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19.02.2016

14:41 Uhr

Baugeld

Welche Banken weniger als ein Prozent verlangen

VonJens Hagen

Seit Januar kracht es an den Finanzmärkten. Aktionäre mussten hohe Verluste hinnehmen. Gewinner sind jetzt Immobilienbesitzer, denn die Darlehen werden günstiger. Wo es jetzt Kredite zu Traumzinsen gibt.

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen. Getty Images

Die Zinsen sind in den vergangenen Jahren stark gefallen.

Was für ein Jahr. Seit dem ersten Handelstag im Januar verlor der Dax knapp 12 Prozent. Brent-Öl wurde knapp 11 Prozent günstiger. Gold verteuerte sich um fast 17 Prozent. Der Blick auf die Kurstafel zeigt: Es geht derzeit ruppig zu an den Finanzmärkten. Die Erinnerungen an Zeiten der Finanzkrise werden wach.

„Investoren flüchten wieder verstärkt in die als sicher geltende Anlageform Bundespapiere, deren Renditen auf dem Wege zur Normalisierung wieder stark nach unten gezogen wurden“, erklärt Klaus Fleischer von der Hochschule München. Zeitweise gab es für alle Bundeswertpapiere bis zu einer Laufzeit von 8 Jahren negative Zinsen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kam dem Rekordtief von 0,049 Prozent vom vergangenen Jahr bedrohlich nahe.

Mit Niedrigzinsen zum Eigenheim

Warum lohnt sich derzeit der Bau oder Kauf eines Hauses besonders?

Langfristige Baukredite mit festen Zinsen für zehn Jahre gibt es derzeit mit einer Verzinsung von deutlich unter zwei Prozent. Allerdings haben die Preise für Immobilien besonders in Großstädten in den vergangenen Jahren deutlich angezogen.

Sind Immobilien eine gute Geldanlage?

Immobilien gelten nicht als Renditeknüller. Allerdings sind sie gerade in Krisenzeiten Verbraucherexperten zufolge eine solide Geldanlage. Der Wert einer Immobilie ist vergleichsweise sicher - vorausgesetzt, Preis, Qualität und Lage stimmen. In jedem Fall sollte ein Immobilienkauf gut überlegt sein.

Wie finde ich den günstigsten Kredit?

Hier hilft nur ein Vergleich der verschiedenen Anbieter, wobei die Auswahl an Krediten laut Stiftung Warentest derzeit besonders groß ist. Bauherren und Käufer können dafür Vergleichsrechner im Internet nutzen. Auch Verbrauchermagazine und Zeitungen liefern häufig aktuelle Zinskonditionen. Die Hausbank kann ein wichtiger Ansprechpartner sein - ist jedoch nicht immer zwingend die erste Wahl. Ein Anbietervergleich kann teils mehrere zehntausend Euro sparen.

Wie funktioniert ein Baudarlehen?

Kredite für Häuser oder Wohnungen laufen meist über zehn, 20 oder 30 Jahre. Hierbei werden die Zinsen in aller Regel nur für einen begrenzten Zeitraum von mehreren Jahren festgelegt. Läuft diese sogenannte Zinsbindungsfrist ab, verhandeln Bank und Kunde die Verlängerung des Darlehens. Der Bauherr kann dann auch umschulden und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Verbraucher sollten mehrere Monate vor Auslaufen der Frist neue Angebote einholen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen gibt es derzeit auch besonders günstige Anschlusskredite.

Sind die Kreditraten immer festgeschrieben?

An sich werden feste monatliche Raten vereinbart. Baukredite geben oft aber auch das Recht auf Sondertilgung, das heißt die Rückzahlung von Geld zusätzlich zu den vereinbarten Raten. Auch kann ausgehandelt werden, dass der Bauherr die Raten anpassen kann, etwa wenn sich das Einkommen verändert.

Wie viel Geld muss ich selbst aufbringen?

Finanzexperten sehen ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Immobilienpreises als eine solide Basis an. Für ihre angebotenen Top-Zinsen wollen die Banken häufig allerdings 40 Prozent Eigenkapital sehen. Teils sind Banken auch bereit, den vollen Kaufpreis zu finanzieren. Dafür verlangen sie aber oft happige Risikoaufschläge beim Zins.

Gibt es Geld vom Staat?

Bei der staatlichen Förderbank KfW gibt es Darlehen etwa für den Kauf selbstgenutzten Wohneigentums, energieeffizientes Bauen und Sanieren oder auch für altersgerechtes Wohnen. Daneben zahlt der Staat die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent beim Bausparen. Auch gibt es in Form des sogenannten Wohn-Riesters staatliche Unterstützung für den Kauf selbstgenutzter Immobilien zur Altersvorsorge.

Was passiert, wenn ich arbeitslos oder arbeitsunfähig werde?

Risiken wie diese können mit Versicherungen ganz oder zumindest teilweise abgedeckt werden. So gibt es Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Lebensversicherungen oder Restschuld-Versicherungen. Verbraucher sollten sich vor Abschluss einer Police und eines Baudarlehens gut über einen Versicherungsschutz beraten lassen. Die Stiftung Warentest rät zu Versicherungen für den Todesfall.

Wenn es an den Märkten kracht, haben Immobilienbesitzer gute Karten. Denn im Zuge des Zinsverfalls der Bundesanleihen sinken auch die Sätze für Pfandbriefe, mit denen die Banken ihre Immobilienkredite refinanzieren. Dieser Zinsschwund kommt auch bei den Kunden an. Hypotheken mit zehnjähriger Zinsbindung vergünstigten sich um knapp 20 Basispunkte.

Wie können Häuslebauer davon profitieren? In extremen Zeiten kann es interessant sein, auf extreme Zinsbindungen zu setzen. „Die niedrige Inflationsrate, die Konjunkturzahlen, die Turbulenzen an den Märkten, der zuletzt erstarkte Euro – eigentlich spricht derzeit kaum etwas für ein nahe Zinserhöhung der Zentralbanken“, erklärt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung.

Wer längerfristig mit niedrigen Zinsen rechnet, kann mit Darlehen mit kurzen Zinsbindungen sparen. Kredite mit niedriger Beleihung gibt es bei Zinsbindungen von fünf Jahren schon ab einem Zins von knapp 0,7 Prozent (siehe Tabellen am Ende des Artikels).

„Vor allem regionale Sparkassen und Genossenschaftsbanken liegen im Vergleich vorne“, sagt Herbst. Selbst bei einer hohen Beleihung von 90 Prozent können Häuslebauer dort Kredite zu einem Zins von weniger als einem Prozent ergattern. Mit dem Baugeld-Vergleich auf Handelsblatt Online lassen sich die günstigsten Konditionen individuell ermitteln.

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