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14.02.2017

10:05 Uhr

Baufinanzierung

Selten gut beraten

VonFrank Matthias Drost

Stiftung Warentest hat die Beratung bei der Baufinanzierung unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis: Trotz der Dauerniedrigzinsen gibt es erhebliche Zinsunterschiede. Wer den Test bestanden hat – und wer nicht.

Bei einer fiktiven Immobilienfinanzierung stellte Stiftung Warentest zahlreiche handwerkliche Fehler bei den Geldinstituten fest. dpa

Beratung Immobilienfinanzierung

Bei einer fiktiven Immobilienfinanzierung stellte Stiftung Warentest zahlreiche handwerkliche Fehler bei den Geldinstituten fest.

BerlinMit den Dauerniedrigzinsen steigt die Bereitschaft privater Haushalte, sich eine Immobilie zuzulegen. Wer sich dabei auf den Rat seiner Bank verlässt, kann böse Überraschungen erleben. Das belegt die jüngste Untersuchung von Stiftung Warentest.

Alle 21 befragten Banken und Kreditvermittler waren mit folgender Situation konfrontiert: Ein Ehepaar will eine Eigentumswohnung für 250.000 bis 425.000 Euro erwerben. Nach Abzug der Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Makler, Notarkosten) kommt das Paar auf 25 Prozent Eigenkapital. Ihr Einkommen reicht aus, um den Kredit in Höhe von drei Prozent jährlich zu tilgen.

Diese Noten erhalten die Baufinanzierer von „Finanztest“

Top – Platz 5: Stadtsparkasse München

Qualitätsurteil: gut (2,5)
Qualität des Angebots (75%): 2,3
Kundeninformationen (20%): 3,7
Begleitumstände (5%): 2,0

Top – Platz 4: Interhyp

Qualitätsurteil: gut (2,3)
Qualität des Angebots (75%): 2,2
Kundeninformationen (20%): 2,7
Begleitumstände (5%): 2,1

Top – Platz 3: Dr. Klein

Qualitätsurteil: gut (2,2)
Qualität des Angebots (75%): 2,2
Kundeninformationen (20%): 2,3
Begleitumstände (5%): 1,2

Top – Platz 2: Frankfurter Sparkasse

Qualitätsurteil: gut (1,9)
Qualität des Angebots (75%): 2,0
Kundeninformationen (20%): 1,8
Begleitumstände (5%): 1,6

Top – Platz 1: Frankfurter Volksbank

Qualitätsurteil: gut (1,8)
Qualität des Angebots (75%): 2,0
Kundeninformationen (20%): 1,6
Begleitumstände (5%): 0,8

Flop – Platz 5: Postbank

Qualitätsurteil: ausreichend (4,3)
Qualität des Angebots (75%): 4,6
Kundeninformationen (20%): 3,4
Begleitumstände (5%): 4,3

Flop – Platz 4: BW Bank

Qualitätsurteil: ausreichend (4,5)
Qualität des Angebots (75%): 5,0
Kundeninformationen (20%): 3,7
Begleitumstände (5%): 1,5

Flop – Platz 3: Commerzbank

Qualitätsurteil: ausreichend (4,5)
Qualität des Angebots (75%): 4,8
Kundeninformationen (20%): 3,8
Begleitumstände (5%): 2,7

Flop –Platz 2: Sparda-Bank West

Qualitätsurteil: mangelhaft (5,0)
Qualität des Angebots (75%): 5,5
Kundeninformationen (20%): 3,4
Begleitumstände (5%): 2,1

Flop – Platz 1: Sparkasse Köln-Bonn

Qualitätsurteil: mangelhaft (5,1)
Qualität des Angebots (75%): 5,4
Kundeninformationen (20%): 4,5
Begleitumstände (5%): 2,0

Quelle: Finanztest 3/2017

Dann lag es an den Beratern, eine passende Finanzierung zusammenzustellen. Dabei stellten die Tester zahlreiche handwerkliche Fehler fest. So übersahen Berater, dass das Hausgeld für Strom und Wasser bis zu 350 Euro ausmachte. Andere setzten die Lebenshaltungskosten zu niedrig an. Unterm Strich war in jedem vierten Testfall die Monatsrate höher als sie es sein sollte.

In jedem fünften Fall gelang es zudem nicht, die Kreditsumme am Bedarf des Kunden auszurichten. Bei dieser Konstellation fehlten den Kaufwilligen jeweils 10.000 Euro für den Immobilienkauf. Häufig beobachteten die Tester allerdings auch, dass ein zu hoher Kredit gewährt werden sollte. Obwohl ein Kredit in Höhe von 80 Prozent der Kreditsumme gereicht hätte, trieben ihn manche Berater auf bis zu 90 Prozent und ließen dabei Eigenkapital von mehr als 40.000 Euro ungenutzt.

Trotz der Dauerniedrigzinsen stellte Stiftung Warentest erhebliche Zinsunterschiede fest. Die Sparda-Bank Nürnberg und die Sparda-Bank Baden-Württemberg lagen beispielsweise einen halben Prozentpunkt unter den Angeboten der Sparkassen Hannover, Köln-Bonn und Berlin. „Das kann sich über die Laufzeit schnell auf 20.000 Euro summieren“, so Stiftung Warentest.

Kommentare (1)

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Herr Heinz Keizer

14.02.2017, 11:01 Uhr

Wenn die Vorgaben, wie beschrieben von der Stiftung Warentest stammen, hätte diese auch die Note 5 verdient. Was wollen die Kunden denn? Eine ETW für 250 T€ oder für 425 T€? Auf was beziehen sich die 25 % Eigenkapital? Wenn auf den ersten Fall bezogen 25 % vorhanden sind, dann sind es im zweiten Fall nur noch 14 %. Oder hat es plötzlich eine wundersame Kapitalvermehrung gegeben? Auch die Tilgung von 3 % ist nicht klar. Das kann im einen Fall 6.000 im Jahr, im anderen Fall fast 11.000 im Jahr bedeuten. Je nach Zinssatz also ein Belastung von mtl. etwas 1.000 € oder aber ca. 1.500 €. Wenn schon so unklare Vorgaben, sollte die Frage sein, wieviel Immobilie können sich die Leute leisten. Bei Wohnriester habe die Erfahrung gemacht, dass es schon angeboten wird, aber nicht richtig erklärt. Meistens wird zwar auf die nachgelagerte Besteuerung verwiesen, aber die Auswirkungen und mögliche Probleme werden nicht angesprochen. Die Effektiverzinsung sagt nur was aus, wenn ich Darlehen mit gleichen Laufzeiten vergleiche. Sofortdarlehen von Bausparkasse sind meistens so gar nicht vergleichbar. Für mich ist ausschlaggebender, welche Belastung der Verbraucher monatlich hat und wie hoch die Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung ist. Dann muß nämlich neu verhandelt werden. Je nachdem, welchen Zins die Bank für die Zeit nach Ablauf der Zinsbindung unterstellt, kommen unterschiedliche Effektivzinssätze zustande. Welcher Kunde kann das nachvollziehen?

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