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18.07.2013

17:37 Uhr

Chance aufs Eigenheim

Studie soll Finanzspielraum zeigen

Eine Analyse sieht für viele Familien einen Spielraum für den Kauf eines Eigenheims. Doch die Datenbasis des Statistischen Bundesamtes ist fünf Jahre alt. Und es gibt noch andere Zweifel an der Aussagekraft.

Familien mit Kindern könnten in vielen Fällen die Finanzierung einer Wohnimmobilie stemmen. dpa

Familien mit Kindern könnten in vielen Fällen die Finanzierung einer Wohnimmobilie stemmen.

BerlinSparkassenpräsident Georg Fahrenschon spricht von einem bislang einmaligen Projekt. Nie zuvor sei in Deutschland in dieser Tiefe ausgewertet worden, wie viel Geld typische Privathaushalte für was ausgeben. Das ganze soll im Prinzip jedem einen Nutzen bringen, denn im Internet kann man nun die eigenen Ausgaben vergleichen mit denen eines ganz ähnlich strukturierten Durchschnittshaushalts - und dann notfalls etwas ändern.

Vordergründig geht es den Sparkassen als öffentlich-rechtliche Einrichtungen darum, ihren Kunden zu helfen, mit ihrem Geld besser umzugehen. „Die Bürger sollen Einnahmen und Ausgaben in der richtigen Balance halten, gezielt bremsen oder auch mal einen Gang zulegen können“, sagt Fahrenschon dazu. Bei der Interpretation der Daten am Donnerstag in Berlin legt er den Schwerpunkt aber klar auf das Thema Immobilien, die unter anderem von Sparkassen finanziert werden.

Da kommt der ehemalige CSU-Politiker einerseits zu dem Schluss, dass auch Familien mit Kindern in vielen Fällen die Finanzierung einer Wohnimmobilie stemmen könnten - „und zwar häufiger als man annimmt“. Andererseits sei eine Neuauflage der staatlichen Eigenheimzulage dringlich, bei der die Kinderzahl und das Einkommen berücksichtigt werden müssten.

Das Projekt, das der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vorstellte, basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Das hat im Jahr 2008 rund 55 000 Privathaushalte drei Monate lang Haushaltsbücher führen lassen und so deren Ausgaben dokumentiert. Nun hat die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (DGH) in Zusammenarbeit mit dem DSGV diese Daten aufbereitet - und für 84 Haushaltstypen die mittleren Ausgaben etwa für Wohnen, Ernährung, Mobilität und Gesundheitspflege errechnet.

Wo ein Haus mit 140 qm am günstigsten ist

Pennewitz (Ilm-Kreis)

45.620 Euro

Burgwalde (Eichsfeld)

43.523 Euro

Bechstedt (Saalfeld-Rudolstadt)

51.859 Euro

Gerterode (Eichsfeld)

39.939 Euro

Schäplitz (Kreis Stendal)

38.018 Euro

Quelle: Für die Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982. Stand: August 2012.

Schlieben (Elbe-Elster)

38.516 Euro

Wehnde (Eichsfeld)

55.695 Euro

Oberhain (Saalfeld-Rudolstadt)

50.511 Euro

Ringleben (Kyffhäuserkreis)

36.524 Euro

Schwobfeld (Eichsfeld)

47.336 Euro

Diese Referenzbudgets gäben eine „wichtige Orientierung“ zum Beispiel für junge Familien, weil sie erkennen könnten, was mit dem Nachwuchs in den folgenden Jahren finanziell auf sie zukomme, sagt Fahrenschon. Er räumt aber ein, dass die Zahlen keine regionale Unterschiede berücksichtigten.

In der Tabelle sind zum Beispiel für ein Paar mit zwei Kindern sowohl bei der Kaltmiete als auch beim Immobilienkredit monatliche Ausgaben von knapp 500 Euro zu finden. Diese Mittelwerte bewegen sich in einer Höhe, die in München und Hamburg unrealistisch niedrig ist, wie auch Fahrenschon auf Nachfrage sagt. Wenn es um Kredite für Immobilien gehe, achteten die Sparkassen „genau darauf, dass wir keine Falschberatung leisten“, fügt er hinzu.

So oder so, die deutsche Wohneigentumsquote von unter 50 Prozent sei im europäischen Vergleich zu gering, betont Fahrenschon. Sie liege weit unter Krisenländern wie Spanien und Zypern. Damit fehle vielen Deutschen ein Wert, auf den sie wirtschaftlich schwierigen Zeiten zurückgreifen könnten.

Von

dpa

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