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27.11.2015

15:29 Uhr

Baufinanzierung

Eigenheim für Habenichtse

Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, muss kein Geld auf der hohen Kante haben. Banken vergeben Kredite, die den Kaufpreis voll decken. Das Finanzministerium prüft, ob eine Regulierung nötig ist.

Kredite sind derzeit günstig, auch ohne Eigenkapital. dpa

Stadtwohnungen

Kredite sind derzeit günstig, auch ohne Eigenkapital.

Ohne Vermögen keine Immobilie – diese Gleichung gilt schon lange nicht mehr. Wer ein Haus kaufen möchte, kann den Kaufpreis zu hundert Prozent finanzieren. Wie günstig solche Hundert-Prozent-Finanzierungen sind, zeigt ein Vergleich der FMH Finanzberatung für Handelsblatt Online.

Bei einem Kaufpreis 300.000 Euro und einer Zinsbindung von zehn Jahren und drei Prozent Tilgung  verlangen sowohl die BBBank als auch die Sparda-Bank Berlin einen Zins von weniger als zwei Prozent. Im Schnitt werden derzeit nur 2,34 Prozent fällig. Im historischen Vergleich sind solche Sätze günstig. Noch vor zwei Jahren verlangten Banken für Kredite mit klassischer Beleihung von 80 Prozent höhere Sätze als heute für die Hundert-Prozent-Finanzierungen anfallen.  

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Im Marktvergleich zu Darlehen mit Eigenkapital bleiben die Hundertprozenter aber teuer: Im Vergleich zu einer Finanzierung zu 50 Prozent des Kaufpreises liegt der Zinsauflage im Schnitt bei mehr als 0,8 Prozentpunkte. Mit dem Baugeld-Vergleich auf Handelsblatt Online lassen sich die Konditionen individuell berechnen.

Obwohl Baufinanzierungen ohne Eigenkapital teurer sind, die Tilgung länger dauert und die Risiken steigen, könnten die historisch niedrigen Sätze solche Kredite für neue Kundengruppen interessant machen. Obwohl die Banken in der Regel hohe Bonitätsanforderungen an die Kunden stellen, gibt es Beispiele wo wenig solventen Kunden Hundert-Prozent-Finanzierungen angeboten werden.

Das ruft die Bundesbank auf den Plan, die schärfere Instrumente fordert, um eine Immobilienblase in Deutschland zu verhindern. Die Bundesbank regt gleich eine ganze Reihe an Werkzeugen an, um Übertreibungen auf Immobilienmärkten zu verhindern. Sie stößt damit in der Regierung auf offene Ohren.

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