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14.11.2016

13:14 Uhr

Baufinanzierung

Sinneswandel bei Immokrediten

VonFrank Matthias Drost

Ein seit wenigen Monaten gültiges Gesetz soll zu einem Einbruch bei Immobilienkrediten geführt haben. Obwohl es dafür keine überzeugenden Belege gibt, will Minister Heiko Maas noch einmal nachbessern.

Auch von den Sparkassen aus dem südlichen Bundesland komen Proteste gegen das neue Gesetz. dpa

Wohnhäuser in Stuttgart

Auch von den Sparkassen aus dem südlichen Bundesland komen Proteste gegen das neue Gesetz.

BerlinAls die Empörung bei den Sparkassen hochkochte, warb der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Ulrich Kelber (SPD), um Geduld. „Ich rate dazu, einmal tief zu atmen“, empfahl er Ende August in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Bereits wenige Monate, nachdem die sogenannte Wohnimmobilienkreditrichtlinie am 21. März 2016 in Kraft trat, soll das Immobiliengeschäft einen Dämpfer bekommen haben.

Insbesondere Familien und ältere Kreditnehmer hätten größere Schwierigkeiten, einen Immobilienkredit zu bekommen, klagten beispielsweise die Sparkassen. „Das ist wirklich Unsinn“, so Kelber. Die Bundesregierung habe einen Passus hineinverhandelt, dass die Kreditvergabe an ältere Menschen nicht erschwert werde.

Als die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und Bayern Mitte Oktober auf eine Gesetzesänderung pochten, brüstete sie Staatssekretär Thomas Lange mit ähnlichen Argumenten wie Kelber ab. Es gebe keine belastbaren Zahlen.

Nun scheint sich ein Sinneswandel im Verbraucherministerium vollzogen zu haben. „Es darf nicht sein, dass gerade ältere Bankkunden wegen dieser EU-Richtlinie eventuell nur noch schwer einen Kredit erhalten“, sagte Minister Maas der „Rheinischen Post“. Diese nicht erwünschte Wirkung gehöre „schnell abgeschafft“. Im Kern sollen mit dem Gesetz Verbraucher vor zu großen Risiken bei der Immobilienfinanzierung bewahrt und Banken vor potenziell faulen Krediten geschützt werden.

Maas Kehrtwende überrascht. Denn „empirische Daten, eine empirische Evaluation oder gesicherte Erkenntnisse über Kreditvergabe- und Ablehnungszahlen, auch nach Alterskohorten, liegen der Bundesregierung nicht vor“, heißt es in einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine aktuelle Anfrage der Grünen. Die Kreditwirtschaft habe bislang keine entsprechenden Informationen vorgelegt.

Welche Zusatzkosten Sie beim Hauskauf beachten müssen

Transaktionskosten

Wer beim Hauskauf nur mit dem Preis der Immobilie kalkuliert, kann am Ende eine böse Überraschung erleben. Denn oft kommen mit dem Erwerb weitere Kosten hinzu – die sogenannten Transaktionskosten. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat in der Studie „Wohn- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016“ einen Leitfaden dazu mitgegeben, der auflistet, welche Zahlungen Immobilienkäufer neben dem Kaufpreis berücksichtigen sollten.

Grunderwerbsteuer

So muss jeder, der eine Immobilie kauft, neben dem Kaufpreis auch die Grunderwerbsteuer abführen. Seit 2006 legen die Bundesländer die Höhe selbst fest. In 14 Bundesländern liegt er zwischen 4,5 und 6,5 Prozent, in Bayern und Sachsen dagegen bei 3,5 Prozent. 2015 haben die Länder so 11,2 Milliarden Euro eingenommen, der Anteil an allen Ländersteuern beträgt damit mehr als 50 Prozent. Ausnahmen von der Grunderwerbsteuer können bei Schenkungen und Erbschaften vorliegen.

Notarielle Leistungen

Neben der Steuer muss bei einem Hauskauf zudem auch der Notar bezahlt werden. Diese Kosten für beispielsweise Erstellung des Kaufvertrags, Übertragung des Eigentums und die Zahlungsabwicklung sind gesetzlich festgelegt und bewegen sich bei einer Standardkonstellation im Bereich von etwa 0,8 und 1,2 Prozent des Objektpreises. Dabei gilt: Je teurer das Objekt, desto geringer die Rate.

Grundbuch

Das Neueintragen oder das Umschreiben des Grundbuches ist ein weiterer Kostenfaktor, mit dem Hauskäufer rechnen müssen. Auch diese Kosten sind gesetzlich festgelegt. Sie liegen – je nach Objektpreis – zwischen 0,4 und 0,6 Prozent des Kaufpreises.

Leistungen von Maklern

Nicht obligatorisch, aber dennoch sehr häufig muss auch ein Makler bezahlt werden. Zum Teil übernehmen diese auch Objektbewertungen und Preisverhandlungen. Schätzungen gehen davon aus, dass Makler bei knapp der Hälfte aller Verkäufe von selbstgenutzten Immobilien beteiligt sind. Die Provision richtet sich nach ortsüblichen Sätzen, ist aber auch verhandelbar. Die Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland beziffert den gängigen Höchstsatz auf sechs Prozent des Kaufpreises zuzüglich Mehrwertsteuer. Das Bestellerprinzip, nach dem derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt hat, gilt übrigens nur für Vermietungen.

Es fehle an klaren Beweisen, „dass die Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie zu einem Rückgang der Kreditvergabe an bestimmte Bevölkerungsgruppen oder in gewissen Situationen geführt hat“, urteilt die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch. Es sei daher „erstaunlich, dass Heiko Maas ein erst wenige Wochen altes Gesetz schon wieder ändern will, ohne belastbare Zahlen zu haben“, kritisiert die grüne Politikerin.

Was die Vergabe von Immobilienkrediten angeht, gibt es „keinen Grund zum Jammern“, urteilt das Fachportal Kreditvergleich.net. Nach Recherchen des Portals stiegen die Immobilienkredite in Deutschland im zwei Quartal 2016 im Vorjahresvergleich um 6,1 Prozent. „Aus unserer Sicht gibt es wenig dringenden Handlungsbedarf“, so Projektleiter Marc Opitz.

Dass die Bundesregierung trotzdem tätig werden will, sieht für Maisch aus wie eine „Gesetzesänderung auf Zuruf“.

Kommentare (3)

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14.11.2016, 17:38 Uhr

 Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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14.11.2016, 17:41 Uhr

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14.11.2016, 17:43 Uhr

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