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09.10.2014

07:00 Uhr

Energieausweis

So finden Sie eine sparsame Immobilie

VonKatharina Schneider

Alte Heizung, schlecht gedämmte Wände – eine Wohnung kann schnell zur Energiekostenfalle werden. Der Energieausweis soll für Vergleichbarkeit sorgen. Doch erst einmal muss man ihn verstehen. So funktioniert’s.

Die Bewertungsskala des neuen Energieausweises reicht von 0 bis 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter. dpa - picture-alliance

Die Bewertungsskala des neuen Energieausweises reicht von 0 bis 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

DüsseldorfDie Größe, die Lage, die Ausstattung – diese Kriterien reichen längst nicht mehr aus, um die Attraktivität einer Immobilie zu beurteilen. Angesichts der steigenden Energiekosten wird auch die Energieeffizienz eines Hauses wichtiger. Auskunft darüber soll ein Energieausweis geben, doch dabei gibt es gleich mehrere Probleme: Die Angaben werden künftigen Eigentümern oder Mietern häufig noch vorenthalten – und sie sind schwierig zu verstehen.

Wer eine Immobilie vermieten oder verkaufen möchte, muss die Interessenten über die Energieeffizienz des Gebäudes informieren. In Wohnungsanzeigen gehören die Angaben eigentlich schon seit mehr als fünf Monaten. Dazu zählen der Energiekennwert, der Energieträger der Heizung – also etwa Öl oder Gas, das Baujahr des Gebäudes, die Energieeffizienzklasse und – ganz wichtig – die Art des Energieausweises.

In der Praxis hat sich das aber noch nicht durchgesetzt. Die Verbraucherzentrale NRW hat 1700 Zeitungsannoncen und Aushänge in 47 nordrhein-westfälischen Städten untersucht. Ergebnis der Stichprobe: In vier von zehn Anzeigen und Aushängen bei Maklern und Geldinstituten fehlt der Energiekennwert. „Bisher wurde das Gesetz nur unvollständig umgesetzt“, sagt Katrin Wefers, Energieexpertin der Verbraucherzentrale NRW. „Hinter dem Energieausweis steckt eine gute Idee, aber dem Verbraucher hilft das nur, wenn er die Angaben in allen Anzeigen findet, die Werte vergleichbar sind und er diese auch versteht“, so die Expertin.

Keine dieser Bedingungen ist bisher erfüllt. An der Vergleichbarkeit mangelt es schon wegen der verschiedenen Typen von Energieausweisen: dem Verbrauchs- und dem Bedarfsausweis. Der Verbrauchsausweis bezieht sich auf die tatsächlichen Verbräuche der vergangenen drei Jahren. Wie der Wert ausfällt, hängt vom Verbrauch der bisherigen Bewohner ab. Die Werte sind also für verschiedene Immobilien nicht vergleichbar.

Die Berechnung für den Bedarfsausweis ist dagegen unabhängig vom Verhalten der Bewohner. Voraussetzung ist ein umfangreiches bautechnisches Gutachten. Wichtig sind neben dem Baujahr vor allem Bauunterlagen und technische Gebäude- und Heizungsdaten. „Wir empfehlen die Abschaffung des Verbrauchsausweises, weil er weniger aussagekräftig und abhängig vom individuellen Heiz- und Wohnverhalten der Bewohner ist“, so Verbraucherschützerin Wefers.

Wichtiges zum Energieausweis

Wieso gibt es den Energieausweis?

Die Pflicht zur Erstellung er Energieausweise ist in der Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt. Die Ausweise sollen Auskunft über den energetischen Zustands von Gebäuden geben.

Was beinhaltet der Energieausweis? Seite eins

Seite 1 der Ausweise enthält allgemeine Angaben zum Gebäude, darunter die Adresse, das Baujahr des Gebäudes und der Anlagentechnik sowie die Anzahl der Wohnungen. Bei Energieausweisen, die nach 1. Oktober 2009 ausgestellt wurden, finden sich an dieser Stelle auch Aussagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und zum Lüftungskonzept. Außerdem ist auf der ersten Seite vermerkt, welches Verfahren zur Berechnung der energetischen Qualität des Wohngebäudes eingesetzt wird.

Was beinhaltet der Energiebedarfsausweis?

Bei einem Bedarfsausweis sind auf Seite 2 die Kennwerte für den Energiebedarf erfasst.

Was beinhaltet der Energieverbrauchsausweis?

Bei einem Verbrauchsausweis sind auf Seite 3 die Kennwerte für den Energieverbrauch erfasst.

Was beinhaltet der Energieausweis? Seite vier

Seite 4 des Energieausweises enthält für den Gebäudeeigentümer in knapper Form kostengünstige Vorschläge zur Verbesserung der energetischen Eigenschaften des Gebäudes, sofern diese möglich sind. Sind keine Empfehlungen zur Modernisierung möglich, beispielsweise weil das Gebäude bereits umfassend saniert wurde, ist dies vom Ausweisaussteller auf dem Formular zu vermerken.

Was beinhaltet der Energieausweis? Seite fünf

Auf Seite 5 finden sich abschließend einige Erläuterungen zu den Angaben im Ausweis sowie den Berechnungsverfahren.

Was gibt der Energiekennwert an?

Der Kennwert gibt den jährlichen Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter (m2) Nutzfläche an – kurz: kWh/(m2a). Je höher der Kennwert, desto schlechter ist der energetische Zustand des Gebäudes.

Was bedeuten die neuen Energieeffizienzklassen?

Die ersten Energieausweise gab es bereits 2007. Die ab 1. Mai 2014 ausgestellten Energieausweise besitzen eine Effizienzklasse, wie man sie von vielen Elektrogeräten kennt. Die Skala reicht von A+ bis H, wobei A+ der beste Werte ist.

Wie lange sind die Ausweise gültig?

Die Energieausweise sind in der Regel zehn Jahre gültig.

Berechnung der tatsächlichen Energiekosten

Eine Übersicht der VZ NRW zeigt die ungefähren Energiekosten pro Quadratmeter. Um die Kosten abzuschätzen, können zehn kWh ungefähr mit einem Liter Heizöl oder einem Kubikmeter Gas gleichgesetzt werden. Für die Berechnung wurden acht Cent je Kilowattstunde Brennstoff angenommen, das entspricht circa 80 Cent je Liter Heizöl. Ein Energiebedarf der Effizienzklasse B (50 bis 75 kWh/(m²a) entspricht demnach jährlichen Energiekosten von etwa fünf Euro pro Quadratmetern.

Quelle

Verbraucherzentrale NRW

Anders sieht es Gerold Happ vom Eigentümerverein Haus & Grund. Er fordert eine Beschränkung auf den Verbrauchsausweis: „Wir sehen den Energieausweis grundsätzlich kritisch, beide Ausweistypen bieten nur eine grobe Orientierung und erlauben keine Rückschlüsse auf die persönlichen Heizkosten. Zugleich ist der Bedarfsausweis für Hauseigentümer aber viel teurer – ohne einen echten Mehrwert zu bieten.“

Kommentare (2)

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Herr Alexander Majonek

09.10.2014, 15:33 Uhr

Der ARtikel bringt die aktuelle Problematik auf den Punkt und da ab 2015 Bußgelder drohen, sollte man sich als Mieter, Vermieter und Verkäufer über Energieberatung- und Ausweise ausreichend informieren.

Energieberater und ihre Dienstleistungen kann man auf gleichnamigen Portal (Energieberater-vergleich) online vergleichen. Dort wird auch vom Experten erläutert warum es verschiedene Ausweistypen gibt, was vor- und Nachteile sind sowie über gesetzliche Pflichten belehrt. Darüber hinaus findet man Experten für Fördermittel von KfW und BAFA.

Herr Hubert Beyerle

13.10.2014, 10:18 Uhr

Das Problem ist ja das, dass man bislang seine neue Wohnung nicht nach dem niedrigsten Energieverbrauch aussuchen kann. Es gibt keine Transparenz hier, darum ist das Thema für Makler und Vermieter bislang nicht wichtig - trotz der neuen Gesetzeslage. Das wird sich aber ändern, immerhin gibt es inzwischen eine Immobilienplattform, auf der man speziell nach energieeffizienten Wohnungen suchen kann, nämlich www.apluswohnen.de

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