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18.07.2013

10:35 Uhr

Bestimmungen werden verschärft

Neue Zeiten für offene Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds sollen sicherer werden. Der Zugriff der Anleger auf ihr Geld ist ab 22. Juli noch enger begrenzt. Welche Folgen hat das für die Branche, die Milliarden verwaltet?

Es sind gute Zeiten für Offene Immobilienfonds, denn der Immobilienmarkt boomt und Sparprodukte werfen nur magere Zinsen ab. obs

Es sind gute Zeiten für Offene Immobilienfonds, denn der Immobilienmarkt boomt und Sparprodukte werfen nur magere Zinsen ab.

FrankfurtDer Immobilienmarkt boomt, Sparprodukte werfen nur magere Zinsen ab - ideale Zeiten also für Offene Immobilienfonds (OIF). Zum 22. Juli ändern sich allerdings die Spielregeln für die Rückgabe von Anteilen an den Fonds zum zweiten Mal in diesem Jahr. Neu-Investoren kommen dann nur noch unter eng begrenzten Bedingungen an ihr Geld. Doch allen Unkenrufen zum Trotz: Die erste Verschärfung der Bestimmungen zu Jahresanfang hat die Anleger bisher nicht abgeschreckt - im Gegenteil.

Obwohl die Rückgabe von Anteilen bereits seit Jahresanfang erschwert ist, investierten Anleger in den ersten fünf Monaten dem Fondsverband BVI zufolge unter dem Strich 2,1 Milliarden Euro neu in OIF. Aus Aktienfonds und Geldmarktfonds zogen sie hingegen Geld ab.

„Die OIF profitieren vom aktuellen Mangel an Anlagealternativen“, sagt Wolfgang Kubatzki, Mitglied der Geschäftsleitung der Feri EuroRating. Aus seiner Sicht dürfte die Nachfrage auch nach dem 22. Juli anhalten. Bisher konnten Sparer jedes Halbjahr noch Anteile im Wert von 30 000 Euro zurückgeben. Dieser Freibetrag entfällt nun bei Anteilen, die nach dem 21. Juli gekauft werden. Bereits seit Jahresbeginn müssen Neuanleger ihre Anteile 24 Monate halten. Für Bestands- und Neuanleger gilt zudem eine Kündigungsfrist von 12 Monaten.

„Das ist nicht das Ende der Branche“, sagt Kubatzki. Immerhin werfen die OIF eine Rendite von durchschnittlich zwei bis drei Prozent ab, mehr also als viele klassischen Sparprodukte oder Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland.

Ein Problem der Fonds hat sich aus Kubatzkis Sicht ohnehin gelöst. „Die institutionellen Anleger, die ihr Geld in den Fonds geparkt hatten und es in der Finanzkrise plötzlich abzogen, sind im wesentlichen raus“. Damals wurden mehrere OIF eingefroren und abgewickelt, weil sie den plötzlichen Auszahlungswünschen der Großanleger nicht nachkommen und Immobilien nicht so schnell zu Geld machen konnten. Ende Mai waren nach Angaben des BVI noch vier OIF eingefroren, elf werden aufgelöst. Insgesamt stehen sie für mehr als 20 Prozent der Summe, die in Offenen Immobilienfonds steckt.

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Die Branche selbst ist froh, dass es nicht zu einem Verbot neuer Offener Immobilienfonds gekommen ist - wie zeitweise in Berlin diskutiert. „Offene Immobilienfonds bleiben als indirekte Immobilienanlagen für Kleinanleger erhalten“, zeigt sich Thomas Richter, BVI-Hauptgeschäftsführer, zufrieden. Mancher in der Branche hätte sich aber wohl gewünscht, dass der Freibetrag von 30 000 Euro erhalten bleibt. Denn es erhöht die Attraktivität der Papiere, wenn Anleger wenigstens teilweise an ihr Geld kommen.

„Die Zeit der großen Mittelzuflüsse wird wohl erst einmal vorbei sein“, sagt denn auch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Eine Ende der Offenen Immobilienfonds mangels Nachfrage der Anleger befürchtet er aber nicht. Für neue Fondsanbieter sei der deutsche Markt durch die Gesetzesänderungen allerdings relativ uninteressant geworden. „Früher war die tägliche Verfügbarkeit der Anteile ein starkes Verkaufsargument. Das ist vorbei“.

Die Branche strickt bereits an neuen Produkten. „Ich bin gespannt, was sie daraus macht“, sagt Kubatzki. Er rechnet damit, dass sich die Fonds künftig stärker voneinander unterscheiden werden, zum Beispiel OIF nur für Wohnimmobilien oder nur für Büros in bestimmter Lage. Grundsätzlich findet Kubatzki die neuen Vorschriften konsequent. „Sie definieren Offene Immobilienfonds als das, was sie sind, eine mittel- bis langfristige Geldanlage. Wer in Immobilien investiert, sollte wissen, dass er nicht täglich über sein Geld verfügen kann“.

Von

dpa

Kommentare (3)

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The_bravest_heart

18.07.2013, 11:32 Uhr

„Offene Immobilienfonds bleiben als indirekte Immobilienanlagen für Kleinanleger erhalten“

Aha! Genau dies war der Knackpunkt in der Immobilienkrise! Großanleger, die in der Lage gewesen wären, problemlos direkt in Immobilienportfolios zu investieren, haben Gelder in einer Anlageform geparkt, die eigentlich gar nicht für sie gedacht war. Es gab dazu mal vor einiger Zeit eine ARD Doku. Dort wurde dies benannt, aber nicht weiter ausgeführt.

OIF sind nicht per se schlecht; sie wurden durch Großbanken und andere große Marktteilnehmer vorsätzlich zerstört. Auch Engagements in OIF sind, wie Direktinvestments in Immobilien, eine langfristige Angelegenheit.

Volksverdummer

18.07.2013, 14:04 Uhr

So funktioniert's: Die einen werten auf. Die anderen werten ab, die geschlossen wurden. Taktisch und klug, diese Fondsmanager.

Nur irgendwie stimmt da was nicht. Die noch offenen Fonds werten ihr Depot mit 2-3% p.a auf und die anderen die geschlossen wurden p.a. um 5-10% ab.

Das stinkt so gewaltig, dass der Oberstaatsanwalt eingreifen müßte.

Aber das interessiert ja keinen, obwohl hier rund 80 Mrd. Euro so angelegt sind.

Wieder eine (legale und stinkige) Volksverdummung.
Also auf deutsch: Nicht zu empfehlen, wie soviele Anlagen im Staate Dänemark. Viele ander sind eh passe.

Da bracuht man sich nicht zu wundern, wenn jegliches Vertrauen zu den Bankern -bei Versciherern ist es eh der Fall- zerstört ist. Abgesehen von den vermeintlich sicheren Sparbuchzinsen bei rund 0,5 % minus der Infaltion bei mind. 1,7%

Da kann sich jeder ausrechnen, wann er verarmt ist, wenn es nicht schon die mickrige Sozialversicherungsrente mit ihren Entgeltpunkten tut und man(n) mit 67 noch ienzahlen dar um da noch was raus zu bekommen.

Da gelobe ich mir den sozialen Beamtenstatus, der da noch etwas besser funktioniert.

Arme Sparer, arme Renter. In Zukunft wrid es sicherlich nicht besser. Wo bleibt da die inovation. Klar, noch linker.

Volkskverdummung die Dritte"

Kapferer

18.07.2013, 14:56 Uhr

Es ist ganz erstaunlich, wie im Zusammenwirken von Staat und Banken eine Produktlinie schöngeredet wird, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Es würde sie auch nicht geben, wenn die meist unerfahrenen Anleger wüßten oder gewußt hätten, dass in eine hochvolatile Anlage (Gewerbeimmobilien) investiert wird, deren Wertveränderungen mit ein paar Tricks auch für Sparbuchsparer akzeptabel gemacht wurden/werden.
Vor allem hat man ihnen nicht gesagt, dass das auf die Dauer nicht funktionieren kann.

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