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15.04.2015

14:32 Uhr

Bausparverträge

Der Bausparer als Terrorist

VonJens Hagen

Für die eigene Immobilie zu sparen gilt häufig als bieder. Meist haben daher die Bausparkassen mit organisierter Kriminalität oder Terrorismus wenig Erfahrung. Trotzdem müssen sie ihre Bestände vor Geldwäsche schützen.

Auch Bausparkassen müssen Geldwäsche-Vorschriften einhalten.

Vermummter Bausparer

Auch Bausparkassen müssen Geldwäsche-Vorschriften einhalten.

Die Internetseite der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist nicht dafür bekannt, dass sie den Lesern gehobenen Nervenkitzel bietet. Normalerweise stehen da Meldungen wie „Versicherungsaufsichtsgesetz: Novelle im Bundesgesetzblatt verkündet“ oder „Feierstunde zum Wechsel an der Spitze der Bafin“. Professionelle Leser scannen die Internetseite trotzdem regelmäßig, um sich im Behördendeutsch über neue Vorgaben für die Finanzindustrie zu informieren.

Aber ganz selten - vielleicht alle paar Jahre oder gar Jahrzehnte einmal - stehen auf dieser Seite unerwartete Dinge. Mitteilungen, die selbst langjährige Finanzprofis nachdenklich stimmen. Oder im Einzelfall sogar erschaudern lassen.

Dazu könnte etwa der Text zum „Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungs-Risiko bei Bausparkassen“ zählen. In sieben Punkten erörtert die Bafin, wie die Bausparkassen ihren „geldwäscherechtlichen Pflichten“ nachkommen sollen.

„Oh Schreck!“, denken jetzt wahrscheinlich viele brave Bausparer. Klingeln jetzt Mafia-Paten bei Beratern, um mit Rendite-Verträgen möglichst viel Rendite aus ihrem kriminellen Vermögen rauszuholen? Einige Kassen bieten aktuell immerhin einen Zins von 1,25 Prozent in der Ansparphase. Das kann sich sehen lassen in Zeiten, in denen immer mehr Schweizer Banken negative Zinsen für ihre diskreten Konten ausweisen.

Oder finanzieren jetzt Bausparjäger von IS, al-Qaida oder der Taliban ihre Terrorcamps mit solchen langlaufenden Verträgen? Auch das könnte finanziell interessant sein, denn nach der Zuteilungsreife locken einige Anbieter mit Kreditzinsen von einem Prozent.

Diese Bausparkassen sollten Sie lieber meiden

Die schlechtesten Bausparkassen

Wenn Ihre Kundendaten kaum erfasst werden, ihr Bausparwunsch unberücksichtigt bleibt, die Finanzierungskosten unnötig hoch sind, Informationen in der Angebotsbroschüre fehlen und beim Beratergespräch auf Diskretion kein Wert gelegt wird, dann sind Sie mit Sicherheit bei einer Bausparkasse, die durch die Test von „Finanztest“ durchgefallen ist. Auf den folgenden Klappen finden Sie die schlechtesten Bausparkassen im Vergleich.

Platz 7

Deutsche Ring
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (4,5)
Qualität des Angebots: Ausreichend (3,6)
Kundeninformation: Ausreichend (3,6)
Begleitumstände: Sehr gut (0,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,6)

Platz 6

Bausparkasse Mainz
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,3)
Qualität des Angebots: Befriedigend (3,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Befriedigend (2,9)
Gesamtnote: Ausreichend (3,9)

Platz 5

BHW
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Ausreichend (4,0)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,1)
Begleitumstände: Sehr gut (1,5)
Gesamtnote: Ausreichend (4,2)

Platz 4

LBS West
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,6)
Kundeninformation: Mangelhaft (5,0)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,6)

Platz 3

Aachener
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (3,5)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (4,9)
Kundeninformation: Befriedigend (3,4)
Begleitumstände: Befriedigend (2,6)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 2

Deutsche Bank Bauspar
Erfassung Kundenstatus: Befriedigend (2,7)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,5)
Kundeninformation: Sehr gut (1,5)
Begleitumstände: Gut (1,8)
Gesamtnote: Mangelhaft (4,9)

Platz 1

LBS Rheinland-Pfalz
Erfassung Kundenstatus: Ausreichend (3,6)
Qualität des Angebots: Mangelhaft (5,4)
Kundeninformation: Mangelhaft (4,9)
Begleitumstände: Sehr gut (1,4)
Gesamtnote: Mangelhaft (5,4)

Quelle: Finanztest.

Welche Terroristen jetzt bausparen, diese Frage kann die Bafin nicht beantworten. „Bei den maßgeblichen Vorschriften handelt es sich um Maßnahmen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“, sagt eine Sprecherin der Behörde. „Diese gelten unabhängig von dem tatsächlichen Aufkommen gewaschener beziehungsweise für terroristische Aktivitäten oder Gruppen bestimmter Gelder im Bausparkassen-Bereich.“

Auch die Bausparkassen selber wissen nichts von dunklen Geschäften mit ihren Verträgen. „Um es auf den Punkt zu bringen: Uns liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob schon einmal Schwarzgeld über Bausparverträge gewaschen wurde oder sich Terrorgruppen über Bausparverträge finanziert haben“, erklärt ein Sprecher des Verbandes der Privaten Bausparkassen. „Das Risiko ist angesichts der typischen Eigenschaften des Bausparvertrags sicher minimal.“

Kommentare (2)

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Herr C. Falk

14.04.2015, 18:46 Uhr

Terrorismus und Bausparen, zwei Lebenswelten, von denen man meinen sollte, sie gehören nicht so recht zusammen, der Anschein täusch. Der dekonstruktive Terrorismus bedarf offensichtlich als Äquivalent und konstruktiven Hintergrund auf der Zeitschiene durchaus aufbauender Elemente und sei es nur zur Kapitaloptimierung, der zum eigentlichen Zweck des Einreissens von anscheinend "überholten" Strukturen erforderlichen pekuinären Medien in Gestalt von soliden
Anlagen, die iherseits im Komplex des mentalen anlageoptimierten, risikoaversiven der "schwäbischen Hausfrau" und ihres "Hausmanns" angepassten Sparimpulsen, sich hyperaktiv dastellt unf gleichzeitig" tarnt" und so multipolar dem Zeck dient, den die Evolution als scheinares Endresultat jeder Entwicklung sprich "Auswicklung" vorgesehen hat...... dem grossen Gelächter.

lol

G. Nampf

15.04.2015, 09:57 Uhr

Das einzige, was an Bausparkassen wirklich kriminell ist, ist das massenweise Kündigen von Bausparverträgen, weil die vertraglich vereinbarten Zinsen den Bausparkassen momentan zu hoch sind.


Ansonsten ist der Artikel - falls er nicht als Satire gemeint ist - vollkommen lächerlich, denn daß das Geldwäschegesetz durch die Bausparkassen beachtet wird, ist nichts anderes als selbstverständlich.

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