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04.01.2008

17:17 Uhr

Bauhaus-Universität

Vorlesung per Videoübertragung

VonSandra Middendorf

Wie erhebt man Mautgebühr – und ist sie überhaupt sinnvoll? Soll die Bahn privatisiert werden, und wie funktioniert eigentlich das Abwassersystem? Das lernen Studenten der Bauhaus-Universität. In Weimar setzt man auf Praxisorientierung und den Austausch mit internationalen Universitäten.

WEIMAR. An der Fakultät für Bauingenieurwesen der Bauhaus-Universität Weimar lernen die Studenten nicht nur klassisches Immobilienmanagement, sondern werden zu Managern der Bauwirtschaft ausgebildet, entweder im sechssemestrigen Bachelor-Studiengang „Management Bau, Immobilien, Infrastruktur“ oder weiterführend im viersemestrigen Masterstudiengang. Die Branche brauche Menschen, die professionell für die Immobilienwirtschaft ausgebildet seien, sagt Hans Wilhelm Alfen, Leiter des Studiengangs und Professor für Betriebswirtschaftslehre im Bauwesen an der Bauhaus Universität Weimar. „Die immobilienspezifischen Studiengänge in Deutschland vermitteln häufig zu wenig technische und architektonische Grundlagen, umgekehrt fehlt den reinen bauwirtschaftlichen Studiengängen die betriebswirtschaftliche Seite“, sagt Alfen.

Weder im Bachelor- noch im Masterstudiengang geht es Alfen jedoch darum, Experten auszubilden, die „in aller Tiefe alles wissen“. Ziel sei vielmehr, grundsätzliches Wissen in den drei Bereichen Bau, Immobilien und Infrastruktur zu vermitteln, sagt er. „In der Branche braucht man Menschen, die die Terminologien beherrschen, um zum Beispiel zwischen Juristen und Architekten vermitteln zu können“, sagt er. Deswegen setzt nicht nur der Bachelorstudiengang, sondern auch die Ausbildung zum Master auf Interdisziplinarität. Jeweils rund ein Drittel der Inhalte sind grundlegender bauwirtschaftlicher und wirtschaftswissenschaftlicher Natur, knapp zehn Prozent vermitteln juristisches Wissen. Auf welchen der drei Bereiche Bau, Immobilien oder Infrastruktur die Studenten im Masterstudium schließlich ihren Schwerpunkt setzen, entscheiden sie selbst.

Die Architektin Susanne Richter hatte dieser Ansatz gereizt. Mit abgeschlossenem Architekturstudium und zweijähriger Berufserfahrung wollte sie ihr „wirtschaftliches und juristisches Wissen vertiefen und sich im Projektmanagement weiterqualifizieren“. Sie kündigte ihre Festanstellung und schrieb sich für den Master ein. „Sehr positiv war, dass der Studiengang so stark an der Praxis orientiert ist“, sagt sie. Das sei in ihrem Architekturstudium ganz anders gewesen. Durch die Nähe zur Wirtschaft geriet sie schließlich auch an ihren heutigen Arbeitgeber Bilfinger Berger. Dort arbeitet sie europaweit an Public Private Partnership-Projekten. „Meine alten Erfahrungen aus dem Architekturstudium sind bei meiner heutigen Arbeit zwar von Vorteil, haben sich aber erst mit dem Wissen aus dem Master und mit meinen Auslandserfahrungen zu einer perfekten Mischung zusammengefügt“, sagt sie.

Internationalität wird in Weimar gleich auf mehrere Arten groß geschrieben.

Die Universität ist Teil zweier internationaler Netzwerke. In einem kooperiert die Fakultät mit den amerikanischen Universitäten Stanford University und Carnegie Mellon University, der Stellenbosch University aus Südafrika, dem Swiss Federal Institute of Technology aus der Schweiz und der University of Manchester in Großbritannien. Dem zweiten Netzwerk gehören außer den Weimeranern eine Reihe von asiatischen Universitäten an, darunter die chinesische Tsinghua Universität und die Nanyang Technological University in Singapur. Neben regelmäßigem Dozentenaustausch können die Studenten innerhalb beider Netzwerke immer öfter auch per Videokonferenz an den Vorlesungen ihrer ausländischen Kommilitonen teilnehmen.

Natürlich sei die Sprache eine wichtige Qualifikation, die die Studenten auf diese Art lernen, sagt Alfen. Und ebenso sei auch der fachliche Austausch von großer Bedeutung. „Wichtiger jedoch ist die soziale Kompetenz, die die Studenten durch den Austausch lernen“. Das brauchten sie auch im wirklichen Arbeitsleben, sagt er. „Bei großen Projekten wie etwa der Zhuhai-Macau-Brücke in Hongkong ist es bereits die Regel, dass Menschen aus der ganzen Welt zusammenarbeiten müssen.“

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