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07.01.2008

08:06 Uhr

Britischer Immobilienmarkt

Vom Boom in die Krise

VonMichael Maisch

Der britische Immobilienmarkt steht vor einer empfindlichen Abkühlung. Wie drastisch sich die Situation seit Ausbruch der großen Kreditkrise an den internationalen Kapitalmärkten gewandelt hat, zeigt die Entwicklung offener britischer Immobilienfonds.

Der Abschwung am Immoblienmarkt hat mittlerweile die ganze Branche erfasst. Foto: ap

Der Abschwung am Immoblienmarkt hat mittlerweile die ganze Branche erfasst. Foto: ap

LONDON. Zumindest auf den vielen Baustellen in der Londoner City lebt der britische Immobilienboom noch weiter. Derzeit werden in der britischen Metropole 9,6 Mill. Quadratmeter neuer Büroraum fertiggestellt – der höchste Wert seit mehr als 15 Jahren. Doch tatsächlich richtet sich die Wirtschaft auf der Insel auf den schärfsten Abschwung am Immobilienmarkt seit der großen Krise Anfang der neunziger Jahre ein.

Wie drastisch sich die Situation in den vergangenen Monaten seit Ausbruch der großen Kreditkrise an den internationalen Kapitalmärkten gewandelt hat, zeigt die Entwicklung offener britischer Immobilienfonds. Verängstigte Anleger flüchten massenhaft aus den Produkten. Wegen der hohen Mittelabflüsse mussten einige Fonds, darunter auch die Deutsche Bank und die Schweizer UBS, die Rücknahme von Anteilen vorübergehend aussetzen. Andere Fonds wie New Star Asset Management sahen sich gezwungen, den Wert der im Portfolio enthaltenen Objekte deutlich nach unten anpassen. So verlor der UK Property Unit Trust von New Star seit dem vergangenen August mehr als 15 Prozent an Wert.

Der Abschwung am Immobilienmarkt hat mittlerweile die gesamte Branche erfasst. Im November sackte der vom Informationslieferanten Investment Property Databank berechnete monatliche Index für die Wertentwicklung gewerblicher Immobilien in Großbritannien um 3,6 Prozent ab. Das ist das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die Beratungsgesellschaft EC Harris erwartet, dass die Kreditausfälle von nichtbörsennotierten Immobilienprojektentwicklern in diesem Jahr um 25 bis 50 Prozent ansteigen werden. Das wäre ein harter Schlag für die ohnehin bereits schwer geprüften britischen Banken, denn rund elf Prozent der gesamten Ausleihungen der Institute entfallen mittlerweile auf gewerbliche Immobilienprojekte. Dieser Wert ist so hoch wie seit dem Jahr 1998 nicht mehr, kurz vor dem letzten großen Crash des britischen Immobilienmarktes.

Doch die Krise betrifft nicht nur den Markt für gewerbliche Immobilien. Im November fielen die Hauspreise auf der Insel im dritten Monat in Folge, das ist die längste Verlustserie seit mehr als zwölf Jahren. „Es gibt mittlerweile klare Anzeichen, dass sich die Abschwächung am britischen Häusermarkt beschleunigt“, warnte erst vor kurzem Rachel Lomax, die stellvertretende Gouverneurin der Bank of England.

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