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18.12.2011

16:08 Uhr

Denkmalgeschützte Immobilien

Wenn Steuervorteile Anleger blind machen

VonChristian Hunziker

Vor Weihnachten beschenkt sich manch Besserverdienende mit einer denkmalgeschützten Immobilie. Es lockt der Steuervorteil. Doch Experten warnen, dass Investoren oft viel zu viel bezahlen.

Altstadt von Stralsund: Denkmalgeschützte Häuser sind nicht immer lukrativer als Neubauten. dpa/picture alliance

Altstadt von Stralsund: Denkmalgeschützte Häuser sind nicht immer lukrativer als Neubauten.

BerlinWeihnachten ist die Zeit des Schenkens. Mancher Besserverdienende beschenkt sich selbst mit dem Steuervorteil einer denkmalgeschützten Wohnung. Denn Eigennutzer können 90 Prozent, Kapitalanleger sogar 100 Prozent der Sanierungskosten steuermindernd geltend machen. In diesem Jahr läuft das Geschäft besonders gut, weiß Florian Lanz, Vorstand des Immobilienunternehmens Estavis: „Angesichts der allgemeinen Verunsicherung wollen die Menschen ihr Geld in den sicheren Hafen der Immobilien bringen.“ Die Denkmal-Abschreibung sei dann noch ein zusätzlicher Anreiz.

Durch Staatsschulden- und Euro-Krise beunruhigte Anleger sind empfänglich für zweifelhafte Werbeangebote wie dieses: „Die steigenden Immobilienpreise machen es leicht, das erworbene Objekt zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen“, wirbt ein Vertrieb im Internet. Das funktioniere auch „ohne ein hohes Maß an Eigenkapital“, heißt es weiter.

Seriöse Anbieter dagegen achten darauf, dass ihre Kunden über ein ausreichendes Einkommen und genügend Eigenkapital verfügen. „Unsere Zielgruppe ist die mittlere bis gehobene Einkommensschicht“, sagt Michael Ries, Vorstand der auf Denkmalimmobilien spezialisierten Pantera. Als Faustregel sei ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 50.000 Euro bei Einzelpersonen beziehungsweise 80.000 Euro bei Paaren erforderlich. Die gute Lage der Immobilie in einem aufstrebenden Markt sowie die hohe Bau- und Ausstattungsqualität sollten im Vordergrund stehen, sagt Ries.

Doch die Praxis sieht anders aus: „Die Aussicht, Steuern zu sparen, macht die Leute blind“, beobachtet Peter Dirk, Immobilienberater bei der Verbraucherzentrale Berlin. Der Berliner Verbraucherschutzanwalt Jochen Resch warnt: „Man sollte nie aus Steuerspargründen eine Immobilie kaufen.“ Er empfiehlt deshalb, auf die Lage der ins Auge gefassten Wohnung zu achten und den Preis kritisch zu prüfen. „Die Bauträger“, kritisiert er, „treiben den Preis in die Höhe, um den Steuerspareffekt zu erhöhen.“

Tatsächlich scheinen viele denkmalgeschützten Wohnungen sehr teuer. Pantera zum Beispiel vermarktet das Projekt „Zwei Höfe“ an einer lauten Durchgangsstraße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg in Teilen zu annähernd 4.000 Euro pro Quadratmeter. Für deutlich weniger werden sanierte, wenn auch nicht denkmalgeschützte Gründerzeitwohnungen in der Nähe des Kurfürstendamms in Berlin verkauft.

Kommentare (2)

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18.12.2011, 16:38 Uhr

Ich selbst habe 1990 im Zuge der Wiedervereinigung mich an einem Immobilienfond eingekauft, weil ich vor der Entscheidung stand 250.000 DM Steuern nachzahlen sollte, oder etwas für meine Rente zu tun. (Private Vorsorge). Der Fond wird spätestens im Jahr 2017 pleite gehen, wenn nicht schon 2013. Die HELBA hat diesen Fond mit ihrer Tochtergesellschaft DIV über ihre Tochtergesellschaft NASPA vertrieben, später wurde dann die Hanover Leasing (ebenfalls eine Tochtergesellschaft der HELABA) Geschäftgsbesorgerin für diesen Fond. Die anfänglichen, dem Prospekt entsprechenden Renditen wurden ein par Jahre ausbezahlt, aus der Liquidität und nicht aus dem Überschuss. Dann wurde nichts mehr bezahlt. Es wurden mehrere Fonds aufgelegt, von denen einige nur dazu dienten die HELBA reicher zu machen und das Risiko auf die Anleger zu verlegen. Denn es besteht Rückzahlungspflicht für die erhaltenen Ausschüttungen und eine Nachschusspflicht falls der Fond insolvent wird. Am Ende hätte ich besser die Steuern bezahlt, da das eingezahlte Kapital heute schon verbraucht ist.
Diese und andere Anlagen machen es schwer Privatvorsorge zu treffen. Damals hat man der staatlichen Bank noch vertraut. Heute wird es um so schwerer überhaupt jemanden zu trauen, der Vorsorge fürs Alter anbietet. Der Sparstrumpf und Betongold sind langfristig sicherer und bleiben real. Apartments in Universitätsstädten usw. Hätte ich 1990 dieses Geld als Eigenkapitalstock in ein Apartment in Paris gesteckt, was möglich gewesen wäre in dieser Zeit, dann hätte ich heute eine fabelhafte Verzinsung und exzellente Rendite.

Klaus

18.12.2011, 17:52 Uhr

Wer aus Steuerersparnisgründen Immobilien kauft, sich an Fonds jedweder Art beteiligt, Versicherungen abschließt etc., kann nicht genug bestraft werden.

Ich verstehe nicht, dass in Deutschland nur jemand das Wort Steuerersparnis aussprechen braucht, damit ihm die Leute ihr Geld aufdrängen. Der typische Rattenfängertrick.

Werft lieber euer Geld in 1 Euro-Münzen in den Gulli, dann hört ihr es noch plumpsen, als auf solche Angebote reinzufallen.

An den ganzen Angeboten verdienen sich die Initiatoren und ihre Helfershelfer eine goldene Nase. Bis diese Kosten wieder eingespielt sind, braucht es seine Zeit - wahrscheinlich ist der St. Nimmerleinstag.

Schmeißt alle raus, die nur das Wort Steuerersparnis in den Mund nehmen.

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