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18.01.2013

12:23 Uhr

Baufinanzierung

Wie Häuslebauer das Zinstief nutzen können

VonJens Hagen

Ein Vergleich zeigt, welche Anbieter konstant niedrige Zinsen bieten. Neben günstigen Sätzen brauchen Kunden die richtige Strategie. Ein Ratgeber für Familien, Manager, Investoren, Steuersparer und Börsenzocker.

Preisverleihung: Ralf Klenk (m.), Sieger in der Kategorie Banken, erhält seinen Preis von Max Herbst (r.) und Moderatorin Beate Hoffbauer.

Preisverleihung: Ralf Klenk (m.), Sieger in der Kategorie Banken, erhält seinen Preis von Max Herbst (r.) und Moderatorin Beate Hoffbauer.

DüsseldorfDer Ballsaal des Frankfurter Hotels Jumeirah ist gut gefüllt. Brauner Teppich, Holzvertäfelungen an der Wand, Kristallimitat an der Decke. Banker, Versicherer und Vermittler sitzen dicht gedrängt. Max Herbst, Zinspapst, Grand Seigneur der Baufi-Experten und Inhaber der FMH-Finanzberatung hat zur Preisverleihung geladen.

Insgesamt 19 Auszeichnungen gibt es für die Anbieter, die im vergangenen Jahr im Schnitt die günstigsten Zinsen geboten hat. Das günstigste Institut, die PSD Bank Nürnberg, verlangte im Schnitt bei einer Beleihung von 70 Prozent nur 2,96 Prozent.

Das sind die günstigsten Baugeld-Anbieter

Auszeichnung

Einmal im Jahr kürt die FMH-Finanzberatung Banken, Vermittler und Versicherer, die konstant günstige Zinsen bieten. Dabei gelten die durchschnittlichen Effektivzinsen für das Jahr 2014. Die Sätze werden für eine Beleihungen von 50 Prozent und 70 Prozent sowie für 70 Prozent und 90 Prozent gemittelt. Handelsblatt Online zeigt die Gewinner in den unterschiedlichen Kategorien.

Niedrige Beleihung, bundesweite Versicherer und Banken

Bei einer Laufzeit von zehn Jahren gewann in dieser Kategorie die BBBank eG

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 50 Prozent: 2,36 Prozent

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 70 Prozent: 2,47 Prozent

Mittelwert: 2,42 Prozent

Niedrige Beleihung, regionale Banken

Sieger: PSD Bank Nürnberg

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 50 Prozent: 2,35 Prozent

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 70 Prozent: 2,26 Prozent

Mittelwert: 2,31 Prozent

Niedrige Beleihung, Vermittler

Sieger: Interhyp

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 50 Prozent: 2,33 Prozent

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 70 Prozent: 2,42 Prozent

Mittelwert: 2,37 Prozent

Hohe Beleihung, Banken und Versicherer

Sieger: Degussa Bank

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 70 Prozent: 2,59 Prozent

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 90 Prozent: 2,80 Prozent

Mittelwert: 2,69 Prozent

Hohe Beleihung, regionale Banken

Sieger: PSD Bank Koblenz

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 70 Prozent: 2,46 Prozent

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 90 Prozent: 2,53 Prozent

Mittelwert: 2,50 Prozent

Hohe Beleihung, Vermittler

Sieger: Interhyp

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 70 Prozent: 2,42 Prozent

Durchschnittlicher Effektivzins bei einer Beleihung von 90 Prozent: 2,72 Prozent

Mittelwert: 2,57 Prozent

Die Stimmung ist heiter und entspannt, nicht nur wegen des reichen Preissegens. Noch nie waren die Bedingungen für Baufinanzierungskunden so gut wie jetzt. Die Zinsen sind auf einem historischen Tief, der Staat hat die Riester-Förderung auf Immobilien ausgedehnt, und Immobilien gelten als sicherer Anlage im Zinstief.

„Trotz steigender Kaufpreise hat die Erschwinglichkeit von Immobilien nicht gelitten“, sagt Thilo Wiegand, Vorstand von Hypoport, die mit Europace eine Plattform für die Vermittlung von Baufinanzierungen betreibt. Vor allem sinkende Zinsen und steigende Einkommen wirken gegen die Preis-Rally.

Baugeld mit einer Zinsbindung von zehn Jahren gibt es im Schnitt schon für einen Zins von 2,53 Prozent, Preisbrecher verlangen weniger als 2,3 Prozent. Paradiesische Zustände für Kunden, die noch eine Weile anhalten dürften.

Immobilien: So finanziert der Staat Ihr neues Zuhause

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Wenn Häuslebauer die Förderungen mitnehmen, können sie viel Geld sparen.

„Alle Prognosen gehen davon aus, dass es nicht zu starken Zinssteigerungen in den nächsten ein bis zwei Jahren kommt“, sagt Eva Grunwald, Leiterin der Baufinanzierungen der Deutschen Bank. „Kurz- bis mittelfristig rechnen wir schlimmstenfalls mit moderat steigenden Sätzen, die Zinskurve bleibt flach.“

Kunden können sich bei der Wahl der Finanzierung Zeit lassen und in Ruhe nach den passenden Immobilien suchen. Auch bei Darlehen, die erst in einigen Jahren auslaufen besteht kein Handlungsbedarf. „Wer in den vergangenen vier bis sechs Jahren ein Forward-Darlehen abgeschlossen hat, traf nicht die beste Entscheidung“, sagt Peter Haueisen, Leiter Baufinanzierung der Allianz in Stuttgart.

Effektivzins bei Immobilienkrediten: Endlich korrekt

Änderung

Der Bundesrat hat zum Jahreswechsel 2012/2013 eine wichtige Änderung im letzten Absatz des Anhangs des § 6 Preisangabenverordnung beschlossen.

Quelle: Heinrich Bockolt

Grund

Bisher konnten Banken und Sparkassen den Effektivzins manipulieeren. Durch die Änderung werde mit der „legalen Effektivzinsmanipulationen in der Immobilienfinanzierung mit Prolongationen endlich aufgeräumt“, urteilt Professor Heinrich Bockolt aus Koblenz.

Beispiel

Herr Weber nimmt zum 31.12.2012 einen Kredit zu seiner Immobilienfinanzierung mit einer Laufzeit von 25 Jahren bei der GAMMA-Bank auf, da mit 65 Jahren der Kredit abbezahlt sein soll.

Die Konditionen

Nettodarlehensbetrag:                                                               100.000 €

Auszahlungskurs:                                                           100%

Gebundener Sollzins für 10 Jahre:                          3,00%

Tilgungssatz bezogen auf 25 Jahren:                      2,69%

Rate am Monatsende:                                 474,22 €

Zins- und Tilgungsverrechnung:                               sofort

Restschuld nach 10 Jahren:                                        68.667,18 €

effektiver Jahreszins:                                                   3,04%

Alte Rechnung

Prolongation alt (=bis 31.12.2012) mit Folgesollzinssatz von 2 Prozent. Die GAMMA-Bank behauptet, dass sie die Anschlussfinanzierung zu 1% über den derzeitigen Refinanzierungszins von 1%  variabel darstellen kann.

Ergebnis

angenommener Sollzins für die restlichen 25 Jahre:                      2,00  %

179 Monatsraten:                                                                                         441,88 €

1 Schlussrate:                                                                                                  441,73 €

Restschuld nach 25 Jahren:                                                                       0,00 €

gesamter effektiver Jahreszins über

25 Jahre bis 31.12.2012 erlaubt:                                                               2,71 %

Gesamtbetrag der Zahlungen:                                                 136.444,65 €

Urteil

Der Effektivzinssatz konnte gesetzlich abgesichert bis zum 31.12.2012 so manipuliert werden, ohne dass sich „effektive“ Folgen für das Institut ergaben. Etliche Institute nutzten diese Schwäche im Gesetz.

Neue Rechnung

Prolongation neu ab 1.1.2013 mit Folgezinssollzinssatz von 3,00 %

Nach der Anlage zu § 6 Preisangabenverordnung (PAngV) II letzter Satz j) muss nun der Sollzinssatz genannt werden,  „der sich aus dem Wert des vereinbarten Indexes oder Referenzzinssatzes zum Zeitpunkt der Berechnung des effektiven Jahreszinses ergibt“. Im Beispiel ist also mindestens der Sollzinssatz von 3,00% oder mehr zu verwenden.

Ergebnis

angenommener Sollzins für die restlichen 15 Jahre:                      3,00  %

179 Monatsraten:                                                                                         474,22 €

1 Schlussrate:                                                                                                  470,35 €

Restschuld nach 25 Jahren:                                                                       0,00 €

gesamter effektiver Jahreszins über

25 Jahre ab 1.1.2013:                                                                                    3,04 % 

Gesamtbetrag der Zahlungen:                                                 142.262,13 €

Fazit

Es sei sehr erfreulich, dass der Gesetzgeber sich selbst korrigiert habe, urteilt Professor Bockolt. Denn dieser hatte selbst erst zum 11.6.2010 diese Effektivzinsmanipulation ermöglicht.

Auch jetzt sollten Kunden nichts überstürzen, in der aktuellen Marktsituation macht eine Absicherung gegen einen Zinsanstieg eher keinen Sinn. „Solche Darlehen sind eine Wette der Privatkunden gegen ihre Bank“, sagt Haueisen. Und solche Wetten gehen nicht immer auf.

„Wichtiger als das Feilschen um ein paar Basispunkte ist aktuell die richtige Strategie bei der Baufinanzierung“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Handelsblatt Online zeigt, wie Manager, Familien, Investoren, Steuersaparer und Börsen-Zocker das Zinstief nutzen.

Kommentare (10)

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RumpelstilzchenA

18.01.2013, 12:13 Uhr

Was soll dieser Artikel? Es gibt keine Grundstücke. Und wenn ein Grundstück vorhanden ist, dann nutzt der Markler es selbst, indem er ein Haus mit mehreren Wohneinheiten baut und verkauft. Ist für ihn profitabler!

Liest-sich-wie-Kaufpresse

18.01.2013, 13:24 Uhr

"Max Herbst, Zinspapst, Grand Seigneur der Baufi-Experten und Inhaber der FMH-Finanzberatung..."
 
Was soll man dazu sagen? Einen Finanzberater, der Zinstabellen aus Daten zusammenstellt (die er sich von den Protagonisten zuliefern lässt) als Zinspapst zu bezeichnen, erwartet man  wirklich nicht im Handelsblatt. Vielleicht ist er der "Zinspapst", weil annähernd jede Redaktion ungeprüft von Herbst übernimmt - die Materie ist schließlich so undurchsichtig, dass man sich lieber von einem Finanzberater zuarbeiten lässt, der andere Finanzberater miteinander vergleicht, als unabhängige Instanzen zu befragen oder selbst zu recherchieren.
Wer jedoch die Qualität der Zinsprognosen (und allerlei anderer Äußerungen) des Papstes kritisch - aufmerksam reicht auch - liest, stellt fest, dass der Herr Herbst vom Status Papst ebenso weit entfernt ist, wie das Handelsblatt bei diesem Artikel von gutem Journalismus.
 
Was macht einen Finanzberater zu einem "Grand Seigneuer", zu einem "Baufi-Experten"? Was hat er denn tatsächlich vorzuweisen, der Papst?
Ich würde mich freuen, wenn uns Herr Hagen mal daran teilhaben ließe, warum er einen so unwichtigen Finanzberater, und mehr ist er nicht, mit dem höchsten Würdenträger der katholischen Kirche auf eine Stufe stellt? Ist der Herr Herbst von Gottes Gnaden eingesetzt und vertritt in Sachen Zins & Co seine Herrlichkeit in irdischen Angelegenheiten?
Was macht einen Herrn Herbst zum "Grand Seigneur"? Mit Verlaub, aber einen solchen Begriff einzusetzen verschlägt mir ebenfalls den Atem.

Banker

18.01.2013, 14:17 Uhr

Ich möchte mal die Klagewelle erleben, wenn ich Kunden aktiv dazu rate Tilgung nicht direkt in das Darlehen zu zahlen sondern am besten in Fonds (welche wurde nicht genannt). Dann heißt es direkt wieder "verbrecherische Bankster"!
Nicht dass das nicht in bestimmten Konstellationen Sinn machen kann, aber ich wundere mich immer wieder über die Finanztipps in Wirtschaftszeitungen - die selben Magazine hauen dann wieder drauf oder erinnern sich nicht daran selber so etwas empfolen zu haben!
Zum Effektivzins - die Gesetzesnovelle war von Anfang an lächerlich. Es ist zwar fair, wenn der Kunde darauf hingewiesen wird, dass der Zins nach der ersten Zinsfestschreibung ein anderer ist. Klar kann man dass auch in einem effiktiven Jahreszins einrechnen, allerdings ist das absolut nichtssagend. Der Zins kann in jede Richtung manipuliert werden. Ein faires Mittelmaß gibt es im Prinzip nicht. Das hat im Prinzip nur dafür gesorgt, dass der Kunden KEINEN realistischen effektiven Jahreszins mehr erhalten hat. Wirklich ein Schildbürgerstreiche! Der Geseztgeber scheint wirklich keine Ahnung von der Materie zu haben.
Der effektive Jahreszins ist eh schon vorher nicht sonderlich aussagekräftig - die einzige Vergleichsmöglichkeit sind ausschließlich die Gesamtkosten einer Finanzierung (inkl. Versicherungen, Absicherungskosten etc.) die man sich am besten selber ermittelt. Alle andere kann geschönt werden.

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