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27.04.2012

09:55 Uhr

„Beste Lage und Ausstattung“

Wie Mieter und Käufer über den Tisch gezogen werden

Quelle:WirtschaftsWoche Online

Der überhitzte Immobilienmarkt führt zu Exzessen. Viele Hausbesitzer nutzen die enorme Nachfrage nach Wohnraum aus. Mit welchen Tricks Verkäufer, Makler und Vermieter arbeiten – und wie Käufer und Mieter gegenhalten.

Bauschaden: Selbst zweifelhafte Objekte finden im Immobilienboom ihren Käufer. dpa

Bauschaden: Selbst zweifelhafte Objekte finden im Immobilienboom ihren Käufer.

Als Bernhard S. die Tür seiner Wohnung zur Besichtigung öffnet, hat der Frankfurter sein schönstes Pokerface aufgesetzt. Eigentlich ist sein Angebot unschlagbar: Penthouse in bester Lage, Dachterrasse, Blick über die Skyline. Selbst die Maklercourtage will er dem Nachmieter ersparen – Mieter Bernhard S. ist bereit, den Kontakt zum Vermieter herzustellen.

Nur eine kleine Bedingung hat er: Bernhard S. schiebt einen Vertrag über die Arbeitsplatte. 15.000 Euro, 18 Monatsmieten, soll der Nachmieter für die Küche mit den acht Jahre alten Geräten hinblättern. Und in einem Abwasch unterschreiben, dass er die Wohnung renoviert. Falls nicht, könne S. die Daten des Interessenten leider nicht an den Eigentümer weitergeben.

Interessenten zuhauf

Auf Figuren wie Bernhard S. trifft immer häufiger, wer in begehrten Metropolen eine Wohnung mieten oder kaufen will. Ihre dreiste Art können sie sich leisten: Interessenten gibt es genug. 17.500 Wohnungen fehlen in Frankfurt, schätzt der Deutsche Mieterbund, in den zehn Großstädten mit dem stärksten Wohnungsmangel seien es über 100-000. Bundesweit drohe binnen fünf Jahren eine Lücke von 400.000 Wohnungen.

Was in begehrten Lagen los ist, spiegeln die Zahlen nicht wider. Dort kommt auf eine Wohnung eine zweistellige Zahl von Interessenten. Weil immer mehr Singles allein wohnen, nimmt die Zahl der Haushalte zu. Damit verbunden sei, so Jochen Möbert, Analyst bei Deutsche Bank Research, ein „Trend zu mehr Wohnfläche pro Person“.

Das gleiche Bild bietet sich allen, die kaufen wollen. Durch die Geldschwemme der Notenbanken verursachte Inflationsangst treibt Anleger in Betongold. Fünf Mal mehr Deutsche als 2007, vor der Krise, suchen über Immobilienscout heute nach Eigentum. „Die Immobilienpreise steigen zwar, aber kaum einer verkauft“, sagt ein Frankfurter Großinvestor, der Altbauten kauft, saniert und wieder losschlägt.

In Städten wie München oder Hamburg stiegen die Wohnungspreise in den vergangenen Monaten weitaus stärker als die Mieten. In Berlin, so die Wirtschaftsforscher vom DIW, stiegen von Juni 2011 bis März 2012 die Angebotspreise bei Neuvermietung um acht und bei Eigentumswohnungen um zwölf Prozent.

Kommentare (9)

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kleinfeldt

27.04.2012, 10:34 Uhr

Vielleicht hätte man noch erwähnen sollen, dass Wentzel Dr., Wentzel Dieter heißt. Das Dr. ist nach dem Namen und heißt nicht Doktor. Das ist irreführend! Hier macht sich jemand größer als er ist.

Querdenker

27.04.2012, 11:44 Uhr

Für München sprechend kann ich die Ursachenanalyse sofort unterstreichen: Die Sozis, allen voran der Bayerische Ministerpräsidentenkandidat Ude, geben sich mit Vorsatz sozial, richten den Markt zugrunde, um dann mit voller Zustimmung der Wähler, weitere Markteingriffe fordern zu können!
Untersuchungen über die Minderbelegung von Wohnungen, z.B. 100qm durch eine Witwe gelten als, durch Mietrecht schützenswertes Recht! Wo bleibt da die Generationengerechtigkeit? Das Mietrecht unterbindet eben auch die bedarfsgerechte Belegung der Wohnungen, weil es haushaltsökonomisch unsinnig ist, z.B. eine große Wohnung (mit billiger qm-Miete) aufzugeben und in eine, absolut gerechnet, ebenso teurere, aber kleine Wohnung umzuziehen.
Solche Friktionen fördert eben das soziale Mietrecht auch!
Wie lange wird es sich der Sozialstaat noch leisten können, die Freizügigkeit in Ballungsräumen weiterhin so großzügig zu alimentieren und sogar noch dafür zu werben, sich eine Eigentumswohnung zu kaufen, weil die Finanzierungszinskosten im Bedarfsfall auch "HarzIV-fähig" sind! Also alle Bedenkenträger aufgepasst: Investieren Sie weiter in die Blase hinein!

reneconard

27.04.2012, 12:11 Uhr

Diese Artikel liest man zur Zeit des öfteren - und scheinen von der "Immobilien-Industrie" lanciert. Knappheit an Immobilien und steigende Preise gibt es wirklich nur in München und eingeschränkt in Hamburg. In Rhein-Main z.Bsp haben Sie Überangebot und fallende Preise. Fakt ist: Einer der grössten Banken Deutschlands wird komplett aufgelöst:WSTLB= 3000 Mitarbeiter alleine in frankfurt zum 30.06 off, Oppenheim: -1000, Dresdner Bank: -2500, Deutsche BAnk: 500, Lehman: weg, Oppenheim weg etzc.
In frankfurt suchen alleine 8000 Banker verzweifelt einen
job und die immobilien gehen raus wie geschnitten Brot. Allein in Hofheim am Taunus und BAd Soden stehen 120 EFH im Verkauf- Preise stark unter Druck. Paradebeispiel Residencia-immobilien: Stellen am rosenberg seit 5 Jahren ein Haus in den verkauf - alle Leute lachen sich kaputt
Die meisten Häuser gehen ohne Makler, weil die Leute auf deren mondpreise nicht mehr reinfallen - das ist das Problem der MAkler, nicht die Konkurrenz-Dichte! Insofern....

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