Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2014

15:40 Uhr

DIW-Studie

„Die Mietpreisbremse behandelt nur Symptome“

Vermietern und Maklern ist sie ein Dorn im Auge: die von der Bundesregierung geplante „Mietpreisbremse“. Wie eine Studie des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt, überwiegen auch für Mieter die Nachteile.

Mietpreisbremse - Eine gute Idee?

Video: Mietpreisbremse - Eine gute Idee?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinSeit Wochen ist die „Mietpreisbremse“ in aller Munde. Geht es nach Bundesjustizmister Heiko Mass (SPD), sollen Mieten bald nach oben hin gedeckelt werden – zumindest dann, wenn der alte Miete aus- und ein neuer einzieht. Doch nicht nur Vermieter und Makler, die bei der neuen Regelung schlechter wegkommen als früher, verurteilen den Gesetzesentwurf. Auch Experten wie Manfred Binsfeld, Leiter des Immobilienmarkt-Research bei Feri Eurorating, kritisieren, dass die Neuregelung falsche Anreize setzen würde.

Nun hat sich auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die geplante Mietpreisbremse vorgenommen. In einer aktuellen Studien raten die Wissenschaftler vom Gesetzentwurf in der jetzigen Form ab: Langfristig würden die Nachteile für Mieter und Vermieter deutlich überwiegen.

So funktioniet die Mietpreisbremse

Obergrenze

Der 40-seitige Gesetzesentwurf von Justizminister Heiko Maas sieht vor, dass in gefragten Wohnlagen die Mieten bei Wiedervermietung nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfen. Bislang können Eigentümer die Miethöhe beim Abschluss neuer Verträge praktisch frei festlegen.

Neubau

Neu errichtete und umfassend modernisierte Wohnungen sollen bei Erstvermietung von der Mietpreisbegrenzung ausgenommen sein.

Hohe Mieten

Wenn die bisherige Miete höher als die Vergleichsmiete war, soll der Vermieter diese Miete weiter verlangen können. Spätere Mieterhöhungen sind ebenfalls möglich; hier greifen dann die Regelungen für Mieterhöhungen bei bestehenden Verträgen in angespannten Wohnlagen: maximal 15 Prozent in drei Jahren.

Modernisierungen

Bei kleineren Modernisierungen können bislang bis zu elf Prozent der Kosten auf die Mieter umgelegt werden. Diese Regelung will der Bundesjustizminister aber in einem zweiten Schritt verschärfen.

Staffelmieten

Hier muss jeder Betrag bei Fälligkeit auf Wirksamkeit überprüft werden.

Auswahl der Regionen

Die Länder sollen ermächtigt werden, Gebiete mit knappen Wohnungsmärkten auszuweisen. Bislang ist noch nicht klar, nach welchen Kriterien das geschehen soll.

Makler

Die Maklergebühr soll künftig vom Vermieter getragen werden.

„Die Mietpreisbremse behandelt die Symptome, nicht die Krankheit“, sagen die DIW-Ökonomen Konstantin Kholodilin und Dirk Ulbricht. Sinnvoller wäre es, das Problem an der Wurzel zu packen und das Angebot zu erweitern – also mehr Wohnungen zu bauen. Dazu aber müsse der Wohnungsbau billiger werden.

Erreichen könne man dies in einer Niedrigzinsphase vor allem durch eine verstärkte Ausweisung brachliegender innerstädtischer Flächen als Bauland, und zwar unter der Bedingung, dass die Investoren auch preiswerte Wohnungen anbieten. Darüber hinaus sollten lokale Preisstatistiken für mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt sorgen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.04.2014, 16:22 Uhr

"Mehr Wohnungen" sind auch keine Lösung, wenn anscheinend zuviele Menschen am gleichen Fleck in der Stadt wohnen wollen, aber nicht unbedingt in Hochhäusern.

Eine echte Lösung wäre, andere Orte/Gebiete abseits der gefragten Gegenden attraktiver zu machen und grundsätzlich den öffentlichen Nahverkehr auszubauen.

Account gelöscht!

09.04.2014, 17:08 Uhr

Zitat:
„Zwischen 1990 und 2005 sind die Mieten in Deutschland real gesunken“

Das ist so und insofern gibt sich für einen Grossteil des Mietwohnungsmarktes in Deutschland auch gar kein staatlicher Handlungsbedarf. Echten Handlungsbedarf gibt es nur in einigen deutschen Metropolen, in denen die Immobilienpreise und in dem Zuge die Mieten deutlich angezogen sind. Dies müsste dort lokal gelöst werden durch Mietwohnungsneubau. Eine Mietpreisbremse wirkt jedoch grundsätzlich investoren-abschreckend und somit kontraproduktiv. Es wird keine einzige Wohnung neu gebaut wegen einer Mietpreisbremse und nur zusätzliches Angebot würde die Marktpreise sinken lassen. "Märkte" sind halt nicht mehr "in", sozialistisches Gedankengut um so mehr.
Wenn auch die Mieten in den meisten Gegenden nicht angestiegen sind, so sind doch die Nebenkosten explodiert. Gas, Heizöl, Strom, kommunale Gebühren und die Grundsteuer: das sind die eigentlichen Kostentreiber, die dem Mieter das Geld aus der Tasche ziehen. Und deswegen bleibt in weiten Teilen auch kein Geld mehr übrig für nennenswerte Mieterhöhungen. Eine "Nebenkostenbremse" ist von der deutschen Politik jedoch kaum zu erwarten.


Account gelöscht!

09.04.2014, 17:14 Uhr

... was sind schon Sachargumente gegen Ideologie und Klientelpolitik?
Solche Eingriffe in den Markt erhöhen Kosten und Risiken für Vermieter. Also werden sie die Mieten da erhöhen, wo noch Luft nach oben ist. Am Ende sind alle die Verlierer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×