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04.12.2014

12:08 Uhr

Bausparverträge

Bausparvermittler dürfen Provisionen abgeben

VonJens Hagen

Die Finanzaufsicht Bafin revolutioniert den Vertrieb von Bausparverträgen. Vermittler können einen Teil der Abschlussgebühren weitergeben. Wie es zu dieser Entscheidung kam und was die Kunden davon haben.

Geldregen für die Bausparer? Die Finanzaufsicht macht den Weg zur Provisionsabgabe frei. Imago

Geldregen für die Bausparer? Die Finanzaufsicht macht den Weg zur Provisionsabgabe frei.

Bausparer haben es derzeit schwer. Wer vor einigen Jahren einen Vertrag abgeschlossen hat, kann ihn für den Kredit oftmals nicht verwenden. Denn die Zinsen für klassische Annuitätendarlehen sind auf ein historisches Zinstief gefallen. Ohne Bausparvertrag wäre die Finanzierung in der Gesamtrechnung daher oftmals günstiger. In den Verträgen aus den Jahren 2004 bis 2008, die aktuell zur Darlehensauszahlung eingesetzt werden, ist noch ein Kreditzins von durchschnittlich rund 3,8 Prozent vereinbart.

Wer von den Guthabenzinsen alter Tarife profitieren möchte, hat es auch nicht leicht. Manche Bausparkasse möchte die Kunden aus diesen Tarifen lieber wieder loswerden. Zuletzt kündigte die LBS Bayern 26.000 Verträge aus alten Zeiten. Die Zinsen sollen in einigen Fällen bei 3,5 Prozent gelegen haben.

Angesichts solcher durch die internationale Finanzkrise und die Politik der Notenbanken verursachten Zinsnöte fragen sich viele Bausparkunden, ob es nicht möglich wäre, die Kosten der Tarife zu senken. Besonders einfach wäre das im Vertrieb. 0,6 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme gehen direkt an den Vermittler. Jede Kürzung dieser Provision würde Bausparen für die Kunden deutlich günstiger gestalten.

Die Finanzaufsicht Bafin macht jetzt den Weg für eine Beteiligung der Kunden an den Provisionen frei. „Die Erstattung der Abschlussgebühr für Bausparverträge durch Vermittler werde ich nicht mehr grundsätzlich als Abweichung von den Bedingungen der Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge ansehen“, teilt der Mitarbeiter der Bafin mit.

Immobilienrenditen privater Anleger

Negative Rendite

6,9 Prozent
Erklärung: 6,9 Prozent aller privaten Anleger haben im Jahr 2012 mit Immobilieninvestitionen eine negative Bruttorendite erzielt. Alle hierauf folgenden Werte beziehen sich auf das Jahr 2012. Quelle: DIW, SOEP-Panel.

Keine Rendite

35,8 Prozent

Bis 2,0 Prozent Rendite

14,7 Prozent

2,1 bis 4,0 Prozent Rendite

20 Prozent

4,1 bis 6,0 Prozent Rendite

10,7 Prozent

6,1 bis 8,0 Prozent Rendite

6,2 Prozent

Über 8,0 Prozent Rendite

5,5 Prozent

Damit hebt die Bafin eine Verordnung aus dem Jahr 2005 auf. Damals wies die Behörde die Bausparkassen an, eine Weitergabe der Abschlussgebühr an ihre Kunden zu unterbinden und Missverhalten zu verfolgen. Die Bafin-Entscheidung kann eine Revolution im Vertrieb für Bausparverträge bedeuten. Wenn die Behörde und die Bausparkassen mitziehen.

Immobilien

Die Bafin-Entscheidung zu Bausparverträgen

Denn die Bafin verweist darauf, dass eine Weitergabe im Einzelfall durchaus ein Verstoß gegen die Bedingungen von Bausparverträgen sein kann. Die Behörde kann also individuell weiter prüfen. Außerdem müssen die Bausparkassen mitziehen. Sie müssen auch bei einer Weitergabe der Abschluss dafür sorgen, dass die Bauspartarife auch dann stabil bleiben, wenn die Vermittler etwas von der Abschlussgebühr abgeben.

„Bausparer können ab sofort auch um die Bausparprovision verhandeln“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Vermittler, die diese Gebühr kassieren, gelangen nun unter massiven Rechtfertigungsdruck.“

Bausparvermittler müssten jetzt überzeugend darlegen, dass ihre Leistung diesen Preis wert sei, weil sonst die Kunden sich den Vertrag günstiger über Vermittler im Internet beschaffen können. Die Investmentfonds hätten eine solche Entwicklung bereits hinter sich. „Aktuell können Verbraucher nahezu jeden Fonds auch ohne Ausgabeaufschlag erwerben und sogar um Bestandsprovisionen kann faktisch heute schon verhandelt werden“, sagt Nauhauser.

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