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08.02.2011

15:05 Uhr

BIH-Verkauf

Berlin scheitert mit milliardenschwerem Immobiliendeal

Die Hoffnungen Berlins, ein milliardenschweres Immobilienportfolio nach Jahren endlich loszuwerden, sind geplatzt. Die Gespräche mit einem britischen Investor wurden auf Eis gelegt.

Berlin sitzt weiter auf Immobilien aus dem Bestand der zerschlagenen Bankgesellschaft. dpa

Berlin sitzt weiter auf Immobilien aus dem Bestand der zerschlagenen Bankgesellschaft.



HB BERLIN. Der Verkauf der milliardenschweren Berliner Immobilien Holding (BIH) ist abermals geplatzt. Die Gespräche mit einem britischen Investor würden auf Eis gelegt, sagte Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum am Dienstag nach Beratungen im Senat. Hauptgrund sei, dass der Investor nicht im Detail offengelegt habe, wie er das Geschäft finanzieren wolle. Der Verkauf der BIH, in der 29 geschlossene Immobilienfonds der zerschlagenen Bankgesellschaft Berlin gebündelt sind, wäre einer der größten Immobiliendeals in Deutschland seit Jahren gewesen.

Berlin versucht schon lange erfolglos, sich von der BIH zu trennen. Zuletzt hatte 2009 eine Handvoll Bieter die Bücher gesichtet. Die BIH mit ihren deutschlandweit rund 38.000 Wohnungen und 3000 Gewerbeeinheiten ist ein heißes Eisen: Weil das Land nicht nur die Immobilien der Bankgesellschaft übernommen hat, sondern auch umstrittene milliardenschwere Gewinngarantien für die Anleger, birgt das Engagement einige Risiken für den ohnehin klammen Haushalt. Vom Käufer wurde daher erwartet, dass er die teilweise bis 2032 laufenden Garantien übernimmt - einer der Gründe, warum viele Interessenten in der Vergangenheit abgewunken haben.

Zuletzt wurde nach Angaben aus Verhandlungskreisen mit der britischen Investmentgesellschaft Altyon Partners verhandelt, die auf große Fondsgeschäfte spezialisiert ist und sich die finanzielle Unterstützung eines Staatsfonds aus Abu Dhabi gesichert hatte. Der Kaufvertrag für die BIH sei seit Dezember unterschriftsreif gewesen und auch die Risikoabschirmung sei lückenlos geklärt worden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu Reuters. Am Ende habe der Senat aber mehr Transparenz gefordert, um welchen Staatsfonds es sich handele und wie das Engagement aussehe.

Nußbaum selbst äußerte sich nicht zu den Investoren. Zum Streitthema Transparenz sagte er lediglich: "Das ist in den letzten 14 Tagen nicht möglich geworden". Er betonte, das Land halte sich bei der BIH alle Möglichkeiten offen, ein Verkauf sei auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

Dass das Geschäft in letzter Minute abgeblasen wurde, dürfte Beobachtern zufolge aber auch mit der anstehenden Landtagswahl in Berlin im September zusammenhängen. Die meisten Wohnungsbestände der BIH liegen in der Hauptstadt. Der Verkauf von vergleichsweise preiswertem Wohnraum an angelsächsische Investoren ist in der Berliner Politik umstritten. Entsprechend kritisch wurden im vergangenen Jahr auch die Börsenpläne der Berliner Wohnungsgesellschaft GSW betrachtet. Damals wurde der Börsengang zwar abgesagt. Kreisen zufolge will die GSW in diesem Frühjahr aber einen neuen Anlauf wagen.

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