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06.01.2016

18:19 Uhr

Berlin und Immobilien

Investor Brookfield zahlt Grunderwerbsteuer für Potsdamer Platz

Von Henrik Mortsiefer, Heike Jahberg
Quelle:Tagesspiegel

Der kanadische Immobilieninvestor Brookfield gewährt einen überraschenden Einblick in seinen Milliarden-Deal am Potsdamer Platz: Das Land Berlin kann sich über üppige Steuereinnahmen freuen.

Beim Verkauf des Potsdamer Platzes wird das Land Berlin wohl leer ausgehen. dpa - picture-alliance

Potsdamer Platz

Beim Verkauf des Potsdamer Platzes wird das Land Berlin wohl leer ausgehen.

Internationale Investoren lassen sich ungern in die Bücher schauen, Details über Milliardengeschäfte rücken sie selten heraus. So hielt es auch der kanadische Immobilieninvestor Brookfield, der für schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro Teile des Potsdamer Platzes gekauft hat. Wie hoch der Kaufpreis exakt war und ob der Käufer Grunderwerbsteuer zahlt, sagt Brookfield zunächst nicht.

Nach ersten Tagesspiegel-Informationen sollte das Land keinen Cent kassieren, weil Brookfield zusammen mit dem südkoreanischen Staatsfonds einen in der Branche üblichen „Share Deal“ abgeschlossen habe. Dabei würden nicht die Grundstücke selbst (Assets), sondern nur Anteile (Shares) einer Gesellschaft gekauft, in die die Grundstücke und Immobilien eingebracht würden. Grunderwerbsteuer – in Berlin sechs Prozent auf den Kaufpreis – müsste nicht gezahlt werden. Sechs Prozent auf 1,4 Milliarden Euro sind 84 Millionen Euro.

Am Mittwoch gewährte Brookfield dann überraschend doch einen kleinen Einblick in das Geschäft in der Mitte Berlins: „Die Übernahme des Potsdamer-Platz-Portfolios war ein Asset Deal und selbstverständlich zahlt Brookfield die damit verbundenen Grunderwerbsteuern“, teilte der kandische Investor dem Tagesspiegel mit. Demnach kann sich der Berliner Fiskus wohl doch über rund 84 Millionen Euro Steuereinnahmen freuen. Die Senatsverwaltung für Finanzen wollte die konkrete Summe mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht bestätigen. „Generell wäre es aus Sicht des Landes natürlich erfreulich, wenn es sich um einen Asset Deal handeln würde“, sagte eine Sprecherin zu dem Thema.

Die Bundesländer mit den niedrigsten Grunderwerbssteuersätzen (2015)

Die Grundererwerbsteuer

Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, muss mit Nebenkosten rechnen. Dazu gehört auch die Grunderwerbssteuer. Wie hoch die Grunderwerbssteuer ist, bestimmen die Bundesländer. Ein Überblick:

Platz 16: Schleswig Holstein

Steuersatz 2015: 6,5 Prozent

2014: 6,5 Prozent

Platz 15: Saarland

Steuersatz 2015: 6,5 Prozent

2014: 5,5 Prozent

Platz 14: NRW

Steuersatz 2015: 6,5 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 13: Hessen

Steuersatz 2015: 6,0 Prozent

2014: 6,0 Prozent

Platz 12: Berlin

Steuersatz 2015: 6,0 Prozent

2014: 6,0 Prozent

Platz 11: Thüringen

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 10: Sachsen-Anhalt

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 9: Rheinland-Pfalz

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 8: Niedersachsen

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 7: Mecklenburg-Vorpommern

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 6: Bremen

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 5: Brandenburg

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 4: Baden-Württemberg

Steuersatz 2015: 5,0 Prozent

2014: 5,0 Prozent

Platz 3: Hamburg

Steuersatz 2015: 4,5 Prozent

2014: 4,5 Prozent

Platz 2: Bayern

Steuersatz 2015: 3,5 Prozent

2014: 3,5 Prozent

Platz 1: Sachsen

Steuersatz 2015: 3,5 Prozent

2014: 3,5 Prozent

Die Kritik an Share Deals in der Immobilienwirtschaft, bei denen den Bundesländern Steuern in Millionenhöhe entgehen, wurde am Mittwoch erneuert. „Privilegien für milliardenschwere Hedgefonds bei der Grunderwerbsteuer sind überflüssig“, sagte Lisa Paus, steuerpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Es sei zu überlegen das Gesetz so zu ändern, dass auch bei Share-Deals ein „fairer und gerechter Anteil an Grunderwerbsteuer gezahlt wird“.

Anm. d. Red.: An dieser Stelle hieß es zunächst, das Potsdamer-Platz-Portfolio sei in einem branchenüblichen „Share Deal“ verkauft worden. Der Immobilieninvestor Brookfield stellte erst am Mittwoch klar, dass es sich - anders als branchenüblich - nicht um eine solche Transaktion handele, die von der Grunderwerbsteuer befreit wäre. Wir haben den Text entsprechend aktualisiert.

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