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17.06.2013

18:13 Uhr

Die Mitte wohnt arm

Wie Wohnen wieder bezahlbar werden soll

Handwerker haben oft die gleichen Probleme wie Hartz IV-Empfänger, wenn sie auf Wohnungssuche gehen. Denn bezahlbarer Wohnraum ist schwer zu finden in deutschen Großstädten. Für Ärmere bleibt erst recht kein Platz.

Deutschland kann einer Pestel-Studie zufolge eigentlich vier Millionen Sozialwohnungen gebrauchen. Allein um den Status quo zu halten, müssten jährlich zwischen 60.000 und 100.000 solcher Wohnungen entstehen. dpa

Deutschland kann einer Pestel-Studie zufolge eigentlich vier Millionen Sozialwohnungen gebrauchen. Allein um den Status quo zu halten, müssten jährlich zwischen 60.000 und 100.000 solcher Wohnungen entstehen.

BerlinDie Krankenschwester geht jeden Tag zur Arbeit und verdient nicht einmal schlecht. In München, Hamburg oder Frankfurt findet sie häufig trotzdem keine bezahlbare Wohnung. Genau wie die Rentnerin und der Handwerker. Für Normalverdiener werde es immer enger in den deutschen Großstädten, warnt die Wohnungswirtschaft. So eng, dass sozialer Wohnungsbau längst nicht mehr nur etwas für Ärmere ist.

Doch wo Normalverdiener in den günstigsten Wohnungen leben, bleibt für richtig Arme erst recht kein Platz.

„Sie können nicht mehr so bauen, dass sich die Menschen eine Neubauwohnung leisten können“, beklagt der Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko. Neue Wohnungen entstehen seit Jahren vor allem im Luxussegment.

Neubau mit mittleren und niedrigen Mieten für die Krankenschwester oder den Rentner lohnten sich nicht mehr, seit die Baukosten der Inflation davongerannt seien, begründet Gedaschko.

Jetzt werden dort, wo mittlere Mieten selten sind, auch noch die Sozialwohnungen knapp. Von den im Jahr 2002 noch 2,5 Millionen Wohnungen mit gedeckelten Mieten ist ein Jahrzehnt später fast eine Million verschwunden. Die Preisbindung des sozialen Wohnungsbaus aus der Nachkriegszeit läuft aus.

Dabei könnte Deutschland einer Pestel-Studie zufolge eigentlich vier Millionen Sozialwohnungen gebrauchen. Allein um den Status quo zu halten, müssten jährlich zwischen 60.000 und 100.000 solcher Wohnungen entstehen.

Kommentare (6)

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RDA

17.06.2013, 19:23 Uhr

Tja, wie schön, dass unsere kommunalen und bundeseigenen Immobiliengesellschaften alle privatisiert wurden. Böse Zungen behaupten, die neuen Eigentümer würden nicht so sehr auf Wohnqualität und stabile Mieten, sondern eher auf maximale Einnahmen binnen 5 Jahren setzen.
Außerdem verlieren die Kommunen jegliche Möglichkeit, ein Quartiermanagement zu betreiben. So schafft man soziale Brennpunkte. Und in ca. 10 Jahren muss dann womöglich eine in die Pleite gewirtschaftete Wohnungsgesellschaft wieder verstaatlicht werden.

Uli

17.06.2013, 20:17 Uhr

Die Mieten in den Ballungsgebieten sind zu hoch, ok. Also was machen? Ganz einfach die Vermieter sollen doch auf die kostendeckende Mieter verzichten, sind ohnehin alles Schweine oder warum nehmen die Geld für die Überlassung einer Wohnung, wo wohnen doch ein Grundrecht ist???
Lächerlich, die Baupreise haben sich moderat und maximal in der gleichen Geschwindigkeit erhöht wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten und die Gehälter. Was explodiert ist ist der Preis von Bauland in diesen Metropolen. Woran das u.a. auch liegt? Ganz einfach München selbst ist einer der größten Preistreibe bei den eigenen Grundstücken. Mehr als 100.000 Wohnungen könnten sofort gebaut werden wenn sich das Rathaus mal endlich bewegen würde und das viele vorhandene Land freigeben würde und eine moderate Nachverdichtung und vor allem Aufstockung der Altbestände zulassen würde. Aber nein , wo kommen wir den da hin, dann können wir ja gar nicht mehr die bösen Vermieter beschimpfen und damit auf Stimmenfan gehen.

Rene

18.06.2013, 16:16 Uhr

Ein Artikel für die Bau-Lobby. Es geht nur darum, dem Steuerzahler für die Bau-Klientel noch mehr Steuergeld aus den Rippen zu schneiden.

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