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23.04.2012

13:50 Uhr

Einfamilienhäuser

Bezahlbare Bleibe verzweifelt gesucht

VonAnette Kiefer

Die Immobilienpreise in München steigen seit Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht. Problematisch ist, dass es kaum Neubauprojekte gibt. Die aber sind nötig, damit die Preise sinken.

Die Münchner Innenstadt ist für die meisten ein unerschwinglicher Wohnort. dpa

Die Münchner Innenstadt ist für die meisten ein unerschwinglicher Wohnort.

Wer in München ein Haus kaufen will, braucht vor allem drei Dinge: viel Geld, viel Geduld und ein optimistisches Gemüt. Denn bei durchschnittlichen Eigenheimpreisen von 625 000 für eine Doppelhaushälfte könnte sonst schnell Neid auf die Menschen in anderen Teilen von Deutschland aufkommen, die um ein Vielfaches niedrigere Preise fürs Eigenheim zahlen müssen.

Vor allem in Harlaching und Ramersdorf tut sich derzeit einiges auf dem Wohnungsmarkt. Um mehr als elf Prozent stiegen die Kaufpreise für ein Einfamilienhaus in Harlaching in nur einem Jahr. Nun werden hier 6 862 Euro pro Quadratmeter fällig, wie die Trendviertel-Analyse zeigt. Auch andere Statistiken belegen, dass der Durchschnittspreis für ein freistehendes Einfamilienhaus von 805 000 auf 815 000 Euro gestiegen ist.

Neue Einfamilienhäuser fehlen
Dabei speist sich das Angebot fast ausschließlich aus dem Bestand. „Außer einigen kleinteiligen Neubauprojekten für Eigentumswohnungen ist in jüngster Vergangenheit kaum Wohnraum hinzugekommen“, sagt Felix Embacher, Projektleiter München beim Marktforscher Bulwien Gesa. Auch Michaela Reimann von der auf Baufinanzierungen spezialisierten Dr. Klein bestätigt: „Für Häuser ist Harlaching zwar sehr gefragt, aber das Angebot ist enorm klein.“

Denn im großbürgerlichen Villenviertel Harlaching, das früher einen noch höheren Stellenwert genoss, war nie viel Industrie angesiedelt. So bleiben auch jetzt kaum Brachflächen, die für neue Projekte umgenutzt werden könnten. Durch seine idyllische Lage ist Harlaching ohnehin flächenmäßig eingeschränkt: Im Westen grenzt das Viertel an die Isar, im Südosten an den Perlacher Forst.

Was Harlaching in den vergangenen Jahren zu schaffen machte, war die fehlende Urbanität, sagt Felix Embacher: „Sie sind von Harlaching aus zwar gut an die U-Bahn angebunden und damit schnell in der Innenstadt, aber die Objekte hier besitzen einfach nicht die aktuell gesuchte Thematik. Die Leute wollen lieber stadtnäher wohnen.“ Ein Trend, der sich quer durch ganz Deutschland zieht.

Der Stadtteil Ramersdorf galt dagegen traditionell als Arbeiterviertel und war daher bislang in der Gunst der Besserverdienenden etwas niedriger angesehen. Durch das allerorts steigende Preisniveau hat Ramersdorf allerdings inzwischen den Ruf, eines der letzten Stadtviertel zu sein, das sich ein Paar mit durchschnittlichem Einkommen finanziell gerade noch leisten kann.

Darauf setzen nun auch die Stadtentwickler und initiieren verschiedene Projekte: Mittelfristig entstehen neben 500 Eigentumswohnungen auch sogenannte Stadthäuser mit fünf Zimmern und Dachterrasse auf dem Gelände östlich der Ottobrunner Straße. In nur drei Monaten waren 15 der 16 geplanten Stadthäuser verkauft, heißt es beim Bauträger Bauhaus.

Kommentare (1)

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Jonas

24.04.2012, 14:35 Uhr

Kaum Neubaugebiete? Mitnichten. Es werden massenhaft Wohnungen gebaut, Verdichtung ohne Ende. Dass Häuser bei dem Zuzugsdruck teuer und flächenmässig Unsinn sind, liegt auf der Hand: die knappe Ressource Raum mit verschwenderischen Häusern für Privilegierte zu verschwenden, macht keinerlei Sinn.
Wer ein Haus will, muss weit raus, das ist in München so. Aber Vorsicht: wer jetzt auf Pendeln ohne S-Bahn setzt, zahlt zwar weniger für das Haus, aber in wenigen Jahren deutlich mehr für das Benzin ( https://zeitschrift-ip.dgap.org/de/ip-die-zeitschrift/archiv/jahrgang-2011/mai-juni/erdöl ).
Also: lieber Wohnung als Haus, das macht finanziell und ressourcenmässig (beim Bau und beim Betrieb) wesentlich mehr Sinn.

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