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02.03.2012

22:08 Uhr

Einigung mit Stadt Dresden

Immobilienkonzern Gagfah wendet Millilardenstrafe ab

Die Tochter eines US-Investors hatte 2006 für 1,7 Milliarden Euro eine Dresdner Wohnungsbaugesellschaft und deren 45.000 Wohnungen gekauft. Bis heute zankten sich Stadt und Käufer über die Instandhaltung der Gebäude.

Zehntausende Wohnungen in Dresden gehören der Gagfah. dpa

Zehntausende Wohnungen in Dresden gehören der Gagfah.

FrankfurtDer Wohnungskonzern Gagfah hat im Rechtsstreit mit der Stadt Dresden die Gefahr einer milliardenschweren Vertragsstrafe vorerst abgewendet. Deutschlands größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft und die sächsische Landeshauptstadt einigten sich nach eigenen Angaben am Freitag auf einen Vergleich, der den Konzern mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag kosten dürfte. Die Vereinbarung hängt allerdings noch von einer Zustimmung des Stadtrats und der zuständigen Rechtsaufsichtsbehörde ab.

Dresden hatte die Tochter des US-Finanzinvestors Fortress im März 2011 wegen angeblicher Verstöße gegen Mieterschutzklauseln auf eine Vertragsstrafe von insgesamt 1,084 Milliarden Euro verklagt. Gagfah soll gegen die Sozialcharta verstoßen haben, die die Stadt dem Unternehmen beim Verkauf von mehr als 45.000 Wohnungen zum Schutz der Mieter auferlegt hatte. Gagfah hatte die städtische Wohnungsgesellschaft Woba im Jahr 2006 für rund 1,7 Milliarden Euro übernommen.

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Gagfah hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und eine Gegenklage erhoben. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie, die nach Bekanntwerden der Klageabsicht im März vergangenen Jahres abgestürzt war, legte nach der Mitteilung am Freitagabend deutlich zu. Das Papier schloss im späten Handel bei 4,69 Euro, nachdem es noch mit 4,38 Euro aus dem elektronischen Xetra-Handel gegangen war. Beide Seiten wollen alle Klagen zurücknehmen, wie es in Mitteilungen des Unternehmens und der Stadt hieß.

Gagfah werde der Stadt in den Jahren 2012 bis 2020 jährlich vier Millionen Euro überweisen und die Prozesskosten der Landeshauptstadt bis zu einem Betrag von vier Millionen Euro übernehmen - insgesamt also 40 Millionen Euro zahlen. Die Stadt kündigte an, mindestens 40 Prozent des Geldes in soziale Projekte wie Kindertagesstätten und Schulen zu investieren. Gagfah versprach außerdem, deutlich mehr Geld in die Instandhaltung der Wohnungen zu stecken. Jährlich sollten statt bisher fünf Euro mindestens 7,56 je Quadratmeter investiert werden.

Hinzu kommen nach Angaben der Stadt Erstattungen an diejenigen Mieter, die ihre Wohnungen von Gagfah gekauft haben. Sie sollen unter bestimmten Umständen einen Teil des Kaufpreises zurückerhalten. Ferner erhält die Stadt erweiterte Rechte bei der Belegung von Wohnungen. Und schließlich soll ein wesentlicher Teil der Sozialcharta zum Schutz der Mieter um fünf Jahre bis 2021 verlängert werden. Nach Angaben der Stadt kann Gagfah Mieten demnach nur begrenzt erhöhen und muss Mietern beim Kauf der Wohnung vergünstigte Konditionen gewähren.

Ende September gehörten Gagfah noch knapp 38.000 Wohnungen in Dresden mit einer Durchschnittsgröße von 57 Quadratmetern, wie aus dem jüngsten Quartalsbericht hervorgeht. „Dieser Vergleich kommt vor allem den Dresdner Mietern zugute“, erklärte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Ein jahrelanger Rechtsstreit könne nun vermieden werden. Der Dresdner Stadtrat werde voraussichtlich am 15. März über eine Annahme des Vergleichs entscheiden.

Gagfah teilte mit, die außergerichtliche Beilegung des Streits sei „im Interesse einer schnellen Erledigung und einer weiteren guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit“. Im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit steht Gagfah auch im Visier der Staatsanwaltschaft und der Finanzaufsicht Bafin: Die Behörden vermuten Insiderhandel mit Gagfah-Aktien, da Firmenchef William Joseph Brennan vier Wochen vor Bekanntwerden der Klage und dem Absturz der Aktie ein Anteilspaket für 4,7 Millionen Euro abgestoßen hatte. Weitere Informationen werden in der Woche vom 19. bis 29. März erwartet, in der das das Unternehmen voraussichtlich seine Geschäftszahlen vorlegt.

Von

rtr

Kommentare (3)

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B.Giertz

03.03.2012, 09:19 Uhr

Trotzdem war der Verkauf ein großer Fehler !
Was passiert nach 2021 ???

Dresden hat damals seinen Haushalt auf dem Rücken der eigenen Mieter saniert.

Das Streben nach maximalem Gewinn und das vermieten von Wohnungen passen nun einmal einfach nicht zusammen !

soscho

03.03.2012, 16:30 Uhr

.. in 2021 haben die "Investoren" bei nur 5 EUR/Jahr Instandsetzungsrücklage/qm (das sind 40 Cent/Monat!) ihre Investition von 1,6 Mrd. EUR dicke wieder rein geholt und einen Investitionsstau von mindestens 1,7 Mrd. (also den Kaufpreis) produziert. Man kann jetzt raten, wer den dann bezahlen wird...

Salierkoenige

06.03.2012, 18:55 Uhr

So werden Immobilienvermögen verschleudert, zu einem Preis
von 663 € pro qm. Bei Umwandlung in Wohnungseigentum, wäre
am freien Markt ein wesentlich besserer Preis erzielt wor-
den bzw. bei einem Verkauf an die Mieter! Aber dafür muß man viel Zeit und Arbeit investieren, was aber die verantwortlichen Kommunalpolitiker nicht wollen. Das
schnelle Geld ist Ihnen wichtiger!!!!

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