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05.09.2013

13:14 Uhr

Deutscher Wohnungsmarkt

Das leere Land

VonJörg Hackhausen

Wohnungsnot in Deutschland ist ein Phänomen der Großstädte. Im Rest des Landes herrscht ein anderes Problem: Leerstand. Eine Studie des IW zeigt, wo die Menschen wegziehen und warum das den Niedergang beschleunigt.

Ein leerstehender Plattenbau in der Gagarinstraße in Gera. Ein Konzept zum Stadtumbau sieht den Abriss von 17.000 Wohnungen vor. ZB

Ein leerstehender Plattenbau in der Gagarinstraße in Gera. Ein Konzept zum Stadtumbau sieht den Abriss von 17.000 Wohnungen vor.

DüsseldorfImmobilienboom, steigende Mieten, Wohnungsnot – das sind Themen, über die in Deutschland geredet wird. Sie sind längst im Wahlkampf angekommen. Bezahlbarer Wohnraum muss her, heißt es von Politikern beinahe aller Parteien. Dabei wird gerne übersehen: Nur in den großen Städten ist der Wohnraum knapp, im Rest des Landes herrscht genau das Gegenteil. Hier wird Leerstand zum Problem – nicht nur für ländliche Regionen im Osten, sondern auch für Städte im Westen. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Die Wissenschaftler haben für ihre Analyse die Nachfrage nach Wohnfläche für alle 402 Landkreise und kreisfreien Städte vorausberechnet. Die Analyse lässt einen Blick in die Zukunft zu, in das Deutschland im Jahr 2030.

„Vor allem in vielen ländlichen Regionen gehen die Bevölkerungszahlen Jahr für Jahr zurück, und mit der schrumpfenden Nachfrage nach Wohnraum stagnieren die Preise, mancherorts sinken sie sogar“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte des IW. Am härtesten betroffen seien Regionen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg, aber auch Städte wie Essen oder Dortmund.

Wo ein Haus mit 140 qm am günstigsten ist

Schäplitz (Kreis Stendal)

38.018 Euro

Quelle: Für die Analyse wertete das Immobilienportal ImmobilienScout24 über 2,5 Millionen Immobilienangebote aus. Um Vergleichbarkeit herzustellen, wurde hierbei ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet. Das durchschnittliche Baujahr beträgt 1982. Stand: August 2012.

Pennewitz (Ilm-Kreis)

45.620 Euro

Schwobfeld (Eichsfeld)

47.336 Euro

Oberhain (Saalfeld-Rudolstadt)

50.511 Euro

Bechstedt (Saalfeld-Rudolstadt)

51.859 Euro

Straguth (Anhalt-Bitterfeld)

51.910 Euro

Witzleben (Ilm-Kreis)

52.462 Euro

Saxler (Vulkaneifel)

52.473 Euro

Lichte (Saalfeld-Rudolstadt)

54.488 Euro

Eßleben-Teutleben (Sömmerda)

54.937 Euro

Wehnde (Eichsfeld)

55.695 Euro

Ueß (Vulkaneifel)

57.591 Euro

Friedeburg Saale (Mansfeld-Südharz)

57.611 Euro

Schorstedt (Kreis Stendal)

58.021 Euro

Ziegelheim (Altenburger Land)

58.306 Euro

Drognitz (Saalfeld-Rudolstadt)

58.429 Euro

Losenrade (Kreis Stendal)

58.692 Euro

Groß Garz (Kreis Stendal)

58.988 Euro

„Die gravierendste Folge der nachlassenden Nachfrage wird ein zunehmender Leerstand sein, und der lässt sich kaum durch eine Anpassung der Mieten moderieren“, sagt Voigtländer.

Aktuell leben 15 der rund 80 Millionen Bundesbürger in Regionen mit steigenden Immobilienpreisen und Mieten. Andere Regionen kämpfen jetzt schon mit Leerstand, neben Ostdeutschland gilt das zum Beispiel für Pirmasens (9,7 Prozent), Hagen (6,9 Prozent) und Hof (8,2 Prozent). Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegt die Leerstandsquote bei 4,4 Prozent.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

05.09.2013, 13:23 Uhr

Ich find's gut!

Unser Land ist schon so stark zersiedelt, da ist es erfreulich, wenn der Landverbrauch zurückgeht. Hoffentlich wird auch das eine oder andere Nest renaturiert. Die Natur würde sich freuen.

Und in der Stadt lebt es sich ja auch nicht schlecht.

Der_Techniker

05.09.2013, 13:37 Uhr

Ich denke auch das man die Entwicklung als Chance begreifen sollte.
Nicht alles was nach dem Krieg oder im Osten während der DDR-Zeit eilig gebaut wurde um den Leuten irgendwie ein Dach über dem Kopf zu verschaffen ist erhaltenswert.
"Schrumpfende Städte und Kommunen sollten nicht mehr nach außen wachsen wollen, sondern sie müssten sich nach innen entwickeln"
Das ist denke ich der Schlüssel zum Erfolg. Nicht das X-te Neubaugebiet, das in 20-30 Jahren auch Patina angesetzt haben wird darf muß jetzt noch ausgewiesen werden (mit Ausnahme einiger weniger Regionen..).
Es ist nix schlimmes dabei, wenn die Leute wieder richtig in der Stadt/Ort leben und man die Schlafstädte die vor allem in den 60'er/70'er Jahren entstanden sind wieder renaturiert. Das steigert die Lebensqualität enorm.
Ich muß mich meinem Vorposter anschließen: unser Land ist im Vergleich stark zersiedelt.

DerTaoist

05.09.2013, 14:00 Uhr

Eigentlich sind diese Entwicklungen traurig. Trotzdem wird es keinen Sinn haben, zu versuchen, sie zu stoppen.

Traurig deshalb, weil an sich das Leben in ländlicher Umgebung lebenswerter ist. Mehr Natur, mehr Ruhe, weniger Verkehr, leistbare Häuser für Familien etc.
Umgekehrt sind die Nachteile der Verballung (oder wie man es nennen könnte) mit dem immer weiteren Wachstum von Städten hin zu sog. 'Megacities' längst bekannt. Von 'kurzen Wegen' oder ähnlichem kann dort nur in der Theorie die Rede sein, weil praktisch auch kurze Strecken durch das entstehende Verkehrsaufkommen nur beschwerlich zu bestreiten sind.

Gesund wären meiner Meinung nach Stadtgrößen zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern, das sind Stadtgrößen, bei denen man schnell aus der Stadt heraus ins ländlichen Umland kommt und entsprechend groß ist im Umfeld derartiger Städe die Zahl der Familien mit EFH im Grünen und Kindern, die dort aufwachsen können.

Niemand braucht in Wirklichkeit eine Großstadt mit > 1Mio Einwohnern und dann zB 4 großen Einkaufszentren, wovon man dann sein Leben lang ohnehin in nur eines kommt, weil die anderen einfach zu weit weg wären, einmal abgesehen davon, dass dort vermutlich sowieso in jedem Einkaufszentrum wieder dieselben Geschäfte zu finden wären.

Und die Rolle des Kulturangebotes wird grundsätzlich überschätzt. Ich kenne eigentlich niemanden, der wirklich regelmäßig in die Oper, ins Theater oder in irgendwelche Kunstaustellungen geht. Bzw. ist deren Anteil an der Gesamtbevölkerung so verschwindend gering, dass sich daraus kein nennenswerter Grund für den Zuzug in eine (Groß-)Stadt ableiten lässt. Man kann ganz gut ohne ein solches Kulturangebot leben.

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