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24.06.2013

13:33 Uhr

Bausparen

Die besten Wohn-Riester-Tarife

VonJens Hagen

Wer eine Immobilie erwerben will, profitiert von der staatlichen Förderung beim Wohn-Riester. Bausparer können Tausende Euro sparen. Aber nicht alle Tarife taugen etwas. Ein Vergleich zeigt, wo der Abschluss lohnt.

Genau hinschauen: Nicht alle Wohn-Riester-Bausparverträge taugen etwas. Mit Top-Produkten sparen Kunden mehrere tausend Euro. dpa

Genau hinschauen: Nicht alle Wohn-Riester-Bausparverträge taugen etwas. Mit Top-Produkten sparen Kunden mehrere tausend Euro.

DüsseldorfBei den Vertrieben der Bausparkassen knallen die Korken. Trotz des historischen Zinstiefs freuen sich die Kassen über reißenden Absatz. Ein möglicher Grund dafür: Der Staat fördert das Bausparen mit dem Wohn-Riester. „Zwei von drei zusätzlichen Riester-Verträgen fielen 2012 auf die Eigenheimrente“, freut sich der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas Zehnder. Während Riester-Darlehen wegen der niedrigeren Erträge für die Bankvertriebe eher schwächeln, verkaufen sich Bausparverträge wie geschnitten Brot.

Und es kommt noch besser. Das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz macht den Abschluss eines Wohn-Riester-Vertrages noch attraktiver. „Der Eigenheimbau, der die tragende Säule des Wohnungsbaus ist, wird dadurch zusätzliche Impulse bekommen“, sagt Zehnder. Die Vorgaben haben sich gleich in sieben Punkten für die Kunden verbessert.

Sieben Vorteile aus Sicht der Bausparkassen

1.Jederzeitige Kapitalentnahme für selbstgenutztes Wohneigentum

Das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz bringt den Wohn-Riester-Sparern einige Vorteile, zumindest laut Laut Verband der privaten Bausparkassen. Die förderunschädliche Entnahme von gefördertem Altersvorsorgevermögen für die selbstgenutzte Wohnung ist derzeit nur eingeschränkt möglich. So muss die Entnahme entweder im zeitlich unmittelbaren Zusammenhang mit dem Kauf oder dem Bau der selbstgenutzten Wohnung erfolgen oder zur Entschuldung dieser Wohnung unmittelbar zu Beginn der Auszahlungsphase. Das ändert sich jetzt.

Jederzeitige Kapitalentnahme für selbstgenutztes Wohneigentum

Künftig kann für die Anschaffung oder Herstellung einer Wohnung oder zur Tilgung eines zu diesem Zweck aufgenommenen Darlehens vor Beginn der Auszahlungsphase jederzeit Kapital entnommen werden. Dies ist grundsätzlich in jedem beliebigen Umfang möglich – vorausgesetzt, das verbleibende geförderte Restkapital und das entnommene Kapital betragen mindestens 3.000 Euro.

2.Einbeziehung des altersgerechten Umbaus

Für bestimmte Umbaumaßnahmen kann demnächst auch außerhalb des anschaffungsnahen Aufwands die „Wohn-Riester“-Förderung in Anspruch genommen werden. Voraussetzung ist hier, dass die Aufwendungen mindestens 20.000 Euro betragen. Bei einem anschaffungsnahen Aufwand liegt der Mindestbetrag nur bei 6.000 Euro. Der Zeitraum wurde dabei auf drei Jahre nach Kauf oder Bau des Hauses verlängert.

Einbeziehung des altersgerechten Umbaus

In beiden Fällen muss ein Sachverständiger bestätigen, dass die Umbaumaßnahmen den maßgeblichen DIN-Normen für einen barrierearmen Umbau entsprechen. Um eine Doppelförderung zu vermeiden, können die Aufwendungen nicht zusätzlich von der Steuer abgesetzt oder mit KfW-Leistungen kombiniert werden.

5.Verlängerung des Reinvestitionszeitraums

Die förderunschädliche Reinvestitionsfrist bei einer zwischenzeitlichen Aufgabe der Selbstnutzung der Wohnimmobilie wird verlängert. Künftig gilt eine Frist von fünf Jahren nach zwei Jahre vor und fünf Jahre nach Ablauf des Veranlagungszeitraums, in dem die Wohnung letztmals genutzt wird. Das trägt den Anforderungen an die vom Arbeitsmarkt geforderte berufliche Mobilität besser Rechnung.

 

4.Jederzeitige „Einmal“-Besteuerung des Wohnförderkontos während der Auszahlungsphase

Der Steuerpflichtige kann sich zu Beginn der Auszahlungsphase nach geltendem Recht nur einmalig entscheiden, ob er die ratierliche Besteuerung des Wohnförderkontos bis zum 85. Lebensjahr oder die Einmalbesteuerung wählt. Künftig kann er auch nach dem Beginn der Auszahlungsphase die Steuerschuld „auf einen Schlag“ begleichen.

5.Einführung eines Produktinformationsblatts

Der Kunde soll zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge besser miteinander vergleichen können. Dazu wird ein standardisiertes anbieterübergreifendes Produktinformationsblatt eingeführt. Einzelheiten werden in einer separaten Verordnung geregelt, die demnächst beschlossen werden soll. Da der Vorteil eines Eigenheimrenten-Vertrages nicht nur in der Rendite, sondern auch in der im Alter eingesparten Miete und dem zinsgünstigen Darlehen liegt, muss dabei zumindest auch der Anspruch auf ein Bauspardarlehen berücksichtigt werden.

6.Begrenzung der Abschluss- und Vertriebskosten bei einem Vertragswechsel

Im Fall eines Anbieterwechsels darf der bisherige Anbieter dem Kunden künftig maximal 150 Euro in Rechnung stellen. Der neue Anbieter darf bei der Berechnung der Abschluss- und Vertriebskosten maximal 50 Prozent des geförderten übertragenen Kapitals berücksichtigen.

7.Dauerhafte Führung des Wohnförderkontos durch die ZfA

Das Wohnförderkonto wird mit dem neuen Gesetz dauerhaft allein bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen geführt. Das reduziert den bürokratischen Aufwand für alle Seiten erheblich. Quelle: Verband der privaten Bausparkassen.

Bausparer können jederzeit Kapital für ihre Immobilie entnehmen und müssen sich nicht wie bislang auf die Zeitspanne beim Bau, Immobilienkauf oder Eintritt in die Rentenphase kaprizieren. Senioren können ihren Wohn-Riester für altersgerechte Modernisierung nutzen, und die Abschlusskosten bei einem Vertragswechsel werden gedeckelt. Wenn der Sparer seine Immobilie vermietet, hat er nach der neuen Regelung fünf Jahre Zeit, eine neue Immobilie zu kaufen, ohne dass er Fördergelder zurückzahlen muss.

Allen Vorteilen zum Trotz bleibt ein gravierender Nachteil. Kaum ein Interessent dürfte in der Lage sein, den besten Wohn-Riester-Bausparvertrag für sich zu ermitteln. „Der Vergleich ist hoch komplex“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. „Kunden müssen nicht nur die Qualität der Bausparverträge vergleichen, sondern Steuerzahlungen und Zulagen einkalkulieren und die Verträge mit nicht geförderten Baufinanzierungen vergleichen.“ In der Praxis sind Standard-Kunden deshalb den Empfehlungen der Vermittler ausgeliefert.

Ein aufwendiger Vergleich der FMH-Finanzberatung für das Handelsblatt zeigt jetzt, welche Tarife etwas taugen. „Nur die besten Wohn-Riester-Verträge bieten den Kunden wirklichen Mehrwert“, sagt Herbst. Bei schwächeren Tarifen können Kunden im Vergleich zu einer klassischen Finanzierung draufzahlen. Bei den Top-Anbietern lohnt aber der Abschluss. Im Vergleich für zwei Musterfamilien liegt der maximale Vorteil bei 4.600 Euro und 7.700 Euro.

Kommentare (4)

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creativa

24.06.2013, 14:09 Uhr

2 Punkte erscheinen mir noch wichtig:

1.
Alle mir bekannten Bausparkassen unterstellen in ihren Berechnungen, dass die Liquiditätslage zum Zeitpunkt der voraussichtlichen Zuteilung so komfortabel sein wird wie aktuell. Momentan lassen fast alle Bausparer ihr zugeteiltes Bauspardarlehen verfallen, weil die Kondition schlechter ausfällt als am Markt verfügbar.

Wenn aber die Zinsen wirklich mal wieder steigen sollten, werden Kunden ihre dann ja besonders attrativen Bauspardarlehen auch abrufen. Dies wird dann wieder zu Zuteilungszeiten führen, die man so heute gar nicht mehr kennt.

Kommt nun ein angesparter Bausparvertrag in solche eine längere Zuteilungszeit, muss der Bausparer auf sein Bauspardarlehen vielleicht noch 12 Monate warten und in dieser Zeit sein eigenes Guthaben zwischen finanzieren. Ergänzt man Berechnungen, wie sie die FMH angestellt hat, um solche Szenarien, fällt der errechnete Barwertvorteil oftmals komplett weg.

2.
Dadurch, dass in der Ansparphase in dem Bausparmodell nicht getilgt wird, sondern in den Bausparvertrag angespart wird, ergibt sich zu Beginn eine langsamere Entschuldung. Zum Zeitpunkt der Zuteilung ist man bzgl. seiner Entschuldung bei einem klassischen Tilgungsdarlehen oft einige Tausend Euro weiter. Dies hat, neben der ohnehin schon zurück zu erstattenden Riester-Förderung, dann Nachteile, wenn beispielsweise die Immobilie verkauft wird.

Die Barwertvorteile, die fmh errechnet, stimmen mit dem überein, was wir auch regelmäßig in der Zahlungsstrom-Betrachtung errechnen.

Und jetzt mal Hand auf's Herz:

Ein Barwertvorteil von beispielsweise 4.000 € für eine Baufinanzierung, die 30 Jahre läuft, bedeutet eine durchschnittliche Förderung von 11 € (!!!) monatlich.

Und für diese 11 Euro wird eine solche Bürokratie in Form von Förderung, Wohnförderkonto, nachgelagerte Besteuerung, Rückzahlungsverplichtungen, Gewährung von Steuervorteilen u.v.a.m. gefahren, vom Beratungsaufwand ganz zu schweigen...

Karsten Schiefelbein
Creativa

Antibausparer

24.06.2013, 14:46 Uhr

"im Vergleich zu einem Banksparplan mit einer Verzinsung in der Ansparzeit von 2,5 Prozent pro Jahr und einem entsprechendem klassischen Baudarlehen zu einem angenommenen Zins von 5,25 Prozent und 4,25 Prozent jährlicher Tilgung bringt die Wohn-Riester-Variante den BHW-Kunden einen Barwertvorteil von 4.629 Euro."

4.629 EUR Vorteil bei 4,25% Zins.

Bei 4,00% ist der Vorteil wahrscheinlich ganz weg.

Mein Urteil: Nicht empfehlenswert!

Aufklaerer50

24.06.2013, 15:24 Uhr

.....und der Großteil der Riestersparer kauft kein Wohneigentum...übgrig bleibt ein schlecht verzinster Sparvetrag, der mit Beginn der Rente in eine Versicherung übertragen wird...zusätzliche Abschlußgebühren fressen dann die Zinsen auf!
Die, die tatsächlich kaufen/bauen haben in der Regel keine zusätzl. Altersvorsorge und dürfen dann von der geringen gesetztl. Rente auch noch Steuern für´s Haus zahlen. Die vorprogrammierte Altersarmut läßt grüßen.

Wenn der Kassensturz dann gemacht wurde, wird das Haus/ Wohnung dann versucht, zu verkaufen, in 20-40 Jahren, bei sinkender Bevölkerungszahl sicherlich ein leichtes..
DANKE WOHNRIESTER !!!

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