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02.05.2014

14:36 Uhr

Energieausweis ist Pflicht

Umweltfreundliches Ärgernis

VonJulia Rotenberger

Verbraucher dürften sich über ihn freuen, Bauherren ärgern. Seit dem 1. Mai müssen Immobilien einen Energieausweis haben und der Bau und Verkauf von Häusern wird teurer. Worauf Mieter und Verkäufer achten sollen.

Seit Mai gilt die Energieeinsparverordnung und mit ihr der neue Energieausweis. Immobilienanzeigen werden teurer, Verbraucher erhalten mehr Transparenz. Getty Images

Seit Mai gilt die Energieeinsparverordnung und mit ihr der neue Energieausweis. Immobilienanzeigen werden teurer, Verbraucher erhalten mehr Transparenz.

DüsseldorfVon Kühlschränken und Waschmaschinen kennen Verbraucher die bunten Aufkleber schon lange. Buchstaben wie A+ oder A++ sollen sie darüber informieren, wie viel Energie das Modell verbraucht und ob man sich nicht einen Stromfresser nach Hause holt. Nach dem gleichen System sollen nun auch Käufer und Mieter von Immobilien entscheiden können.

Seit dem 1. Mai dieses Jahres tritt die neue Energieeinsparverordnung in Kraft. Dann müssen Immobilienanzeigen wesentliche Angaben zu den Energiekennwerten enthalten und ein Energieausweis wird Pflicht. Darin finden Mieter und Käufer auf fünf Seiten Informationen zum jährlichen Energieverbrauch im Gebäude, zur Art des Heizens (ob Öl, Gas oder Elektrizität) sowie Verbesserungsvorschläge darüber, wie das Haus noch sparsamer gemacht werden könnte.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Neu sind außerdem die Effizienzklassen, welche die Immobilien in energiesparende und energiefressende Gebäude gliedern sollen. Von A+ bis H wird es insgesamt neun Klassen geben. In welche von ihnen ein Haus eingestuft wird, entscheidet der Verbrauch pro Quadratmeter.

Ein Gebäude der Klasse A+ zum Beispiel hat mit weniger als 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter den geringsten jährlichen Verbrauch und mit zwei Euro pro Quadratmeter auch die geringsten Kosten. Zum Vergleich: Ein Haus der Klasse H verbraucht im Jahr 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzungsfläche und verschlingt mit 20 Euro pro Quadratmeter fast das Zehnfache.

Doch Achtung: Anders als bei Fernsehern und Kühlschränken gilt bei dem Gebäudeausweis nicht, dass die höchste Klasse immer die erste Wahl ist. Während A+ bei neuen Elektrogeräten heute längst Standard ist, steht sie bei Immobilien für die wirklich sparsamste Variante: So genannte „Passivhäuser“.

Damit sind Gebäude gemeint, die so gut gedämmt sind, dass sie gar nicht beheizt werden müssen. Ein normaler Neubau entspricht nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den Klassen A oder B. Ein Gebäude mit einem durchschnittlichen Energieverbrauch (130 bis 160 Kilowattstunden pro Quadratmeter) sei in die E-Klasse einzustufen.

Kommentare (3)

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02.05.2014, 14:59 Uhr

Diese neue "Verordnung" ist in der derzeitigen Situation sicherlich nur ein Witz. Zum einen liegt das Interesse der Immobilienkäufer eher darin, ein bezahlbares Objekt in vernünftiger Lage zu finden; ein Energieausweis dürfte hier eher eine untergeordnete Rolle spielen.
Zum anderen ist der Verkäufer durchaus in der Lage als Bedingung zum Zuschlag den Verzicht des Käufers auf den Energieausweis schriftlich zu fixieren. Es mag eine gutgemeinte Verordnung sein, geht jetzt allerdings (und dies wird noch Jahre dauern)an der Realität vorbei und verursacht tatsächlich nur Kosten. Bringen wird sie nichts.
Übrigens ist die Klassifizierung der PKW auch voll daneben gegangen; Autos werden nach anderen Kriterien gekauft - ebenso wie Häuser.

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02.05.2014, 17:01 Uhr

Das ist doch nur ein bunter, heißer Luftballon für das Wohlbefinden verhaltensgestörter Gutmenschen.
Die sogenannten Null-Energiebauten mit ihren A-Plus-Gutachten werden nach nicht allzulanger Zeit dafür sorgen, dass deren Bewohner wegen der installierten Wärmerückgewinnungs-Klimaanlagen mit Atemnot und Allergieproblemen bei ihren Heilpraktikern und letztendlich in den sich dafür spezialisierenden Krankenhausanstalten landen, und dort dann noch mehr Energie ansparen können, da zu Hause ja der Latte-Macciato-Automat nicht mehr laufen wird.
Bei sämtlichen zu erstellenden Gutachten wird es sich nur darum handeln, den Forderungen der Lobbyisten nachzukommen, da keines dieser Gutachten irgendetwas über eine tatsächliche Energie- bzw. Kosteneinsparung aussagen kann.

Account gelöscht!

02.05.2014, 17:35 Uhr

Hausrenovierungen zur Heizkostenersparnis rechnen sich nur in wenigen Ausnahmefällen.

Der sogenannte "Energieausweis" reduziert in keinster Weise die Energiekosten. Es wird lediglich der Ist-zustand dokumentiert den man sich mit wachem Blick ohnehin denken kann.

In Grossstädten mit Wohnungsmangel kann das Ergebnis dem Vermieter egal sein. In ländlichen Gebieten mit Leerstand sind die Mieten meist nicht so attraktiv, dass Vermieter Geld in solche Oekomerkmale investieren.

Letztlich ist es ein Gesetz zugunsten mehr, oder minder qualifizierter Berater die damit ihren Lebensunterhalt verdienen zu Lasten der Allgemeinheit.

Es ist ein Beispiel eines grossartigen Ökolobbyings den Vermieter und letztlich Mieter bezahlen.

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