Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2010

07:01 Uhr

Deutschland

Interesse an Immobilien-Spezialfonds wächst

VonReiner Reichel

Deutsche Immobilien-Spezialfonds werden auch in den kommenden drei Jahren stark wachsen. Davon ist nicht nur die Branche selbst überzeugt, sondern auch Anbieter von Konkurrenzprodukten. Der Grund: Deutsche institutionelle Investoren besinnen sich auf altbekannte Anlagen und erhöhen ihre Immobilienquoten.

Cordea-Geschäftführer Thomas Gütle: Zunehmendes Interesse deutscher Anleger an Spezialfonds. Pressebild

Cordea-Geschäftführer Thomas Gütle: Zunehmendes Interesse deutscher Anleger an Spezialfonds.

FRANKFURT. "Ausschlaggebend für das Wachstum ist zum einen das zunehmende Interesse deutscher institutioneller Investoren an Spezialfonds, zum anderen die Rückkehr zu einfachen und bewährten Anlageprodukten", sagt Thomas Gütle, Geschäftsführer von Cordea Savills. Die Gesellschaft hat bewusst auf die Gründung einer KAG verzichtet. Mit den eigenen FCP, Immobilien-Investmentvehikeln nach luxemburgischen Recht, sei Cordea Savills "absolut konkurrenzfähig", ergänzt Gütle. FCPs aufzulegen ist weniger aufwendig. Die Liberalisierung des deutschen Investmentrechts Anfang 2008 hat Anlagebeschränkungen der Spezialfonds gelockert und sie so wettbewerbsfähiger gegenüber FCPs gemacht.

Helmut Knepel, Vorstandssprecher Feri Euro Rating Services, schätzt, dass die deutschen Spezialfonds in diesem und den beiden nächsten Jahren im Schnitt etwa drei Mrd. Euro neue Mittel einwerben werden. Laut Bundesbank-Statistik flossen den 140 Fonds im vergangenen Jahr gut vier Mrd. Euro zu, so dass das Nettofondsvermögen (ohne Fremdkapital) auf knapp 30 Mrd. Euro anschwoll. Darin enthalten ist allerdings der Sondereffekt, dass iii Investments seine Publikumsfonds bereinigte, in dem sie von dort Immobilien im Wert von 1,1 Mrd. Euro an eigene Spezialfonds abgab.

Das Plus von je drei Mrd. Euro wäre Knepel zufolge bereits zu erreichen, wenn die von Feri befragten Versicherer und Altersversorger ihre Ankündigung wahrmachten und ein Drittel ihrer direkt gehaltenen Bestände in Spezialfonds überführten.

Seit Jahren gibt es bei diesen institutionellen Investoren den Trend, Immobilien nicht mehr selbst zu managen, sondern dies Spezialisten zu überlassen. Das gilt nicht nur für Neuerwerbe, sondern auch für Bestände. Diese werden in sogenannte Einbringungsfonds, die als einzigen Investor den Verkäufer haben, eingebracht. Dies falle den Institutionellen seit einem Jahr um so leichter, weil geänderte Steuervorschriften es nun ermöglichen, die Liegenschaften grunderwerbsteuerfrei in Spezialfonds zu überführen, erläutert Paul Muno, Geschäftsführer der Commerz Real Spezialfonds. Zusätzliches Wachstumspotenzial ergibt sich aus dem Bekenntnis Institutioneller, ihre Immobilienquoten im Anlagemix erhöhen zu wollen. Eine Erhöhung um einen Prozentpunkt bringt 20 bis 25 Mrd. Euro zusätzliches Anlagevolumen.

Neue Anbieter beleben den Markt

Das Wachstum weckt das Interesse an Neugründungen von Kapitalanlagegesellschaften (KAG) für Immobilien-Spezialfonds. So kündigte gestern die zur Sparkassengruppe gehörende Real I.S. an, den Zulassungsantrag für eine KAG bei der Aufsichtsbehörde BaFin gestellt zu haben. Zudem geht die auf Unternehmensimmobilien spezialisierte Beos an Ostern mit einem Spezialfonds an den Start. Sie gründet allerdings keine eigene KAG, sondern wird einen von iii für sie bereitgestellten Fondsmantel nutzen. "Eine eigene KAG wäre für uns zu aufwendig", sagte Beos-Geschäftsführer Stephan Bone-Winkel. "Man braucht etwa eine Milliarde Euro Volumen, um eine KAG wirtschaftlich zu betreiben", stellt Muno klar.

In der Fondsbranche ist nun durchgesickert, dass Europas größter Shoppingcenterentwickler ECE ebenfalls einen Spezialfonds bringen will. ECE selbst äußert sich dazu nicht. Dagegen hat ING Pläne für einen Immobilien-Spezialfonds nach eigenen Angaben zurückgestellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×