Wohnlagen in der Peripherie der Städte, nicht das Landhaus im Chianti oder die Wohnung in Porto Cervo auf Sardinien", sagt Rognini. In der Toskana seien die Preise für Prestigeobjekte weiterhin hoch, ebenso am Gardasee. Für weniger Geld als 2011 gebe es dort Wohnungen ohne Seeblick, nicht aber die Villa mit Seezugang.

Günstiger wird es in weniger bekannten Regionen: Die Hügel rund um Piacenza in der Region Emilia Romagna, die Marken und auch die Basilicata seien noch nicht so überlaufen und dennoch reizvoll: Ein 185 Quadratmeter großes Haus in der Toskana, das für 700.000 Euro auf dem Markt ist, koste in den Marken knapp die Hälfte.

„Wer auf Werterhalt aus ist, für den ist Italien auch heute ein gutes Pflaster." Etwas vorsichtiger sieht es Dondi von Nomisma: „Wenn der Verkäufer 20 bis 30 Prozent mit dem Preis heruntergeht, können Sie zugreifen", rät er. „Andernfalls einfach in ein paar Monaten noch mal anklopfen!"

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bjarki

21.07.2012, 15:51 Uhr

Ich selbst leben von Immobilien. Aber wer allen Ernstes jetzt in Italien ein Haus für 350000 Euro kauft, kann es genauso gut gleich in den Po werfen. Italien wird einen beispiellosen Niedergang sehen ( Spanien lässt grüssn). Überhaupt haben die italienischen Immopreise keinerlei Grundlagen. Schwarzgeldzahlungen sind of Bedingung und Ruinen in der Toscana werden an den "doofen" Touris seit ewigen Zeiten angedreht. Ich kenne Leute, die haben ihr Vermögen buchstäblich in Italien in den Sand gesetzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×