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07.01.2006

08:00 Uhr

Besonders gefragt sind Einkaufszentren

Ausländer finden Helsinki attraktiv

VonHelmut Steuer

Matti Rytkölä vom Katasteramt der finnischen Hauptstadt Helsinki ist zufrieden. „Fast wöchentlich diskutieren wir mit ausländischen Investoren“, sagt der Mittfünfziger und betont: „Für gute Projekte gibt es kaum Hindernisse.“ Der Immobilienmarkt in und rund um die finnische Metropole ist „heiß“. Das bestätigt Anders Blomquist von der Beratungsfirma Newsec in Stockholm, die die Märkte in Schweden, aber auch bei den nordischen Nachbarn im Blick hat.

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Büromarkt in Helsinki.

HB HELSINKI. Der Großraum Helsinki ist eine der am schnellsten wachsenden Regionen in Europa. Blomquist schätzt die jährliche regionale Wachstumsrate auf deutlich über drei Prozent bis 2007. Waren es in der Vergangenheit die großen einheimischen Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften, die für den überwiegenden Teil aller Immobilieninvestitionen im Großraum Helsinki standen, drängen seit drei Jahren zunehmend ausländische Kapitalgeber in den Markt. Timo Nurminen von der finnischen Dependance der schwedischen Catella Property Group rechnet den finnischen Anteil an sämtlichen Immobilieninvestitionen in der Europäischen Union auf stolze fünf Prozent hoch. „Wir schätzen, dass im vergangenen Jahr in Finnland insgesamt 2,7 bis drei Milliarden Euro investiert wurden“, sagt Nurminen. Die Hälfte dieser Summe sei aus dem Ausland gekommen.

Der Grund für das Interesse der Ausländer: In der Hauptstadt – auf die sich die Investoren noch konzentrieren – liegen die Renditen aus Bürogebäuden zurzeit rund einen halben Prozentpunkt höher als in den übrigen nordeuropäischen Metropolen. Die guten wirtschaftlichen Eckdaten sowie die Nähe zu den Wachstumsregionen im Baltikum und Russland stimulieren die Immobiliennachfrage. Die Leerstandsquoten auf dem Büromarkt sinken wieder und sind bei Ladenflächen ohnehin anhaltend gering (s. Grafik). Die positiven Erwartungen locken immer mehr Investoren an, was aber bereits die Gebäudepreise nach oben treibt.

Besonders gefragt sind gegenwärtig Einkaufszentren. Die deutsche IVG Immobilien AG erwarb beispielsweise 2003 den finnischen Konkurrenten Polar und kam so in den Besitz des 85 000 Quadratmeter großen Shopping-Centers Jumbo in unmittelbarer Nähe des Flughafens Helsinki-Vantaa. Das Zentrum zählt zu den größten in Finnland und ist komplett vermietet. Im November 2005, direkt nach Beendigung eines zweiten Bauabschnitts, veräußerte IVG ihren Anteil an dem Einkaufszentrum für 135 Mill. Euro an die niederländische Rodamco. Mit „deutlichem Gewinn“, wie IVG-Chef Eckard John von Freyend betonte. Der neue Eigner rechnet mit weiterhin guten Entwicklungsmöglichkeiten. Kein Wunder, denn die Einkaufszentrumsfläche je Einwohner ist in Finnland eine der niedrigsten in ganz Europa. Die Gefahr eines Überangebots ist deshalb nach Meinung der Experten von Newsec sehr gering.

Über ihre Tochtergesellschaft Polar bleibt die IVG im Besitz von rund 230 000 Quadratmeter Bürofläche zu einem Marktwert von etwa 280 Mill. Euro in Helsinki. Die Leerstandsrate liegt mit acht bis neun Prozent auf – für finnische Verhältnisse – niedrigem Marktniveau.

Noch blicken die ausländischen Investoren vor allem auf Gewerbeimmobilien. Das könnte sich demnächst ändern. Denn Kirsi Rautama vom Stadtplanungsamt Helsinki arbeitet bereits an zwei Großprojekten in der Innenstadt: Der bisherige Westhafen Jätkäsaari soll bis 2023 in ein Wohn- und Büroviertel mit 6 000 Arbeitsplätzen und Wohnraum für 14 500 Menschen umgewandelt werden. Ein gigantisches Projekt, das allerdings noch von der Umwandlung des Osthafens in einen neuen Stadtteil mit etwa 300 000 Quadratmeter Büro-, und 600 000 Quadratmeter Wohnfläche übertrumpft wird. Stadtplaner Rautama kann noch kein genaues Datum für den Baubeginn nennen. „Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir mit dem Bau beginnen werden.“ Interessenten gäbe es viele, sagt der Stadtplaner, und ein Architektenwettbewerb habe mehrere attraktive Konzepte hervorgebracht.

Wohnraum ist in Helsinki Mangelware. Die Leerstandsrate liegt bei für Finnland niedrigen sechs Prozent. „Eigentlich müssten wir 3 500 neue Wohnungen jährlich bauen, doch wir schaffen das nicht“, erklärt Matti Rytkölä vom Katasteramt. Viele Menschen aus dem Norden zieht es wegen der dort fehlenden Arbeitsplätze in die Metropolen im Süden. Ausländischen Investoren ist das nicht verborgen geblieben. Dass Gebäude immer öfter ausländische Eigner haben, lässt die meisten Finnen kalt. Sie sehen es pragmatisch: „Die Gebäude bleiben schließlich hier stehen“, sagt Fachmann Nurminen.

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