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25.03.2017

12:25 Uhr

Dax-Ausblick

Trump verliert seinen Zauber

VonReiner Reichel

Die Konjunkturaussichten in Europa sprechen für steigende Kurse. Auch das Potenzial bei deutschen Aktien ist noch nicht ausgereizt. Doch die Politik in den USA könnte erst den Dow und dann den Dax nach unten ziehen.

Donald Trump ist wohl die größte Gefahr für den Dax. Reuters, Sascha Rheker

Dax-Ausblick

Donald Trump ist wohl die größte Gefahr für den Dax.

DüsseldorfWürden die potenziellen Käufer deutscher Aktien sich nur an den zu erwartenden Konjunkturzahlen für Deutschland orientieren, wäre ein neuer deutlicher Schritt des Dax auf die Höchstmarke von 12.390 Punkte aus dem April 2015 vorprogrammiert. Auf dem Arbeitsmarkt läuft es noch besser als erwartet. Am Freitag werden die Arbeitslosenzahlen in Deutschland veröffentlicht, die Schätzungen zufolge weiter gesunken sind.

Höhere Beschäftigung sollte sich beim privaten Konsum positiv bemerkbar machen. Der Einzelhandel rechnet mit steigenden Umsätzen, zumal auch der Anstieg der Verbraucherpreise wieder etwas zurückgehen wird. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Stimmung in der Wirtschaft sehr gut ist, was der ifo-Index nach Ansicht von Analysten zum Ausdruck bringen wird.

Diesen Argumenten für höhere Dax-Stände fügen die Experten der LBBW ein weiteres hinzu. Die politische Unsicherheit sei etwas geringer geworden, nachdem der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sein Amt gegen den Rechtspopulisten Geert Wilders verteidigt hat. Die baden-württembergischen Landesbanker kommen zu dem Schluss, dass deutsche Aktien noch nicht ausgereizt sind.

Sie stehen damit nicht allein da. Charles Ma von Allianz Global Investors ziehen den Kreis noch weiter: „Angesichts der günstigeren Gewinnaussichten, des geringeren politischen Risikos, der attraktiveren Bewertungen und der höheren Dividenden als in den USA wird der europäische Markt immer attraktiver“, sagte der Nachrichtenagentur Reuters. Doch am Freitag trat der Dax lange auf der Stelle und zog erst am Nachmittag an. Zum Schluss standen 12.064 Punkte für ein Plus von 0,2 Prozent.

Die besten Anlagen 2016

Zucker

Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 deutlich gestiegen. Am deutlichsten stieg der Preis für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.

Aktien Russland

Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. Aus 100.000 in Russland angelegten Euro wurden so im vergangenen Jahr 152.950 Euro. Zum Vergleich: Aus 100.000 angelegten Euro wurden im amerikanischen Dow Jones - inklusive des Dollar-Anstiegs - „nur“ 116.140 Euro, im deutschen Dax waren es 106.780 Euro und im Euro Stoxx 50 der Standardwerte im Euro-Raum 100.770 Euro.

Öl

Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. was sie Ende 2016 tatsächlich machten. Aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro wurden bis am Jahresende 161.080 Euro.

Zink

Zink war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Im vergangenen Jahr stieg der Preis von Zink, das vielfach in der Industrie eingesetzt wird in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.

Aktien Kasachstan

Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Wer 100.000 Euro in den gerade mal neun Werte umfassenden Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent.

Aktien Peru

Die Aktie in Peru profitierte von der Wahl des neuen Präsidenten Pablo Kuczynski, der als liberal und wirtschaftsfreundlich gilt. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Auch die Landeswertung Sol stieg. Das machte bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren.

Aktien Brasilien

Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff trieb Brasiliens Aktienkurse und den Real nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand: 30.12.2016

Europas Konjunkturzahlen sind nicht allein ausschlaggebend für die Kurse hierzulande und in den Nachbarländern. Über Wochen zog der Dow den Dax mit. Doch das Zugpferd lahmt und bleibt hinter früheren Höchstständen. Möglicherweise wird den Aktienliebhabern nun bewusst, dass die Realität in den USA hinter den Erwartungen bleibt. Die Helaba führt die Höchststände des US-Börsenbarometers Dow „in erster Linie zurück auf die massive Verbesserung stark stimmungsgetriebener Indikatoren, wie Verbraucher- und Unternehmensumfragen.“

Die realwirtschaftlichen Daten blieben nach Beobachtung der Landesbank hinter den Erwartungen zurück. Und diese Erwartungen sind aufgrund der Ankündigungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump hoch. Er versprach bereits im Wahlkampf Steuererleichterungen, Programme zu Wirtschaftsankurbelung und Deregulierung der Banken an. Wegen der hohen Erwartungen kommen die Helaba-Analysten zu der Einschätzungen: „Enttäuschungen scheinen damit vorprogrammiert.“

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