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17.04.2014

11:51 Uhr

Baugeld

Deutsche riskieren mehr beim Hauskauf

VonJörg Hackhausen, Jens Hagen

ExklusivDer Immobilienboom in den Metropolen schreibt neue Regeln für die Baufinanzierung. Obwohl die Zinsen eingebrochen sind, zahlen Käufer deutlich mehr – und gehen stärker ins Risiko. Was Kreditnehmer nun wissen sollten.

Ein neues Gesetz soll die Kredite von Privatleuten neu regeln. Bei Immobilienkrediten gibt es Kritik. Getty Images

Ein neues Gesetz soll die Kredite von Privatleuten neu regeln. Bei Immobilienkrediten gibt es Kritik.

Der Durchschnittsdeutsche gilt als konservativ. Erst recht, wenn es um das Eigenheim geht. Doch seit ein paar Jahren stimmt dieses Klischee nicht mehr: In den Metropolen nehmen Hauskäufer höhere Kredite auf. Und sie bringen weniger Eigenkapital mit. Die höheren Häuserpreise machen es nötig. Die verlockend niedrigen Zinsen machen es möglich. Doch mancher Hauskäufer könnte sich verkalkuliert haben.

Der Baugeldvermittler Interhyp hat für Handelsblatt Online Kredite und Kaufpreise für acht deutsche Großstädte zwischen 2009 und 2013 ausgewertet. Die Analyse umfasst ein Kreditvolumen von fünf Milliarden Euro. „Die Baufinanzierung hat sich in den Metropolen im Zuge des Immobilienbooms gewaltig verändert“, sagt Michiel Goris, Vorstandschef von Interhyp. „Viele althergebrachte Regeln gelten heute so nicht mehr“.

Die Tendenz ist klar: Die realen Kaufpreise für Immobilien sind in den meisten Metropolen deutlich gestiegen. In München kletterten die Preise in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um 21,4 Prozent, in Frankfurt um 19,2 Prozent, in Frankfurt sogar um 26 Prozent. Nur im Osten der Republik sah es anders aus: In Berlin stiegen die Häuserpreise im selben Zeitraum nur um 3,6 Prozent, in Dresden fielen sie um 1,5 Prozent.

Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich die sogenannten 1-a-Lagen, zum Beispiel in München Schwabing oder auf dem Harvestehuder Weg in Hamburg. Allerdings sind die besten Lagen weitgehend abgegrast. Deshalb dürften künftig Gegenden angesagt sein, die in den vergangenen Jahren weniger im Fokus standen. Berlin gilt unter Investoren gerade als heißester Markt.

Noch schneller als die Kaufpreise sind die Darlehenssummen gestiegen, also die Beträge, die sich die Hauskäufer bei der Bank leihen. In München stieg die durchschnittliche Darlehenssumme um 26,6 Prozent, in Frankfurt um 28,6 Prozent, in Düsseldorf um 17,5 Prozent. Ausreißer waren wieder Berlin und Dresden, wo die Kreditsummen leicht rückläufig waren.

Deutschlands teuerste Wohnstraßen

Platz 15

Altestadt (Altstadt), Düsseldorf
Höchstpreise: 13.500 Euro je Quadratmeter

Platz 14

Rottach-Egern, Tegernsee

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 13

Bad Wiessee (Ortsteil Abwinkel), Tegernsee

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 12

Flemingstraße (Bogenhausen-Herzogpark), München

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 11

Große Elbstraße (Hafenrand), Hamburg

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 10

Am Zirkus, Werderscher Markt (Mitte), Berlin

Höchstpreise: 15.000 Euro je Quadratmeter

Platz 9

Harvestehuder Weg (Harvestehude), Hamburg

Höchstpreise: 16.000 Euro je Quadratmeter

Platz 8

Strandpromenade (Juist), Juist

Höchstpreise: 16.400 Euro je Quadratmeter

Platz 7

Maria-Theresia-Straße (Alt-Bogenhausen), München

Höchstpreise: 18.000 Euro je Quadratmeter

Platz 6

Königinstraße, Seestraße, Mandlstraße (Schwabing), München

Höchstpreise: 20.000 Euro je Quadratmeter

Platz 5

Südliche Seestraße (Ostufer Ammerland), Starnberger See

Höchstpreise: 25.000 Euro je Quadratmeter

Platz 4

Müllerstraße (Glockenbachviertel), München

Höchstpreise: 25.000 Euro je Quadratmeter

Platz 3

Heideweg/Heidewinkel, Wiesenweg (Kampen), Sylt

Höchstpreise: 28.000 Euro je Quadratmeter

Platz 2

Ostheideweg (Kampen), Sylt

Höchstpreise: 30.000 Euro je Quadratmeter

Platz 1

Hobokenweg (Kampen), Sylt

Höchstpreise: 35.000 Euro je Quadratmeter

Quelle

Engel & Völkers, Analyse des Luxuswohnimmobilienmarkts 2012/13

Um sich höhere Preise leisten zu können, müssen sich Kaufwillige stärker verschulden – und dazu sind sie auch bereit. Dabei helfen ihnen die niedrigen Zinsen: Der Effektivzins für Baufinanzierungen ist in den vergangenen fünf Jahren von durchschnittlich 4,3 Prozent auf aktuell 2,7 Prozent gesunken.

Dabei gibt es im bundesweiten Vergleich kaum nennenswerte Unterschiede: Hamburger müssen für einen Kredit kaum mehr bezahlen als Berliner oder Münchener. „Immobilienbesitzer müssen kurzfristig eher nicht mit stark steigenden Zinsen rechnen“, sagt Goris. „Ausschläge von 0,2 oder 0,3 Prozentpunkten nach oben oder unten sind aber immer drin“.

Kommentare (11)

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17.04.2014, 12:59 Uhr

Wenn den Rettungsfetischisten das Geld ausgeht wird die Immo-Steuer erhoeht, denn Immos koennen nicht fluechten oder sich vorm Fiskus verstecken.

Account gelöscht!

17.04.2014, 13:03 Uhr

Jaja... Und wenns dann kracht, haben wir den gleichen Salat wie in Japan in den 90ern oder in den USA ab 2006 mit den Subprimes und in Spanien die letzten Jahre. Dann stehen die Banken wieder da und brauchen staatliche Unterstützung, da nach den Hauspreisen unweigerlich die Kredite platzen.

Und was macht die EZB? Sie schaut zu, wie sich die Preise aufblähen. So, wie in Spanien. Oder die FED in den USA. Denn die Zinsen kann man nicht erhöhen, das ist entweder politisch nicht gewollt (FED, Bush-Regierung, jeder sollte sich ein Eigenheim kaufen können) oder schlichtweg nicht möglich (EZB, würde sofort die Südstaaten wieder in die Krise stürzen). Sogar die Chinesen haben mit ihren unbewohnten Geisterstädten die aus dem Nichts erschaffen wurden ein Immobilienproblem.

Ich gebe dem Treiben noch 5 Jahre. Dann knallt es wieder gewaltig.

Account gelöscht!

17.04.2014, 13:06 Uhr

Das geht nur bedingt. Werden die Grundsteuern ordentlich erhöht, sinkt die Nachfrage nach neuen Immobilien und nach dem Kauf von gebrauchten Immos. Dadurch wird der Bausektor in die Krise getrieben und die sinkenden Preise der Häuser bewirken, dass die Banken von den Kreditnehmern Nachschusspflicht in punkto Sicherheit verlangen. Das führt zum Platzen von Krediten, da 100%-Finanzierungen derzeit wieder in Mode sind. Das wiederum macht die Banken klamm und die stehen dann beim Staat vor der Tür und betteln wieder um ein paar Millärdchen Euros.

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