Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.03.2013

15:28 Uhr

Bundesbank

Ausländer verkaufen deutsche Immobilien

Deutschland gilt für Immobilieninvestoren als sicherer Hafen. Laut Bundesbank stoßen immer mehr Ausländer ihre deutschen Objekte ab. Was hinter der vermeintlichen Verkaufswelle steckt.

Deutsche Immobilien werden von Ausländern derzeit im großen Stil verkauft. dpa

Deutsche Immobilien werden von Ausländern derzeit im großen Stil verkauft.

BerlinAusländer kaufen nach Erkenntnissen der Bundesbank nicht in großem Stil deutsche Häuser und Wohnungen auf. Im Gegenteil: Sie stießen 2012 unter dem Strich sogar Immobilien ab, hieß es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. „Nach den vorliegenden Daten lässt sich die These gestiegener Aktivitäten ausländischer Käufer nicht belegen“, schrieb die Bundesbank darin. Allerdings räumt sie ein, dass längst nicht alle Geschäfte bekannt werden.

Im vergangenen Jahr wurden ausländische Käufe im Wert von rund 700 Millionen Euro erfasst. Dem standen Verkäufe von knapp 1,6 Milliarden Euro gegenüber. Damit wurde der Immobilienbesitz um gut 800 Millionen Euro reduziert, nachdem er 2011 bereits um 100 Millionen Euro gesenkt wurde. „Alles in allem ist das in der Zahlungsbilanz erfasste Volumen der grenzüberschreitenden Immobilientransaktionen verglichen mit dem Wert des deutschen Immobilienbestandes oder den jährlichen Umsätzen dieses Sektors eher gering“, schrieb die Bundesbank. Die Zahlen beziehen sich auf „Gebietsfremde“ - also Ausländer oder auch Deutsche, die Wohnort oder Unternehmenssitz nicht in der Bundesrepublik haben.

Der Wert aller Immobilien in Deutschland lag Ende 2011 bei rund 9,8 Billionen Euro, während sich der Jahresumsatz auf dem deutschen Immobilienmarkt zuletzt auf rund 148 Milliarden Euro belief. „Der Anteil ausländischer Käufe läge damit rechnerisch bei knapp einem halben Prozent“, hieß es. Die meisten ausländischen Käufer kommen dabei aus Europa. „Dabei spielen traditionell Luxemburg und die Niederlande, nicht zuletzt durch Transaktionen dort ansässiger Fonds und Beteiligungsgesellschaften, eine bedeutende Rolle.“ Zuletzt hätten insbesondere die Käufe aus Russland und China „moderat zugenommen“. Bei Investoren aus den USA überwiegen dagegen seit einigen Jahren die Verkäufe, ebenso bei Großbritannien und Dänemark.

Allerdings rät die Bundesbank bei der Interpretation dieser Daten zur Vorsicht, da zahlreiche Besonderheiten zu beachten seien. „Ein Immobilienerwerb, der beispielsweise von einem in Deutschland wohnenden Ausländer oder einer hier ansässigen Gesellschaft vorgenommen wurde, die selbst im Auslandsbesitz steht, gilt als inländische Transaktion“, so die Notenbank. „Er fließt damit nicht in die Zahlungsbilanz ein.“

Prognose für Eigentumswohnungen bis 2015

Hamburg

Durchschnittspreis 2012: 2.352 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +15,7 Prozent

Quelle: Feri Eurorating Service AG

München

Durchschnittspreis 2012: 3.401 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +11,3 Prozent

Dresden

Durchschnittspreis 2012: 1.279 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +10,1 Prozent

Stuttgart

Durchschnittspreis 2012: 2.331 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,8 Prozent

Leipzig

Durchschnittspreis 2012: 1.148 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,6 Prozent

Freiburg

Durchschnittspreis 2012: 2.212 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +9,3 Prozent

Mannheim

Durchschnittspreis 2012: 1.813 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,8 Prozent

Frankfurt am Main

Durchschnittspreis 2012: 2.600 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,4 Prozent

Köln

Durchschnittspreis 2012: 2.268 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,3 Prozent

Berlin

Durchschnittspreis 2012: 1.894 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +8,0 Prozent

Hannover

Durchschnittspreis 2012: 1.131 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,6 Prozent

Augsburg

Durchschnittspreis 2012: 1.585 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,2 Prozent

Bonn

Durchschnittspreis 2012: 1.975 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +7,1 Prozent

Düsseldorf

Durchschnittspreis 2012: 2.459 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +6,8 Prozent

Chemnitz

Durchschnittspreis 2012: 766 Euro/qm
Preisentwicklung bis 2015: +4,8 Prozent

Vermutlich werden auch nicht alle Käufe erfasst. Zwar muss der grenzüberschreitende Immobilienerwerb ab einer Freigrenze von 12.500 Euro angezeigt werden. Trotz der niedrigen Meldeschwelle seien Immobilienkäufe „vermutlich untererfasst, da Meldeversäumnisse, insbesondere bei gebietsansässigen Privatpersonen, für die erhebenden Stellen kaum erkennbar sind“. Die Zahlen dürften deshalb nur „als Untergrenze der tatsächlichen Transaktionen angesehen werden“.

Ein Versäumnis der Meldepflicht kann die Bundesbank regelmäßig nur bei Großtransaktionen über Presseauswertungen oder im Rahmen von gesonderten Überprüfungen der Geschäftstätigkeit von Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen feststellen.

Darüber hinaus gebe es noch die Möglichkeit, Mietzahlungen mit den gemeldeten Käufen abzugleichen. "Für darüber hinausgehende Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität ist die Bundesbank auf die freiwillige Mitwirkung anderer angewiesen“, klagt sie. „Um die Meldelücken zu schließen, wäre es beispielsweise hilfreich, wenn die Meldepflicht im Rahmen des notariellen Beurkundungsprozesses mit abgewickelt werden könnte.“

Von

rtr

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Uhzzzzo

18.03.2013, 16:36 Uhr

Ausländer verkaufen deutsche Immobilien:

Aus Angst vor einer Zwangsanliehe, natürlich mit Grundbucheintag.
Wir Sind ja nicht Zypern, bei uns sind Enteignungen nicht so halbherzig (lächerliche 9,9%)!

Stephan12

18.03.2013, 17:34 Uhr

Die meisten Ausländer haben in den Boomjahren 2005-2008 Immobilen (Miethäuser, Einkaufszentren etc.) erworben und ultrahoch finanziert. Zudem gab es aus Ihrem Heimatland noch eine Nachrangfinanzierung für die Nebenkosten (also Ohne Eigenkapital). Da diese Finanzierungen oft mit Swap´s versehen wurden und die Zinsen sanken statt zu steigen, überstieg der Kapitaldienst die Einnahmen. Diese Bindungen laufen oder liefen jetzt aus sodass, die Objekte jetzt verkauft werden konnten. Auch die Gläubiger in den Heimatländern (Dänemark, Großbritannien etc) hatten auf Grund der Eurokrise Probleme und Wollten Ihre Darlehen zurück haben. Zum Glück besteht in Deutschland großer Anlagedruck und somit ein hohes Preisniveau.

S.M.

Manupilation

18.03.2013, 17:36 Uhr

Es geht ja nur darum die Preise in Deutschland hoch zu halten, um erstens eine Immobilienblase zu vermeiden und zweitens als Maklerzecke besser zu verdienen. Siehe auch dazu: regelmäßige Werbungssendungen im Fernsehen über Makler in den öffentlich-rechtlichen und anderen Kanälen. Wenn man genauer schaut, wer dahinter steckt, kommen meist ehemals adlige Namen zum Vorschein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×