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02.01.2004

10:23 Uhr

Die Leerstandsrate steigt

In London stehen nur Käufer Schlange

VonFelix Schönauer

In seinem kurzen Leben hat das "Schweizer Haus" des Stararchitekten Norman Foster in London schon vieles erreicht. Allein dass es in der City gebaut wurde, gilt im niedrig angelegten Finanzdistrikt als Auszeichnung.

HB LONDON. Das wie ein überdimensionaler Menhir - ein Hinkelstein - gestaltete Gebäude setzt zudem Maßstäbe in Form und Funktionalität. So zirkuliert die Luft im Inneren und sorgt auch ohne Klimaanlage für angenehm kühle Luft im Sommer. Aus dem Spitznamen des 180 Meter-Turms - "Erotische Gurke" - leitete Sir Foster selbst ab, dass die Londoner dieses "Gebäude mit Persönlichkeit" schon nach kurzer Zeit akzeptieren. Nur ein Schönheitsfehler bleibt: Die Immobilie im Besitz der Versicherung Schweizer Rück beherbergt seit seiner Fertigstellung im November keine Mieter. Die Hausherren belegen knapp die Hälfte des Towers, der Rest steht leer. Für einen Sprecher der Versicherung ist das lediglich eine Marginalie: "Wir können warten."

Das müssen sie auch. Denn Fosters Prestigeobjekt kämpft wohl noch eine ganze Zeitlang mit den gleichen Schwierigkeiten, mit denen sich auch weniger etablierte Häuser in der City herumschlagen. Die Dauerkrise am gewerblichen Immobilienmarkt setzt sich fort. Eine wackelige Weltwirtschaft und das Abarbeiten der Bauaufträge aus der Boomphase um das Jahr 2000 führten auch im abgelaufenen Jahr dazu, dass Angebot und Nachfrage weit auseinander klaffen. 2003 dürften neuesten Prognosen zufolge gerade einmal drei Millionen Square Feet (sq ft, rund 279 000 Quadratmeter) in der City neu vermietet werden. Das wäre erneut ein Rückgang um zehn Prozent und "das schlechteste Jahr" seit 1990, wie Analyst Matt Oakley vom Immobilienmakler FPD Savills feststellt.

Auch die Leerstandsrate steigt. Mittlerweile liegt sie in der City bei gut 14 Prozent und wird nur noch in der Retorten-Siedlung Canary Wharf übertroffen, wo die Stadtentwickler einst ein Hochhaus neben das andere stellten. In der gesamten Stadt (Central London) stehen 11,1 Prozent der Gebäude leer, so viel wie seit zehn Jahren nicht. Nur im West End, wo sich vornehmlich die Einzelhändler aufhalten, sieht es ein wenig besser aus. Kaum verwunderlich also, dass auch der Druck auf die Mietpreise 2003 nicht nachließ. Mittlerweile liegt der Zins in den besten Lagen der City nur noch bei 47,50 Pfund pro sq ft, im Westend bei 57,50 Pfund pro sq ft. Das ist noch einmal ein Fünftel weniger als im Vorjahr.

Durch die Krise ergibt sich eine paradoxe Konstellation: Die Mieter der Objekte bleiben aus, trotzdem stehen Kaufinteressenten Schlange. Private Investoren aus Israel, Irland oder arabischen Ländern reißen sich ebenso wie deutsche Fonds um Immobilien an der Themse. Was merkwürdig klingt, hat eine einleuchtende Erklärung: Objekte in guten Lagen haben nach wie vor genug Mieter. Für Besitzer dieser Häuser wiederum fallen die Renditen in London besser aus als in ihren Heimatländern. Zudem verwandeln britische Eigenheiten des gewerblichen Mietrechts den Markt in ein Schlaraffenland für Investoren (siehe "Nachgefragt"). So müssen Mieter für Reparaturen selbst aufkommen - und zahlen. Zudem ist eine Verringerung eines einmal ausgehandelten Zinses praktisch ausgeschlossen. In der Regel setzen sich die Parteien alle fünf Jahre zusammen. Meist geht es dabei aber nur um das "Wieviel" einer Erhöhung, nicht mehr um das "Ob". Die Renditen der Investoren guter Objekte schrauben sich nach Schätzung von Maklern auf 5,75 bis 6,25 Prozent.

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