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16.11.2012

14:57 Uhr

Christoph Ingenhoven

„Das ist ein besonderes Projekt“

VonRegina Krieger

Er entwarf Stuttgart 21 und die Google-Zentrale. Jetzt erhält der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven den Internationalen Hochhauspreis. Der Stararchitekt über Ästhetik, neue Pläne und hässliche Innenstädte.

Architekt Christoph Ingenhoven. dpa

Architekt Christoph Ingenhoven.

Herr Ingenhoven, Gratulation zum Preis. Haben Sie damit gerechnet?
Nein, denn oft werden äußerlich spektakuläre Bauten prämiert oder auch das höchste Haus. Aber das hier ist ein besonderes Projekt, und ich wusste, dass es viel Potenzial hat.

Man sieht auf den Bildern, dass der Platz, auf dem Sie gebaut haben, sehr eng ist und inmitten von anderen Gebäuden steht. Wie groß waren Ihre Spielräume?
Das Baugrundstück ist so eng, dass an einer Stelle der Abstand zu einem 130 Meter hohen Nachbarn nur wenige Meter betrug. Wir sind direkt an den Grundstücksgrenzen senkrecht sechs Geschosse runtergegangen, rund 30 Meter. Die gesamte Logistik hat nicht auf dem Grundstück stattfinden können. Alle Bauteile, Fassadenteile und Beton mussten just in time angeliefert werden, weil wir auf der Baustelle nichts lagern konnten.

Außerdem sollte das Hochhaus energieeffizient werden. Wie kann man mit so vielen Vorgaben zu einer künstlerischen Inspiration kommen?
Es gibt Freiräume. Es geht darum, die Möglichkeiten, die man hat, in eine Idee zu gießen. Die bestimmende Bedingung hier war der Blick. Das Haus ist vielleicht 300 Meter vom Hafen von Sydney entfernt. Der Blick zur Harbour Bridge ist das Entscheidende. Deshalb hat das Hochhaus eine elliptische Form, wir haben es gleichermaßen in den Blick hineingedreht und aufgeständert, das heißt noch 20 Meter höher gebaut. Dadurch haben deutlich mehr Menschen diesen schönen Blick.

Wie arbeiten Sie? Mit dem einen genialen Einfall?
Nein, die Idee zu einem Bau kommt mir nicht plötzlich unter dem Apfelbaum, sondern auf Grundlage einer sehr genauen Analyse der städtebaulichen Bedingungen. Ich vertrete eine andere Meinung als viele meiner Kollegen, die es als schöpferisch ansehen, sich etwas auszudenken, was stark von formalen Überlegungen geprägt ist. Da spielen Fragen von Funktion oder Energieeffizienz oft überhaupt keine Rolle, das sieht cool und kurvig aus. Das ist bei uns anders.

Ein Ingenhoven-Bau ist?
...elegant. Der Versuch zu minimalisieren. Transparenz spielt eine große Rolle für mich, denn ich glaube, dass Menschen nicht zum Leben in geschlossenen Räumen geschaffen sind. Ich empfinde mich als jemanden, der sich in geschlossenen Räumen nicht besonders wohlfühlt, sondern lieber draußen ist. Deshalb trage ich in meiner Architektur dafür Sorge, dass man so weit wie möglich am Tagesverlauf teilnehmen kann. An Jahreszeiten, Tageszeiten, Wetter und Licht. Ich möchte mit der Natur leben können.

Haben Sie eine Handschrift, die in allen Ihren Bauten zu erkennen ist?
Jein. Es ist die Haltung. Die ist immer gleich. Der öffentliche Raum und der Nutzen für die Menschen stehen absolut im Vordergrund, alles andere kommt danach. Die Menschen sollen in dem Haus sicher und komfortabel wohnen oder arbeiten können. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Wenn man den Bahnhof in Stuttgart anschaut, kann man mir kaum unterstellen, er sei rein funktionalistisch. Das Projekt hat eine sehr poetische Form, und es ist eine sinnvolle Konstruktion.

Kommentare (2)

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i.l.

19.11.2012, 20:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Ingenhoven,
da sind wir total einer Meinung: ich fühle mich auch total unwohl in einem unterirdischen Bahnhof. Die S-Bahnhaltestellen in Stuttgart sind schon unangenehm. Aber der tiefgelegte Bahnhof in Stuttgart ist absolut unwirtlich. Es ist eine größere S-Bahnhaltestelle, aber kein Bahnhof an dem sich Leben abspielt. Wir wollen hier auch so gut es geht mit der Natur leben, einen Park in der Stadt haben in dem man zur Ruhe kommen kann. Ihr Bahnhofsentwurf in Stuttgart ist, gelinde gesagt, außerirdisch. Mit freundlichen Grüßen, I.L.

TeeGeeStuttgart

19.11.2012, 23:54 Uhr

Die Redaktion des 'Handelsblatt' ist wohl nicht ganz auf der Höhe der Zeit...

http://blog.archpaper.com/wordpress/archives/35168

Hätte halt irgendwie blöd reingepasst...

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